B2B
26.08.2012

Software AG sieht Defizite bei IT-Investments

Der deutsche Business-Software-Anbieter Software AG (SAG) klagt über Zurückhaltung und Mutlosigkeit vieler Unternehmen bei IT-Investitionen. „Man muss die Firmen zum Investment fast zwingen“, erzählt Österreich-Chef Walter Weihs der futurezone. Selbst sieht man sich als genaues Gegenstück zum Software-Riesen SAP.

Einerseits seien viele IT-Landschaften bereits hoffnungslos überaltert und andererseits werde bei Neuinvestitionen oft nur Bestehendes  rasch und billig nachgerüstet.  „Statt eine neue, offene Architektur aufzubauen, wird in den Unternehmen ein IT-Silo nach dem anderen errichtet, aber irgendwann geht’s dann nicht mehr.“  Bei heterogenen IT-Landschaften werde die Abhängigkeit von  Konzernen immer größer. Weil aber bald niemand mehr die Schnittstellen beherrsche würden die Wartungskosten in die Höhe schnellen.

Als Beispiel nennt Weihs öffentliche IT-Aufträge, die wegen der Heterogenität der Infrastruktur kaum noch bewältigbar seien. „Hier ist das Billigstbieter-Prinzip kontraproduktiv“, glaubt Weihs, weil nötige Paradigmenwechsel dadurch kaum möglich seien.

Systemwechsel
Solche Systemwechsel auf herstellerübergreifende, serviceoriente IT-Architekturen (SOA) sind – nicht ganz zufällig – Kerngeschäft des deutschen Softwarehauses.  In Österreich zählen vor allem die großen Banken wie Raiffeisen und Erste Group, die UNIQA, ÖBB, OMV oder die voestalpine zu den Referenzkunden.  

Im zweiten Quartal konnte die Software AG den Umsatz leicht auf 258 Millionen Euro steigern, der Gewinn war allerdings leicht rückläufig. Auch in Österreich liege man derzeit  etwas „unter Plan“, sagt Weihs. Konzernchef Karl-Heinz Streibich begründete den Rückgang unter anderem mit einer Neuausrichtung im Vertrieb, wo nun endlich „die richtigen Leute“ an Bord seien. Für das Gesamtjahr rechnet Streibich mit einem Umsatzwachstum von zwei bis sieben Prozent bei einer unveränderten EBIT-Marge von 23 bis 24,4 Prozent.

Zum Teil Open Source
Große Erwartungen werden neben dem Kernbereich Business-Prozess-Management auch in  Programme zur Bewältigung großer Datenmengen gesetzt. Im Vorjahr übernahm SAG die US-Firma Terracotta, die Programme für den raschen Datenzugriff bei extrem großen Datenmengen anbietet, zum Teil auch auf Open-Source-Basis. In Österreich hofft Weihs auf zusätzliche Aufträge, etwa beim automatisierten Betrugs-Schutz von Kreditkarten. Um den Verkauf anzukurbeln,  kooperiere man auch verstärkt mit Beratungsunternehmen wie Accenture.

Nach dem Rückzug aus dem wenig einträglichen Servicegeschäft für SAP-Produkte geht auch Weihs auf Distanz zum  deutschen Software-Riesen: „ SAP möchte alles aus einer Hand anbieten, wir sind das genaue Gegenteil dazu.“

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