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B2B
03/13/2012

LTE: Mobilfunker nutzen Rundfunksendeanlagen

Zahlreiche Mobilfunkunternehmen rüsten derzeit ihre Netze auf den neuen Standard LTE um. Dabei holen sie sich auch Hilfe von außerhalb, wie beispielsweise die des Co-Location-Angebots der ORS. Diese stellt bereits jetzt 260 ihrer 450 Standorte zur Drittnutzung zur Verfügung.

Die ORF-Tochter, die für den Betrieb der Sendeanlagen für Rundfunkanbieter zuständig ist, arbeitet seit einigen Jahren auch für andere Unternehmen als Dienstleister. Durch das sogenannte Co-Location-Angebot finden sich auf der Kundenliste mittlerweile neben allen österreichischen Mobilfunkanbietern auch Energieversorger, das Bundesheer und die österreichische Flugsicherung Austro Control. Diese mieten sich nicht nur in das bereits bestehende Netz aus Sendeanlagen an über 450 Standorten ein, sondern lassen auch neue Sendemasten in Abstimmung mit der ORS errichten. Diese werden dann allerdings nicht in das Netz der ORS eingegliedert, sondern die ORF-Tochter übernimmt anschließend die Planung und Durchführung der Installationen, baubehördliche Abwicklungen sowie teilweise auch die technische Wartung bestimmter Komponenten. Der eigentliche Netzbetrieb wird dann aber nicht mehr von der ORS abgewickelt.

Stockender Ausbau
Besonders Mobilfunkanbieter haben sich in den vergangenen Jahren ein wahres Wettrüsten um die besten Standorte für Sendemasten und die optimale Netzqualität geliefert. Jetzt steht eine neue Herausforderung an: der UMTS-Nachfolger LTE, der theoretisch bis zu 100 Mbit/s im Download ermöglichen soll. Doch der Ausbau stockt noch, bislang werden erst einige Ballungsräume wie Wien, St. Pölten und Innsbruck mit dem neuesten Mobilfunkstandard versorgt. Auch hier erweist sich das LTE-Netz in Praxistests als sehr verbesserungsfähig, da Verbindungen oftmals nur in einem Umkreis von wenigen hundert Metern vom Sendemasten entfernt verfügbar sind. Hier will sich nun die ORS am Ausbau der drei verbliebenen Netzbetreiber A1, T-Mobile und Drei beteiligen.

Drei hat 25 Prozent Netzabdeckung bis Mitte 2013 als Vorgabe ausgegeben, A1 und T-Mobile sprechen derzeit nur von einem "raschen Ausbau". Das eigentliche Problem steckt dabei auch in den noch nicht vergebenen Frequenzen im 800 MHz Bereich, die auch in ländlichen Gebieten eine weitreichende Versorgung gewährleisten sollen. Diese sollen im Herbst dieses Jahres noch versteigert werden, allerdings gibt es bereits jetzt Experten, die vor der Verwendung der Frequenzen in diesem Bereich warnen. Der Frequenzbereich, der durch die Abschaltung des Analogfernsehens frei wurde, könnte nämlich bei der Verwendung für das LTE-Netz zu Problemen mit Fernsehgeräten oder Funkmikrofonen führen.

Kaum Ausfälle
Erst vergangene Woche zog die ORS Bilanz zu ihrer Sendeleistung im vergangenen Jahr. So seien 2011 alle Fernseh- und Radiosender zu 99,99 Prozent ohne Zwischenfälle über Satellit, DVB-T (digitales Antennen TV) und UKW an alle österreichischen Haushalte gesendet worden. Auch die schwierigen Witterungsbedingungen im vergangenen Jahr wurden weitestgehend problemlos überstanden. Besonders problematisch ist aber laut ORS die Gefahr von Stromausfällen. Um das Risiko zu minimieren sind bei großen Sendeanlagen Notstromaggregate fix vor Ort verbaut, bei kleineren Anlagen kommen im Notfall mobile Geräte zum Einsatz.

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