Media-Saturn: Jahrelanger Rechtsstreit droht
03/21/2011

Media-Saturn: Jahrelanger Rechtsstreit droht

„Ich bin doch nicht blöd“. Seit Anfang der 1990er Jahre wirbt die Elektronikkette Media Markt mit diesem Spruch um Kunden. Ähnliches mag sich Firmengründer Erich Kellerhals gedacht haben. Der Unternehmer verklagte den Handelsriesen Metro.

Damit ist ein offener Machtkampf um Europas größten Elektronikhändler, die Media-Saturn-Holding, entbrannt. Es droht ein monatelanger, unter Umständen jahrelanger Rechtsstreit. Aktionärsschützern bereitet die Auseinandersetzung bereits Sorgen.

Media Markt und Saturn: Die Logos stehen für rund 870 Märkte in 17 Ländern mit 70.000 Mitarbeitern. Lange war das Geschäft mit Kameras, Fernsehern und Computern ein Selbstläufer. Mit dem Internet-Boom wurden jedoch aus Jägern Gejagte. Mit dem Online-Geschäft hinkt der Marktführer anderen hinterher. Medienberichten zufolge soll es Streit um das Expansionstempo in China und Fehler im Online-Handel gegeben haben. Wenn man bei Media Markt und Saturn weiterkommen wolle, müssten alle Eigentümer an einem Strang ziehen, mahnt Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Mitspracherechte gesichertDer Machtkampf hat zwei Gesichter - auf der einen Seite kämpft Erich Kellerhals um sein Lebenswerk, wie er selbst betont. Auf der anderen Seite will sich Metro-Chef Eckhard Cordes (60) durchsetzen. Der Düsseldorfer Handelskonzern besitzt immerhin 75 Prozent der Anteile an der Media-Saturn-Holding. Die Firmengründer haben sich aber bei Anteilsverkäufen vor Jahrzehnten große Mitspracherechte gesichert. Neben Kellerhals, der über 21,6 Prozent der Anteile verfügt, ist auch noch Firmenmitgründer Leopold Stiefel mit drei Prozent beteiligt.

Die Auseinandersetzung wird nicht nur vor Gericht ausgetragen. „Er hat mein Vertrauen missbraucht. Ich lasse nicht zu, dass Herr Cordes zerstört, was uns groß und erfolgreich gemacht hat“, schimpfte Kellerhals im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ). Cordes wolle die Firmengründer mit einem neu einzurichtenden Beirat ausbooten. „Zentralistisch denkende Manager, noch dazu, wenn sie aus einer fremden Branche kommen, haben kein Gefühl dafür, wie unser Geschäft läuft: Handel ist etwas anderes als Finanzakrobatik.“

Cordes, der aus der Autobranche kommt, hat an diesem Dienstag bei der Bilanzvorlage in Düsseldorf Gelegenheit zu kontern. Bisher hat er alle Machtkämpfe um Metro gewonnen. Unter der Regie von Cordes stockte der Familienkonzern Haniel 2007 seine Metro-Beteiligung auf, um größeren Einfluss ausüben zu können. Der damalige Konzernchef Hans-Joachim Körber räumte vorzeitig seinen Schreibtisch. Cordes übernahm den Vorstandsvorsitz von Metro zusätzlich zum Amt des Haniel-Chefs. Er krempelte den Handelsriesen kräftig um, mehrere Vorstände gingen.

Rechtsstreit mit mehreren InstanzenDoch bei diesem Kräftemessen hat der unnachgiebige Konzernchef einen anderen Gegner. Kellerhals wird zum Kreis der Milliardäre gezählt. Dem 71-Jährigen trauen Beobachter zu, einen Rechtsstreit über Jahre und wenn nötig durch mehrere Instanzen zu führen. Im Gespräch mit der „FAZ“ ließ Kellerhals keinen Zweifel daran, wer aus seiner Sicht den längeren Atem hat: „Vorstände kommen und gehen. Wir haben sie bisher alle überstanden.“ Bei Haniel-Chef Jürgen Kluge hat sich der Media-Markt-Gründer bereits über Cordes Vorgehen beschwert. Entscheidend dürfte sein, wie sich Haniel in dem Konflikt verhält.

Der Metro-Großaktionär wird seit Anfang 2010 vom früheren McKinsey-Manager Kluge geleitet, der zugleich auch der Aufsichtsratschef der Metro AG ist. Spekulationen, dass es nicht immer harmonisch zwischen Cordes und seinem Kontrolleur zugeht, halten sich hartnäckig. Und dass er durchgreifen kann, hat Kluge erst kürzlich bei einer anderen Haniel-Tochter bewiesen, dem Pharmahändler Celesio. Wie in der vergangenen Woche bekannt wurde, muss Celesio-Chef Fritz Österle Ende Juni das Unternehmen verlassen. Hintergrund soll ein Streit mit Haniel über die Zukunft des Unternehmens gewesen sein.



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