B2B
04.04.2014

Online-Imperium Alibaba auf Kurs zu Rekord-Börsengang

Der chinesische Internet-Gigant Alibaba ist schon jetzt das weltgrößte E-Commerce-Unternehmen und soll rund 100 Mrd. Euro Wert sein.

Beim Börsengang von Alibaba in den USA dürfte der Amazon-Konkurrent gleich eine ganze Reihe von Rekorden knacken. Finanzprofis beziffern den Wert des Konglomerats auf gut 100 Mrd. Euro.

Börsianer gehen davon aus, dass Alibaba bei seinem diesjährigen Gang an die Wall Street Anteile im Wert von umgerechnet knapp 12 Mrd. Euro verkaufen will - dies würde selbst den Börsengang von Facebook in den Schatten stellen.

Gigantisches Unternehmen

Das Unternehmen mit rund 300 Millionen Kunden und 25.000 Beschäftigten wickelt rund 80 Prozent aller privaten Internet-Einkäufe in der Volksrepublik ab, die dieses Jahr auf ein Volumen von knapp 300 Milliarden Euro anschwellen dürften. Über Alibaba-Portale werden damit weitaus mehr Waren verkauft als bei Amazon und Ebay zusammen.

Alibaba hat beispielsweise den chinesischen „Single-Tag“ am 11. November - eine Art Feiertag für Alleinstehende - zum größten Internet-Shopping-Ereignis der Welt mit einem Umsatz von zuletzt 4 Mrd. Euro gemacht. Zum Vergleich: Beim berühmten US-Pendant „Cyber Monday“ kommt weniger als ein Drittel dieser Summe zusammen.

Technologie-Experte Duncan Clark vom Pekinger Beratungsunternehmen BDA fasst es so zusammen: „Alibaba hat faktisch in Alleinregie bestimmt, wie Internet-Handel in China funktioniert.“

Weiteres Wachstum

Trotz seiner gigantischen Größe hält Alibaba das Ende der Fahnenstange noch lange nicht für erreicht. Wie Vizechef Joe Tsai erklärte, will Alibaba noch zahlreiche andere Branchen umkrempeln. Geplant seien derzeit Expansionen in die Bankenwelt, die Reise- und Unterhaltungsindustrie sowie ins Erziehungswesen. Seinen Vorstellungen zufolge werden die Kunden bald mit Alibaba-Apps für Smartphones in Fonds investieren, Alibaba-Versicherungen für ihre Wohnungen abschließen und virtuelle Alibaba-Kreditkarten für den Internet-Einkauf in den USA einsetzen. „Unsere Vision ist es, ein größerer Bestandteil vom Leben der Menschen zu werden und ihre gesamten Bedürfnisse zu befriedigen“, erklärt der Absolvent der US-Eliteuni Yale, der als Chefstratege von Alibaba gilt.

Gefahren

Wie Alibaba zuletzt feststellen musste, schläft die Konkurrenz nicht, sondern holt selbst im Kerngeschäft des Giganten mit großen Schritten auf. So gewann zuletzt etwa JD.com Marktanteile im Online-Handel. Viele Experten halten jedoch das Internet-Unternehmen Tencent Holdings für den wichtigsten Rivalen, weil es bei zukunftsträchtigen mobilen Anwendungen mit seiner App „WeChat“ die Nase vorn hat und dazu noch mit JD.com kooperiert.

Mit seinen ehrgeizigen Plänen im Finanzsektor hat Alibaba zudem bereits Aufsichtsbehörden und staatliche Banken auf den Plan gerufen. Alibaba bietet etwa doppelt so hohe Zinsen wie den traditionellen Banken erlaubt ist und hat damit faktisch über Nacht den größten Geldmarktfonds des Landes geschaffen. Die Banken limitieren nun im Gegenzug, wieviel Geld ihre Kunden im Internet ausgeben können. Auch die Notenbank erwägt, dem Internet-Banking straffere Zügel anzulegen.

Besitzverhältnisse

Die wichtigsten Anteilseigner sind das japanische Internet-Unternehmen Softbank mit rund 37 Prozent und Yahoo mit 24 Prozent. Konzernchef Jack Ma und Tsai besitzen zusammen etwa zehn Prozent der Firma. Ma gründete das Unternehmen vor 15 Jahren gemeinsam mit 17 weiteren Mitstreitern