B2B 16.02.2013

Philips-Chef baut Unternehmen radikal um

Beim niederländischen Elektronik-Konzern Philips bleibt kein Stein auf dem anderen. Der radikale Umbau gibt dem Traditionsunternehmen ein völlig neues Gesicht. Frühere Kassenschlager wie die Fernseher-Sparte oder das Audio- und Video-Geschäft haben sich dabei als Klotz am Bein erwiesen und sind der Schrumpfkur zum Opfer gefallen.

Denn Philips-Chef Frans van Houten orientiert sich daran, wie gewinnträchtig ein Bereich ist. Was nicht gefällt, wird über Bord geworfen. Van Houten hat zudem neue Manager für die drei Kernsparten Verbraucherelektronik, Straßenbeleuchtung sowie Medizintechnik bestimmt. Diese räumen mit auf und versuchen, den schwerfälligen Riesen mit rund 120.000 Mitarbeitern schlagkräftiger zu machen. Dies zahlt sich zusammen mit massiven Einsparungen langsam aus. In den vergangenen vier Quartalen fielen die Ergebnisse besser als von Analysten erwartet aus. Die Philips-Aktie ist auch dank eines milliardenschweren Aktienrückkaufprogramms wieder auf dem Niveau, das sie zuletzt im März 2011 erreicht hatte.

Lob für das neue Management
Der Chef des Großaktionärs Southeastern Asset Management, Scott Cobb, lobt die Bereitschaft, sich von Bereichen zu trennen, in denen man nicht mehr wettbewerbsfähig sei. Das neue Management mache dies viel besser als frühere Vorstände. Southeastern ist mit etwa 6,5 Prozent größter Anteilseigner. Trotz der Verbesserungen ist bei Philips noch Luft nach oben.

Nimmt man das operative Ergebnis (Ebitda) als Maßstab, hinken die Niederländer dem deutschen Rivalen Siemens und General Electric aus den USA weiterhin hinterher. Laut van Houten muss noch in einem Drittel der Geschäftsbereiche aufgeräumt werden. „Es gibt sehr viel mehr Potenzial", sagt er und will sich dafür fünf Jahre Zeit nehmen. Zugleich erklärt van Houten, viele machten den Fehler, einen Konzernumbau zu früh für beendet zu erklären.

Berechnungen per Computer-Modell
Der Firmenchef ist seit April 2011 im Amt. Als Hauptproblem machte er die Masse an Produkten aus, die Philips im Portfolio hatte. Weil das Unternehmen auf zu vielen Märkten gleichzeitig mitmischte, schlichen sich Fehler ein. Das Management war seiner Ansicht nach kaum in der Lage festzustellen, wo Geld verdient und wo es verloren wird. Um diesem Problem Herr zu werden, entwickelte er ein Computer-Modell, mit dem die einzelnen Produkte und ihre Märkte genau verfolgt werden können. Ein Ampel-System mit den gängigen Farben rot, gelb und grün gibt nun Aufschluss über das jeweilige Geschäft - und den Handlungsbedarf für das Management.

Schnell stellte van Houten fest, im Fernseher- und Audio-Geschäft nichts gegen die asiatische Billig-Konkurrenz von Samsung Electronics und LG Electronics ausrichten zu können. Deswegen verabschiedete er sich von den Segmenten. Erst im Jänner wurde die Abspaltung des Audio- und Videobereichs für 150 Millionen Euro an den japanischen Rivalen Funai Electric bekannt.

Bei den Haushaltsgeräten gab es zuletzt deutliche Fortschritte. Die zugrundeliegende Marge verbesserte sich im Schlussquartal 2012 auf 11,7 Prozent von 8,3 Prozent im Vorjahreszeitraum und dürfte noch weiter steigen. Dazu tragen die gewinnträchtigen Elektro-Zahnbürsten, Kaffeemaschinen und Rasier-Apparate bei.
Beim Wachstum setzt Philips - wie viele andere Unternehmen auch - voll auf Schwellenländer. Allein in China schlug der Konzern im vergangenen Jahr mehr als zehn Millionen Elektro-Rasierer los. Im vierten Quartal lag der in Schwellenländern wie Brasilien, Russland, Indien und China erzielte Anteil an den Konzernerlösen schon bei 35 Prozent. Ende 2010 waren es erst 33 Prozent.

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( APA , Reuters ) Erstellt am 16.02.2013