B2B
12.02.2014

Reiche sollen Start-ups fördern

"Von den Investitionen der Vermögenden in Startups profitiert nicht nur der Wirtschaftsstandort Österreich, sondern ganz Europa,… © Bild: Jürg Christandl

Bank Austria-Vorstand Willibald Cernko plädiert dafür, dass anstelle der Vermögenssteuer Reiche ihr Geld in Start-ups investieren müssen, um die Wirtschaft anzukurbeln

„In Österreich gibt es keine Innovationskultur“, sagt Bank-Austria-Vorstand Willibald Cernko im futurezone-Interview. „Es muss etwas falsch laufen, wenn heimische Forscher für ein tolles Projekt, mit dem man im Silicon Valley schlagartig 20 bis 30 Millionen Dollar bekommt, hier in Österreich mit 200.000 oder 300.000 Euro das Auslangen finden müssen.“ Cernko plädiert für eine Reform der Förderung von Forschung und Entwicklung in Österreich. „Zum einen muss das Stiftungsrecht reformiert werden und zum anderen müssen für Vermögende steuerliche Anreize geschaffen werden, dass diese ihre Mittel vermehrt der Forschung zur Verfügung stellen.

Politik gefordert

Cernko fordert nun Staat und Politik auf, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Vermögenden eingeladen werden, einen Teil ihres Vermögens verstärkt auch diesen Aktivitäten zuzuführen. Cernko: „Ich würde mir wünschen, dass Vermögende weniger Steuern zahlen, dafür mehr Gelder für Startups zur Verfügung stellen. Von zehn geförderten Startups werden einige sehr erfolgreich sein, die Investition in die wenig oder nicht erfolgreichen kann man indirekt als eine Art Steuerleistung sehen.“ Vorteil sei auch, dass nicht die öffentliche Hand Förderungen für ein Projekt vergibt, sondern privates Geld verwendet wird.

© Bild: APA HANS KLAUS TECHT

Von den Investitionen der Vermögenden in Startups profitiere nicht nur der Wirtschaftsstandort Österreich, sondern ganz Europa, „weil neue und vielleicht ganz andere Arbeitsplätze mit einer ganz anderen Wertschöpfung entstehen“.

Umdenken gefordert

Cernko plädiert auch für ein Umdenken bei den Vermögenden: „Es kann doch nicht so sein, dass alles in den Vermögenserhalt und in die Vermögenssteigerung geht.“ Und da spreche er nicht gegen, sondern für das Bankengeschäft. „Es ist auch für Banken langfristig nicht gesund, dass Unternehmen im Rahmen der Kreditvergabe so stark von uns abhängig sind.“ Zudem sei eine der Intentionen des Banken-Reformpakets Basel III, alternative Finanzierungsformen zu stärken und Alternativen zum Kredit zu etablieren. „Ob das nun Crowdfunding ist, Venture Capital oder ob es Anleihen oder Börsengänge sind, es muss viel mehr Geld von privater Seite in die Unternehmen und in Startups gesteckt werden, damit neue Ideen realisiert werden können.“ Der klassische Kredit sei ohnehin völlig ungeeignet dafür, Startups zu fördern.

Wenn die Zinsuhr tickt

Cernko ist mit dieser Meinung nicht allein, vor zwei Wochen hat Nationalbank-Präsident Claus Raidl, der sich gemeinsam mit Ex-Siemens-Vorstand Brigitte Ederer und Ex-Raiffeisen-General Peter Püspök am Wiener Startup Whatchado beteiligt hat, erklärt: „Ich erlebe, wie schwer es ist, in Österreich einen Kredit zu bekommen. Startups können keinen Kredit nehmen, bei dem die Zinsuhr tickt. Das geht gar nicht.“