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Neustrukturierung
09/28/2014

Siemens-Umbau: Schwieriges Wegstück steht nun bevor

Bis jetzt lief der Siemens-Umbau relativ reibungslos ab. Wohl auch, weil noch unklar ist, wieviele Arbeitsplätze der Umbau kosten wird.

Seit Monaten krempelt Siemens-Chef Joe Kaeser den Elektroriesen mit seinen gut 360.000 Beschäftigten - davon 12.500 in Österreich - um, weil er ihn schlanker und effizienter aufstellen will. Das lief bisher zumindest nach außen relativ reibungslos - wohl auch, weil noch unklar ist, wieviele Arbeitsplätze der Umbau kosten wird. Ab Mittwoch (1. Oktober) läuft Siemens in der neuen Struktur.

Der Dax-Konzern hinkt schon seit längerem Wettbewerbern wie dem Erzrivalen General Electric in Sachen Rendite hinterher. Deshalb hatte Kaeser im Mai den größten Konzernumbau seit Jahren auf den Weg gebracht: Die erst unter seinem aus Kärnten stammenden Vorgänger Peter Löscher eingeführte Einteilung des Geschäfts in die Sektoren Energie, Industrie, Medizintechnik sowie Infrastruktur und Städte ist passé, die Zahl der Divisionen wurde von 16 auf neun reduziert und die Medizintechnik soll verselbstständigt werden.

Neuordnung

Für die Beschäftigten bedeutete die Neuordnung in den vergangenen Monaten vor allem: Neue Zuordnungen zu Abteilungen, neue Türschilder, für manche auch andere Büros - aber keine Standortversetzungen, wie die Siemens-Gesamtbetriebsratschefin Birgit Steinborn sagt. Im Sommer hatten sich Arbeitnehmervertreter und Unternehmensführung auf einen Interessenausgleich geeinigt, der den Rahmen für den Prozess absteckt. Über sogenannte Wanderlisten haben die Arbeitnehmervertreter in den vergangenen Monaten überprüfen können, dass alles seinen geordneten Gang geht und alle Beschäftigten in die neue Organisation mitgenommen werden.

Dass das gelungen ist, wertet Steinborn als Erfolg und die Gespräche mit der Unternehmensführung als konstruktiv. "Wir haben immer gesagt, dass der Abbau von unnötigen bürokratischen Prozessen sinnvoll ist, und wir bleiben dabei: weniger Bürokratie ja, Abbau von Stellen nein", sagt die Betriebsrätin. Dass sich Einschnitte aber nicht vermeiden lassen werden, hatte Kaeser bereits durchblicken lassen. Schließlich sollen die Umstrukturierungen bis Herbst 2016 auch Einsparungen von einer Milliarde Euro bringen. Über tausende bedrohte Jobs war deshalb immer wieder spekuliert worden.

Schwieriges Wegstück

Das schwierigere Stück des Weges dürfte also noch bevorstehen. Denn nun wird die Siemens-Führung ausloten, welche Funktionen nicht mehr gebraucht werden und für welche anderen Aufgaben sich die Beschäftigten stattdessen einsetzen lassen. Erst danach - und nach Gesprächen mit den Arbeitnehmervertretern - wird sich zeigen, wieviele Stellen tatsächlich auf der Kippe stehen. Klar ist dabei: Betriebsbedingte Kündigungen wird es nicht geben, denn die sind durch einen 2010 vereinbarten Standort- und Beschäftigungssicherungspakt ausgeschlossen. Steinborn mahnt dennoch: "Der Umbau darf nicht lediglich ein reines Kosteneffizienzprogramm sein, das auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen wird. Wir fordern eine nachhaltige Unternehmensstrategie."

Wieviel Rückenwind der Umbau im neuen Geschäftsjahr bringen wird, bleibt indes abzuwarten. Zuletzt konnte Kaeser nur durchwachsene Quartalszahlen vorlegen - und das konjunkturelle Umfeld dürfte angesichts der vielen internationalen Krisenherde in den kommenden Monaten nicht gerade einfacher werden. "Wir haben ein paar geopolitische Einflussfaktoren, die die Investitionstätigkeit nicht gerade steigern", sagte erst kürzlich Siemens-Finanzvorstand Ralf Thomas. Für ein Unternehmen, das auf häufig große und langfristige Energie-, Industrie- und Infrastrukturprojekte angewiesen ist, ist das nicht gerade hilfreich.

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