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Deutschland Sprechende Busse und Quantencomputer: CeBIT beginnt.

Der intelligente und autonom fahrende Bus Olli - aufgenommen am 19.03.2017 am Stand von IBM auf dem Messegelände in Hannover (Niedersachsen).
Der intelligente und autonom fahrende Bus Olli - aufgenommen am 19.03.2017 am Stand von IBM auf dem Messegelände in Hannover (Niedersachsen). - Foto: APA/dpa/Friso Gentsch
Bundeskanzlerin Merkel und der japanische Staatspräsident Abe eröffnen am Sonntag die deutsche Technologiemesse. Es werden insgesamt 200.000 Besucher erwartet.

Zum Auftakt der Technologiemesse CeBIT in Hannover in Deutschland hat die dortige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Umbruch aller möglichen Lebensbereiche durch die Digitalisierung betont. Sie sei eine Tür in eine andere Welt des Wirtschaftens, Arbeitens und Konsumierens.

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Foto: REUTERS/FABIAN BIMMER
"Die Digitalisierung beeinflusst unsere Wirtschaft so stark wie kaum etwas anderes", heißt es in einem Grußwort der CDU-Politikerin zur CeBIT (20. bis 24. März). Neue Entwicklungen beim 3D-Druck, in der Robotik und der künstlichen Intelligenz könnten Produktionsprozesse und ganze Wertschöpfungsketten revolutionieren.

Merkel und Abe eröffnen

"Die Analyse riesiger Datenmengen ermöglicht neue Geschäftsmodelle und Produkte, die auf Kundenwünsche genau zugeschnitten sind." Die CeBIT "gewährt uns einen Ausblick darauf, was uns in dieser Welt erwartet". Merkel wollte am Abend mit dem Premierminister des diesjährigen CeBIT-Partnerlandes Japan, Shinzo Abe, die Messe offiziell eröffnen, die am Montag beginnt.

Die CeBIT sieht sich mit ihrer Neuausrichtung auf Geschäftskunden auf Erfolgskurs. Die Zahl der Aussteller sei stabil geblieben, einen Tag vor Beginn der Messe gab es fünf mehr als im Vorjahr, so Messechef Oliver Frese. Zur fünftägigen Veranstaltung mit über 3.000 Ausstellern aus 70 Ländern werden rund 200.000 Besucher erwartet. Der Fokus in diesem Jahr liege darauf, die Digitalisierung "anfassbar und erlebbar" zu machen, so Frese. Aus Japan kamen 120 Unternehmen. Die deutsche Industrie könne Mut zu Innovationen von Japan lernen, sagte der Präsident des Digital-Branchenverbandes Bitkom, Thorsten Dirks.

Schmalband-Netz für Internet der Dinge

Bereits am Sonntag gaben die ersten großen Unternehmen einen Einblick in die Trends der Veranstaltung. Die Deutsche Telekom will die Vernetzung aller möglichen Techniken im Internet der Dinge mit einem speziellen "Schmalband"-Netz ankurbeln. Der Service solle im zweiten Quartal starten, kündigte der Chef der Geschäftskunden-Sparte T-Systems, Reinhard Clemens, am Sonntag an. Die Sensoren müssten nicht mehr verkabelt werden, weil das Funk-Format extrem stromsparend sei. Und das Signal reiche bis zu fünf Etagen tief in ein Parkhaus hinein, betonte Clemens.

Der Bonner Konzern macht sich diese Merkmale zunutze, um etwa Parkplätze in Hamburg zu vernetzen und von unterwegs aus buchbar zu machen. Die Akkus der Sensoren im Boden der Parkplätze hielten 15 Jahre, sagte Clemens. Als weitere Städte sollen etwa Dortmund, Moers und Saarbrücken folgen. Im Laufe des Jahres will die Telekom das "Schmalband"-Netz (Narrowband) deutschlandweit anbieten. Die Sendeanlagen können in heutige LTE-Systeme und auch in künftigen 5G-Datenfunk integriert werden.

Die Telekom vertreibt für die Technik auch eine Box mit Sensoren, die etwa Temperatur und Vibrationen messen kann. Die Boxen sollen an bestehender Technik wie Industriemaschinen oder Fahrstühlen angebracht werden. Die Batterien der Box halten drei Jahre. "Das wird in der Industrie das Sammeln und Auswerten von Daten massiv vorantreiben", zeigte sich Clemens überzeugt.

LTE am Mond

Beim Konkurrenten Vodafone skizzierte Deutschlandchef Hannes Ametsreiter die Pläne für den Weg zur "Gigabit-Gesellschaft" mit drastisch schnelleren Netzverbindungen. Zum Jahr 2019 wolle Vodafone im Festnetz Internet-Verbindungen mit einem Tempo von einem Gigabit (1000 MBit) pro Sekunde in Bayern anbieten. In ersten Städten solle die Geschwindigkeit bereits in diesem Jahr verfügbar sein.

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Foto: AP/Jens Meyer
Vodafone ist auch beteiligt an dem Plan, ein LTE-Netz auf den Mond zu bringen. Dabei soll das Format LTE-V zum Einsatz kommen, das auf der Erde für für die Vernetzung von Fahrzeugen im Straßenverkehr gedacht ist. "Wir wollen zeigen, dass LTE auf dem Mond funktioniert", sagt Robert Böhme, Chef des Berliner Start-ups Part-Time-Scientists, das sich der privaten Raumfahrt verschrieben hat und gerade eine Mondlandung vorbereitet. Eine Falcon-Trägerrakete soll 2018 mit der Technik von Cape Canaveral starten.

Bei dem ambitionierten Projekt sollen in Kooperation mit Vodafone das Landemodul Alina sowie zwei kleine Lunar Rover des Autoherstellers Audi auf dem Mond mit der Funktechnik ausgestattet werden. Damit könnten sich die Rover voneinander wegbewegen und trotzdem in Verbindung bleiben. Zudem werde eine kontinuierliche Übertragung von Informationen und Bildern zur Erde ermöglicht und vor allem ein Energie-Problem gelöst, erklärt Böhme.

Sprechender Bus

Wer kennt das nicht? Das Navi führt den genervten Autofahrer aus dem Stau - der dann gleich im nächsten Stau landet, weil zu viele den gleichen Tipps folgen. Volkswagen will künftig den Verkehrsfluss verbessern. Am Beispiel Peking, einer Stadt, die normalerweise permanent Stau-Probleme kennt, wird gezeigt, wie per Quantencomputer-Technologie Staus aufgelöst werden. Das geschieht, indem alle Autos in einem bestimmten Areal eine ganz eigene, optimierte Route erhalten. Das erfordert Berechnungen fast in Echtzeit - und auch autonom fahrende Autos brauchen Verkehrsplanung. VW-Digitalchef Martin Hofmann spricht stolz von einer „Weltpremiere“.

Weiteres Beispiel für die Digitalisierung im Verkehr auf der CeBIT: IBM setzt mit seinem Computer-System „Watson“ auf den intelligenten Bus. Genauer: den personalisierten Nahverkehr. Der autonome Kleinbus „Olli“, der in Las Vegas, Washington und Berlin getestet wird, spricht mit Fahrgästen und berechnet optimale Routen für sie - allerdings dauert es noch, bis Antworten kommen. Navya, ein französisches Unternehmen, hat autonome Kleinbusse in der Schweiz und in Frankreich auf die Straßen gebracht - 4,80 Meter lang, Platz für bis zu 12 Menschen, ohne Lenkrad und Bremspedal unterwegs. Sensoren erkennen, ob Radfahrer oder Fußgänger auf die Fahrbahn laufen.

Für Star-Trek-Fans ist das System ein alter Hut, sie kennen den Universalübersetzer, der Captain Picard in den unendlichen Weiten das Leben leichter macht. In der Realität ist es nicht ganz so einfach. Das will Fujitsu ändern - mit „Live-Talk“, einem Spracherkennungssystem, das das Gesagte in 19 Sprachen simultan übersetzt. Angezeigt wird das Ergebnis auf Smartphone oder Tablet, Ziel ist auch, gehörlosen Menschen zu helfen. Rund 100 Behörden in Japan arbeiten schon damit. Deutsch muss das System noch etwas üben.

Nutzer am Verhalten identifizieren

Sicherheit gewinnt mit zunehmender Datennutzung enorm an Bedeutung. Viele Unternehmen zeigen, wie wichtig der Schutz sensibler Daten ist. Das gilt nicht nur in der Industrie, sondern auch der Medizin, wo die Berliner Charité künftig auf die digitale Übermittlung wichtiger Patientendaten wie Gewicht, Blutdruck oder Temperatur setzt. Ein Verfahren zur Identifizierung ohne Passwort und Fingerabdruck stellt die Bundesdruckerei vor: Menschen können anhand ihres Verhaltens identifiziert werden. Sensoren messen dafür die Länge der Schritte.

Nach einem ersten Versuch im Vorjahr sind sie nun eins der großen Trendthemen. Unter anderem Chip-Gigant Intel setzt durch sie auf erhebliche Einsparungen bei der Wartung und führt ihren Einsatz im Freien bei Modellen von Bohrplattform- und Windkraftanlagen vor. Neben den Modellen der führenden Hersteller für den industriellen Gebrauch werden auch Drohnen für den Unterwasser-Einsatz gezeigt.

Roboter für Industrie

Roboter sind ein weiteres Trendthema. Ob humanoid oder Industriehelfer: Sie ermöglichen es, in neue Dimensionen vorzustoßen. Das gilt auch für Exo-Skelette - Anzüge, mit denen man schwere Lasten heben oder auch Querschnittsgelähmte gehen lassen kann. Das Bundesforschungsministerium und Vodafone zeigen einige Modelle.

A hand of a robot is seen at the Robotics Innovati
Foto: REUTERS/FABIAN BIMMER
In einem Werkstattszenario zeigt das Fraunhofer Institut, wie die virtuelle Realität Monteuren bei der Autowartung hilft. Das Institut hat Software entwickelt, die dreidimensionale Daten mit Hilfe einer Brille oder auf dem Smartphone sichtbar macht.

(apa, dpa) Erstellt am 19.03.2017, 17:00

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