© Mario Herger

Innovationszentrum
06/16/2014

Silicon Valley-Serie: „Wir suchen gierige Start-ups“

Der Österreicher Mario Herger will im Silicon Valley ein Austrian Innovation Center aufbauen, mit dem heimische Start-ups gefördert werden.

Start-ups und heimische Technologie-Unternehmen sollten im Silicon Valley präsent sein, Niederlassungen aufbauen und sich inspirieren lassen, aber diese Inspiration und Ideen nach Hause bringen und den Wirtschaftsstandort Österreich und Europa stärken. Im Silicon Valley sind die Experten nicht gescheiter als wir, aber man hat dort einerseits eine andere Einstellung zu Innovation, zu Leben, zu Reichtum, zum Lifestyle und man trifft dort auf eine Infrastruktur, die Innovation möglich macht – und da sind die bereits angesprochenen Vorteile wie Lage, Wetter, Landschaft, Ausbildung und Infrastruktur der eine Aspekt, aber wie sich ein Land im Silicon Valley repräsentiert, der andere.

Mario Herger, Gamification- und Innovation-Experte, ehemaliger SAP-Manager lebt seit zwölf Jahren im Silicon Valley und ist gemeinsam mit Niki Ernst, TEDX-Ambassador und CEO der Agentur planetsia Initiator des „Austrian Innovation Center“. Herger schlägt eine eigene Österreich-Repräsentanz im Silicon Valley vor. „Die gegenwärtige Go-Silicon-Valley-Initiative der Wirtschaftskammer Österreich ist an sich gut, wir sind aber an einer Stelle angelangt, wo mehr getan werden muss.“ Bei der Go-Silicon-Valley-Initiative werden jährlich im Schnitt 20 Start-ups aus Österreich ausgewählt, die dann im Valley Innovationsluft schnuppern und auf die Geheimnisse des Valley vorbereitet werden.

"Chance ihres Lebens"

„Das ist kein optimales Konzept“, sagt Herger im futurezone-Gespräch, „15 bis 20 gute Start-ups pro Jahr ins Valley zu bringen, das schaffen Deutschland oder Israel, die Österreicher aber haben die Dichte nicht.“ Das Austrian Innovation Center geht nach einem anderen Schema vor: Erstens gibt es eine Prephase, in der in Österreich Start-ups über Wochen und Monate gecasted und auf das Valley vorbereitet werden. „Wir suchen gierige Start-ups, die den Erfolg wollen und einen Silicon Valley-Aufenthalt als die Chance ihres Lebens ansehen. In dieser Prephase werden wir nach strengen Kriterien die Kandidaten für das Valley aussuchen und wollen herausfinden, wo es einen Business-Case gibt. Und wenn das Start-up noch keinen hat, werden wir im besten Fall einen finden. „Google hatte anfangs auch keinen Business-Plan“, sagt Herger. Start-ups müssen formbar sein, aber nicht zu formbar. Ganz schlecht sind solche, die beratungsresistent sind. Das AIC-Programm ist für die Start-ups kostenlos, dennoch fallen Kosten wie Flug, Quartier und Lebenserhaltungskosten an – und da kommt im Silicon Valley bald eine hübsche Summe zusammen.

Die zweite Phase ist der eigentliche Silicon-Valley-Aufenthalt, der 90 Tage umfasst. Die Start-ups werden dabei in einem Co-Working-Space untergebracht, um mit anderen Silicon Valley- und lokal vernetzten Start-ups in Kontakt zu kommen und sich austauschen zu können. „Ein eigenes AIC-Gebäude halte ich für wenig sinnvoll, weil man sich da isolieren würde“, sagt Herger. Ähnlich funktioniert zwar auch die Go-Silicon-Valley-Initiative der WKÖ, ans AIC ist aber ähnlichem wie beim deutschen Silicon Valley Accelerator ein Mentoren-Programm gekoppelt – jedes Start-up wird durchgehend von einem Mentor betreut, und das sind erfahrene Silicon-Valley-Venture Capitalists, Business-Angels und anerkannte Experten aus der Technologie-Branche, die im Valley gut vernetzt sind und den Start-ups beim Netzwerken helfen.

„Der Mentor fährt mit den Start-ups ein Intensiv-Programm, täglich werden sie auf das „wo sind wir, wo wollen wir hin“ hingewiesen“, sagt Herger. Der Hauptmentor ist auch für das Betreuungsbudget verantwortlich, er wird dann auch Spezialmentoren ins Boot holen (jemanden wie beispielsweise Herger, der beim deutschen Programm Spezialmentor zu Gamification ist), die zum Thema des Start-ups passen sprich, Experten auf dem Gebiet sind, mit dem sich das Start-up befasst.

Nachbetreuung

Die Nachbetreuung in Österreich nach dem Silicon-Valley-Aufenthalt ist die dritte Phase, „weil wir ja davon ausgehen, dass die Start-ups erfolgreich sind, Kunden in Österreich und Europa finden aber auch mit dem Valley in Kontakt bleiben.“

Das AIC würde pro Jahr etwa eine Million Euro kosten, Herger hofft, dass je ein Drittel der Kosten von öffentlichen und halb-öffentlichen Stellen übernommen wird, ein weiteres Drittel würde private Unternehmen finanzieren. Und hier kommt die zweite Schiene des AIC ins Spiel, neben dem Start-up- läuft ein Innovations-Programm für Unternehmen. Hier bietet man Unternehmen aus Österreich zum einen an, Silicon-Valley-Immersionsprogramm zu organisieren, ähnlich wie es auch die WKÖ in Los Angeles organisiert, „aber wir spulen da kein Standard-Programm runter, sondern stellen ein individuelles, zum Unternehmen passendes Besuchs-, Vortrags- und Ausbildungs-Programm zusammen“, erklärt Herger. Die Dauer der Visits können die Unternehmen selbst festlegen.

Ein weiterer, wesentlicher Punkt des AIC ist, für österreichische Unternehmen im Silicon Valley beratend tätig zu sein, wie es das Schweizer swissnex San Francisco im Valley seit Jahren vormacht. Schweizer Unternehmen können bei swissnex Beratungsleistungen buchen, also Beratungstage pro Woche/Monat/Jahr. Für einen jährlichen Fixbetrag, ähnlich einer Mitgliedschaft, bekäme ein Unternehmen ein Jahr lang einen Beratungstag pro Woche sowie Schreibtisch/Adresse in der AIC-Niederlassung und kann dort auch Mitarbeiter für einen Ideentausch, netzwerken, Weiterbildung oder Geschäftsentwicklung hinschicken. „Damit wollen wir für österreichische Unternehmen, die sich vorläufig noch keine eigene Niederlassung im Silicon Valley leisten wollen oder können, die Möglichkeit bieten, dennoch im Valley vertreten zu sein und rasch über kommende Trends bescheid zu wissen“, sagt Herger. Im Herbst soll der Startschuss für das AIC fallen.

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