B2B
07.10.2013

ORF wehrt sich gegen Google und Internet-Werbefilter

Der ORF wirft Eyeo, dem Unternehmen hinter Adblock Plus, "Marktmacht-Missbrauch" vor und legt Beschwerde bei der Bundeswettbewerbsbehörde ein.

"Dubiose Geschäfte" und "digitale Wegelagerei" nannte es die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" im Sommer, von "Marktmacht-Missbrauch" spricht nun der ORF. Die Rede ist von der deutschen Eyeo GmbH, deren Internet-Werbefilter "Adblock Plus" von weltweit über 60 Millionen Menschen genutzt wird, und es geht um die Kooperation von Eyeo mit Google. Der Internet-Konzern zahlt nämlich dafür, dass Google-Werbung von "Adblock Plus" nicht gefiltert wird und bei Usern landet. Der ORF hat am Montag deshalb eine Sachverhaltsdarstellung an die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) übermittelt.

Zahlen für Whitelist

Werbeblocker-Software wird von vielen Internet-Usern eingesetzt, um ungewünschte Online-Werbung während der Internet-Nutzung zu unterdrücken. Betreiber von Internet-Werbefiltern versprechen denn auch "Surfen ohne Werbung". Eyeo hat freilich bereits vor zwei Jahren in sein Programm "Adblock Plus" eine Funktion eingebaut, mit der "akzeptable Werbung" nicht mehr blockiert wird und dafür auch einen Kriterienkatalog erstellt. Dieser soll nach deutschen Medienberichten allerdings vor allem auf eine zahlungskräftige Werbeklientel zugeschnitten sein.

Google hat etwa die Kriterien von "Adblock Plus" erfüllt und befindet sich auf der Eyeo-"Whitelist". Und der Internet-Konzern zahlt für seine Google AdWords-Anzeigen auch an Eyeo. Laut deutschen Branchenmedien fordert der Werbefilter-Anbieter für Werbefreischaltungen einen Umsatzanteil von 30 Prozent. Deutsche Verlagshäuser mit Nachrichtenportalen stört an dieser Vorgangsweise, dass "Adblock Plus" zunächst existierende Werbemodelle aushöhlt und jährlich Millionenumsätze kostet, um danach von Ausweichangeboten wie "akzeptablen Anzeigen" finanziell zu profitieren.

Schwere Vorwürfe gegenüber Google

In Österreich wollen große Medienunternehmen wie der ORF diese Methoden nicht weiter stillschweigend hinnehmen. "Die Vermutung liegt nahe, dass Wettbewerber bei der Unterdrückung von Online-Werbung ungleich behandelt werden", heißt es aus dem ORF zur Praxis der Internet-Unternehmen. Und: "Es besteht die Vermutung, dass die Anforderungen des Adblockers nicht nur zufällig mit dem Profil der Google-Werbungen übereinstimmen."

Google macht in Österreich laut Branchenschätzungen mit Online-Werbung rund 140 Millionen Euro. Das gesamte Online-Werbevolumen macht etwa 200 Millionen Euro aus.

Sollte es durch die Adblock-Praxis zu "einer Ungleichbehandlung und Diskriminierung bestimmter Medien kommen und diese auf Google zurückzuführen sein, bedeutet dies einen Missbrauch von Marktmacht zum Nachteil österreichischer Medien", betonte man im ORF am Montag. "Der ORF hat die Bundeswettbewerbsbehörde im Sinne eines funktionierenden und verzerrungsfreien Wettbewerbs im Interesse aller österreichischen Marktteilnehmer über diesen Sachverhalt informiert und um eine entsprechende Prüfung ersucht."