Privatisierung
03/23/2011

Serbien: Ärger über Angebot der Telekom Austria

Kulturminister Markovic bezeichnet Offert für die Mehrheit an Telekom Srbija als „beleidigend“

Die ersten Reaktionen Belgrads auf das Angebot der Telekom Austria zum Erwerb des zum Verkauf stehenden 51-prozentigen Anteils der Telekom Srbija waren am Dienstag negativ. Dass ein Scheitern der Ausschreibung bevorstehen dürfte, hat der seit kurzem auch für die Telekommunikation zuständige neue Kulturminister Predrag Markovic angedeutet. Das Angebot der Österreicher sei „beleidigend“ und „weit unter dem festgelegten Mindestpreis“, meinte der Minister am heutigen Dienstag gegenüber dem Sender „B-92“. Auch etliche Belgrader Wirtschaftsexperten äußerten sich unisono negativ zum Angebot der Österreicher.

Die Arbeitsgruppe für die Privatisierung der Telekom Srbija will am Montag den Standpunkt der Regierung veröffentlichen. Formal betrachtet habe die Telekom Austria die Ausschreibungsbedingungen erfüllt, meinte ihr Leiter Vuk Djokovic am Montagabend. Die Belgrader Regierung hatte den Mindestpreis für die Telekom Srbija auf 1,4 Mrd. Euro gesetzt. Die Österreicher bieten 800 bis 950 Mio. Euro als Kaufpreis für 51 Prozent des serbischen Unternehmens. Rechnet man die versprochenen 450 Mio. Euro für Investitionen in den kommenden drei Jahren hinzu, ist der festgelegte Mindestpreis erreicht.

„Wir werden das Angebot analysieren und über die weiteren Schritte entscheiden“, präzisierte Djokovic gegenüber dem TV-Sender „B-92“ unter Hinweis, dass man die Telekom Austria auch auffordern könnte, das Angebot nachzubessern.

Eventuelle weitere Verhandlungen mit der Telekom Austria würden einen Verstoß gegen das Gesetz und die Verfassung bedeuten, ist die einstige Telekommunikationsministerin Aleksandra Smiljanic überzeugt, die eine entschlossene Gegnerin der Telekom-Privatisierung ist.

Investitionsexperten ebenfalls dagegen
Auch Belgrader Investitionsexperten sprachen sich Medien gegenüber gegen die Annahme des Angebots aus. Die Opposition, die in den letzten Wochen gegen den Verkauf der Telekom Srbija als erfolgreichstes staatliches Unternehmen mobilisierte hatte, sammelte laut eigenen Angaben bereits rund 100.000 Unterschriften gegen die Privatisierung.

Als „absolut unannehmbar“ für die Regierung wurde das Angebot von der Tageszeitung „Vecernje novosti“(Dienstag-Ausgabe) bezeichnet. „Es gibt keinen Käufer für die Telekom“, titelte das Blatt seinen Bericht. „Der Verkauf der Telekom gescheitert“, heißt es bei der Tageszeitung „Blic“.
„Österreicher haben absichtlich ein schlechtes Angebot gemacht“, glaubt die „Tageszeitung “Danas„.

Nur ein Angebot für die Telekom Srbija sei eine Niederlage für die Regierung, berichtete auch die Tageszeitung “Politika„ unter Berufung auf mehrere Wirtschaftsexperten.“Österreicher möchten die Telekom, allerdings zu niedrigerem Preis„, lautet die Schlagzeile bei dem regierungsnahen Blatt.

Die serbische Regierung hatte mindestens vier Angebote erwartet, mögliche Konkurrenten der Österreicher wie die Deutsche Telekom, France Telecom, die mexikanische America Movil, die türkische Turkcell oder die ägyptische Weather Investments hatten schon vor Ende der Angebotsfrist abgewunken. Die Telekom Austria stellte ihr Offert 15 Minuten vor dem Ablauf der Frist zu.

Staat hält 80 Prozent
Der Staat hält 80 Prozent an der Telekom Srbija, weitere 20 Prozent befinden sich im Besitz der griechischen OTE, an der die Deutsche Telekom wiederum 30 Prozent hält. Die Griechen entschlossen sich nach wochenlangen Verhandlungen mit der Belgrader Regierung erst kürzlich zum Verkauf ihres Anteils. Potenzielle Käufer wurden informiert, dass zum Verkauf nun der Telekom-Srbija-Anteil der Griechen und ein 31-prozentiger Anteil des serbischen Staates stehen.

Mit der Telekom Srbija würden die Österreicher zur Nummer Eins am Balkan. Die Serben sind Marktführer im eigenen Land und haben Beteiligungen in Bosnien und in Montenegro. Zu den heute 19,2 Millionen Mobilfunk-Kunden der TA in Mittel- und Osteuropa kämen weitere neun Millionen hinzu. Laut “Danas„ würde ein Zuschlag für den Verkauf der Telekom Srbija sehr wahrscheinlich zu einer Fusion ihrer Mobilfunktochter MTS mit der Vip mobile, der serbischen TA-Mobilfunktochter, führen. Einwände der serbischen Wettbewerbskommission werden laut dem Blatt eigentlich nicht erwartet. Im Mobilfunkbereich sind derzeit drei Unternehmen tätig, nebst MTS und Vip mobile auch die norwegische Telenor.

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