B2B
09.02.2015

Samsung: "Geräte werden wieder teurer"

Samsung-Österreich-Vizepräsident Martin Wallner kündigt ein Ende der Preiskampfes an, hofft auf das neue Betriebssystem Tizen und erzählt von boomender Weißware.

„Patentstreit von Apple und Samsung vor Berufungsgericht“, „Gewinneinbruch bei Samsung“, „Manager-Exodus bei Samsungs Smartphone-Sparte“. So haben einige Schlagzeilen der vergangenen Monate gelautet, mit denen der koreanische Konzern konfrontiert war. „Die Realität ist, dass nach wie vor alle CEOs im Amt sind und dass alle zwei Jahre die Chefs der 17 Länderorganisationen ausgewechselt werden. 2015 ist eben so ein Jahr“, sagt Martin Wallner, Vizepräsident von Samsung Österreich. Auch Österreich hat mit dem 47-jährigen Stuart Kang einen neuen Geschäftsführer. Einer der Samsung-Slogans laute eben, „ein Konzern muss sich ständig ändern, um vorne mitspielen zu können“. Der bisherige Österreich-Chef, Seong Cho, ist jetzt TV-Chef in den USA, und das sei eindeutig eine Beförderung.

Marktanteile sinken

Tatsache ist aber, dass Samsung im vergangenen Jahr weltweit Marktanteile verloren hat. Wallner: „Was uns zu schaffen macht ist, dass Österreich einer der drei rückläufigen Märkte in Europa ist.“ Man habe zwar den gleichen Marktanteil wie vorher, aber es werden in Österreich weniger Geräte verkauft, weil der Markt gesättigt ist. Hinzu kommt noch das Problem des Dollar-Kurses. Da Samsung alles in Dollar verrechnet, gab es im jüngsten Geschäftsquartal ein Minus. Um auf den gleichen Umsatz zu kommen, müsste man mehr verkaufen.

Umsatzrückgang durch Dollarkurs

Das Dollar-Problem treffe aber alle Hersteller und alle Produkte. „Geräte werden künftig wieder teurer“, so Wallner. Oder anders formuliert, es werde keinen Preiskampf mehr geben. „Nicht nur unsere, sondern die aller Hersteller.“ Der Gesamtmarkt sei in einer Krise, „und eine Krise ist immer eine Chance. Immer wenn es am schwierigsten war, ist Samsung gestärkt raus gegangen“, so Wallner.

Alles aus einer Hand

Samsung sei aber weiterhin eines der Top Hightech-Unternehmen. „Weil ich keinen anderen Hersteller sehe, der von der Chip-Technologie über Hardware bis zur Plattform alles im eigenen Haus entwickelt und baut.“ Auch für das derzeit so oft zitierte Internet der Dinge, das gerade dabei ist, abzuheben, sei man bestens gerüstet. „Samsung wird beim Internet der Dinge eine der mitbestimmenden Firmen der Welt sein“, sagt Wallner. Und hier werden Tizen, das von Samsung entwickelte Betriebssystem, eine große Rolle spielen.

Samsung setzt auf Tizen

Tizen werde auf allen Geräten installiert, vom Flat-TV über Smartphones und Tablets bis zu smarten Haushaltsgeräten und Sensoren für Internet-der-Dinge-Anwendungen. Die ersten Erfahrungen mit Tizen sammelt man derzeit in Indien, wo man Mitte Jänner das erste Tizen-Billig-Smartphone auf den Markt gebracht hat. Nun will man Entwickler auf der ganzen Welt motivieren, sich Anwendungen und Apps für Tizen zu überlegen. Nach Indien werde man Tizen in China ausrollen. „Wenn man ein neues Betriebssystem bringt, hat man nur eine Chance“, so Wallner.

Eines der Samsung-Defizite der vergangenen Jahre war der Produkt-Dschungel, es gab zu viele Smartphones und Flat-TV-Modelle. „Es werden alle Produkte eine Linie bekommen“, erklärt Wallner. „Das ist ein Prozess, der länger dauert und nicht von heute auf morgen geschehen kann.“

Bei den Smartphones sei man mitten in der Neustrukturierung des Portfolios. Es gebe die A- und die S-Serie, letztere sei Samsungs Premium-Marke. Die ersten faltbaren smarten Displays wird es 2016/2017 geben. Bei den Flat-TVs würden künftig SUHDs, (ultrauflösend), Curved-Modelle (gebogen) und die Modelle mit großen Diagonalen angeboten. Von einigen Produktbereichen werde man sich trennen. Von den Sparten Glasfaser-Optik und LED-Beleuchtung habe man sich im Vorjahr verabschiedet, vom Computer- und Notebook-Geschäft könnte man sich ebenfalls trennen, weil der Markt rückläufig ist. Auf die Frage, ob Samsung künftig noch das nur bedingt erfolgreiche Digitalkamera-Business aufgeben wird, wollte Wallner keine Antwort geben.

Weißware als neuer Hoffnungsmarkt

„Unsere Kernbereiche sind TV und Mobile, im B2B-Geschäft große Displays, Drucker-Lösungen und die Weißware", auf die Wallner in Österreich große Hoffnungen setzt. 2014 ist man in diesem Sektor um 50 Prozent gewachsen. „Kühlen, waschen und saugen – das ist ein sehr profitabler Markt, wo wir noch ordentlich wachsen können“, sagt Wallner. Heuer will man auch erste Anläufe in Sachen Einbaugeräte unternehmen.