B2B
11.03.2012

Siemens-Finanzchef attackiert NSN-Management

Nachdem der NSN-Chef in Deutschland 3000 Stellen streichen will, kritisiert Siemens-Finanzchef Kaeser die Entscheidung.

Dicke Luft zwischen Siemens und dem Gemeinschaftsunternehmen NSN: Der geplante Jobabbau bei Nokia Siemens Networks stößt dem Management des Münchener Industriekonzerns übel auf. Der Telefonnetzausrüster - ein Gemeinschaftsunternehmen von Siemens und der finnischen Nokia - will seinen Münchner Zentralstandort schließen. Dagegen machte nun Siemens-Finanzchef Joe Kaeser in einem Zeitungsinterview Front. "Siemens wird es nicht ohne weiteres hinnehmen, dass NSN aus München so einfach verschwindet", sagte Kaeser der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagausgabe). "Es wird jetzt wirklich Zeit, dass sich das NSN-Management und die Arbeitnehmervertreter zusammensetzen und konstruktiv nach wirtschaftlich tragfähigen Lösungen für den Standort München suchen."

3.000 Arbeitsplätze werden eingespart
Kaeser sparte nicht mit Kritik am NSN-Management. "Gute Manager müssen mit ihren Teams und Partnern immer nach Lösungsalternativen suchen", sagt Kaeser in Richtung von NSN-Chef Rajeev Suri, der die Schließung als alternativlos bezeichnet hatte. Und Kaeser erhöht den Druck auf den Manager, der die angeschlagene Firma nicht von München, sondern von der zweitgrößten finnischen Stadt Espoo aus steuert: "Rajeev Suri ist ein sehr talentierter Manager, aber jetzt muss jeder Schritt sitzen, der Raum für Fehler ist sehr klein geworden", kritisierte Kaeser als Vertreter des Minderheitsaktionärs den Inder, der vor seiner Zeit bei NSN lange für Mehrheitsaktionär Nokia arbeitete. Die Finnen halten 50 Prozent sowie eine "goldene Aktie" an NSN.

In Deutschland will Suri rund 3.000 Arbeitsplätze kappen. Die Beschäftigten laufen gegen die Entscheidung Sturm. Der Betriebsrat fordert den Rauswurf des NSN-Chefs. Auf Mitarbeiter-Proteste vor rund zwei Wochen vor der Siemens-Konzernzentrale, bei denen NSN-Beschäftigte Plakate wie "Liebe Mama Siemens, bitte verstoße Deine Tochter NSN nicht" hochhielten, hatte das Management des Industriekonzerns zunächst nicht reagiert.

Unklare Situation
"Jetzt haben wir März, und der einzelne Beschäftigte weiß immer noch nicht, ob er seine Stelle verliert und wie es weitergeht", sagte Kaeser dem Blatt. "Es ist nicht zumutbar, dass die Mitarbeiter weiter in Unsicherheit leben." Seit November seien die Umbaupläne bekannt. "In spätestens zwei Jahren muss die Sanierung von NSN erfolgreich beendet sein", forderte Kaeser, der auch im Aufsichtsrat von NSN sitzt. "Nicht die Mitarbeiter sollen Angst haben, sondern die Konkurrenten."

NSN kämpft seit seiner Gründung 2007 mit Verlusten und leidet schwer unter dem Preiskampf mit aufsteigenden chinesischen Rivalen wie Huawei. Für Nokia und Siemens hat sich das Gemeinschaftsunternehmen zum Milliardengrab entwickelt. Insgesamt streicht NSN 20.500 seiner weltweit noch 74.000 Stellen. Grundsätzlich zweifelt Kaeser nach eigenen Worten nicht daran, dass die Gemeinschaftstochter saniert werden muss. "Um in diesem martialischen Verdrängungswettbewerb zu bestehen, ist es richtig, dass sich NSN nun auf den Bereich mobile Breitbandnetze konzentriert. Das macht leider auch die Konsolidierung von Arbeitsplätzen und Standorten notwendig."

Mehr Geld will der Finanzchef nicht in die Tochter stecken. "Die Sanierung von NSN ist keine Frage des Geldes, das Unternehmen hat bereits genug Kapital bekommen und ist liquide", sagte er der Zeitung.

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