B2B
01/19/2013

Start-ups: Hype-Stadt Berlin weiter im Hoch

Die deutsche Hauptstadt wirkt weiter wie ein Magnet auf die europäische Start-up-Szene, wie auch die Konferenz "hy! Berlin" am Samstag zeigte. Das Interesse großer Konzerne wie Google und Axel Springer ist längst geweckt, für kleine Start-ups wie Infogr.am aus Lettland (Bild) gibt es einiges an Geld und Know-how zu holen.

Start-ups, Start-ups, Start-ups: Bei der Konferenz hy! Berlin mit rund 700 Besuchern drehte sich alles um die Berliner Internet-Szene. Ob bei Podiumsdiskussionen, Hintergrundgesprächen mit Branchen-Größen wie Lars Hinrichs (Ex-XING, HackFwd) oder einfach beim lockeren Tratsch am Gang - Berlin wollte sich einmal mehr als europäisches Zentrum für frische Internet-Ideen präsentieren.

Ausgezeichnete Jungfirmen
Höhepunkt der zweitägigen Veranstaltung: Bei der Start-up-Competition wurden die Jungunternehmen Infogr.am (interaktive Online-Infografiken, bester Launch), Solarbrush (Reinigungsroboter für Solar-Panels, beste Hardware) und Renowable (Plattform für Hardware-Projekte, beste Alpha-Version) mit Preisen im Wert von insgesamt 200.000 Euro ausgezeichnet (darunter Reisen ins Silicon Valley, Betreuung durch Hub:raum, den Accelerator der Deutschen Telekom, im Wert von 5000 Euro, Cloud-Datendienste von Google im Wert von 20.000 Euro sowie Hilfe bei der PR durch Piabo).

Sehr anziehend
Berlin hat sich neben London als Europas wichtigstes Zentrum für Internet-Firmen etabliert und zieht Software-Entwickler genauso an wie willige Gründer und Investoren (

). Auch in Wien merkt man den Berliner Sog immer deutlicher: Wiener Start-ups wie
,
oder
sind an die deutsche Hauptstadt verloren gegangen. Mieten, Szene und Partyleben sind für viele junge Start-ups einfach attraktiver als anderswo. Der größte Internet-Konzern der Welt, Google, hilft ebenfalls intensiv beim Ausbau der Internet-Szene Berlins, unter anderem mit dem
”.

Die hy!Berlin, veranstaltet zum zweiten Mal, will der Entwicklung mit einer Event-Reihe Rechnung tragen und der Start-up-Szene als Plattform dienen  - was auch gleich den Medienkonzern Axel Springer auf den Plan gerufen hat. Er hat sich um einen nicht bekannten Betrag 49 Prozent der Veranstaltung eingekauft, wie Springer-Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner verkündete - eine klare Kampfansage an den konkurrierenden Burda-Verlag. Denn dieser hält mit der

die wohl wichtigste Internet-Konferenz Deutschlands seit vielen Jahren in München ab.

Tipps von den Profis
Auf der hy! Berlin gab es für Start-ups aber nicht nur Geld und Sachpreise zu holen, sondern auch viel Insider-Informationen über Zukunfts-Trends der Branche. “Wir werden überall Sensoren tragen”, predigt die prominente Internet-Investorin Esther Dyson (Square, Evernote, 23andme, uvm.) am Podium. Als Stargast der hy! Berlin soll sie dem Firmennachwuchs zeigen, wo die es in der Internet-Branche langgeht.

In der Sensorisierung im Allgemeinen (von der Google-Brille bis zu Mini-Chips im Blutkreislauf) und dem Gesundheitssektor im Speziellen sieht Dyson die größten Chancen auf große Investments. “So wie Verkehrsdaten heute in Echtzeit abrufbar sind, werden künftig Gesundheitsdaten in Echtzeit verfügbar sein.” Sie riet Start-ups dazu, vor allem auf Plattformen wie Facebook und LinkedIn zu setzen - erst der richtige Einsatz der Netzwerke würden Anwendungen ihre volle Wirkung entfalten können.

Doch es ist nicht alles eitel Wonne in der deutschen Start-up-Hauptstadt. Zwar fliegen regelmäßig Risikokapitalgeber aus dem Silicon Valley ein und sehen sich in Berlin um - nur, die großen Bewertungen oder Exits fehlen Berlin noch. Manche in der Szene meckern gar, dass Berlin mit dem Musik-Portal

und dem Social-Game-Entwickler
nur zwei wirklich große Internet-Firmen hätte.

"In Berlin wird kein zweites Silicon Valley geschaffen", sagt etwa der Investor Stefan Glänzer zur Berliner Morgenpost. "Wir werden es schaffen müssen, eine Brücke von der Berliner Kreativität zum weiter entwickelten Londoner Ecosystem zu schlagen."

Der Schatten der Samwer-Brüder
Problematisch wird von einigen die Start-up-Schmiede Rocket Internet gesehen. Die Internet-Firma der Brüder Marc, Oliver und Alexander Samwer wurde schon als schon als “Kopierweltmeister des Netzes” bezeichnet und ist für das Klonen von aufstrebenden US-Start-ups berüchtigt (z.B. Wimdu/AirBnB, Payleven/Square, Pinspire/Pinterest, Fab/Bamarang, Zappos/Zalando, CityDeal/Groupon). Ziel ist oft, die deutsche Imitation an das Original zu verkaufen, wenn diese nach Europa expandieren will.

Mit den Geschäftspraktiken der Samwers gilt es gerade am deutschen Markt, zurechtzukommen. “Wenn man ständig darauf schaut, wie man die eigenen Kunden noch zufriedener macht, wird man am Ende gewinnen”, sagt ein AirBnB-Manager. “Sicher ist es verrückt, eine Webseite zu replizieren, und es gibt Gesetze dagegen. Aber es ist nicht so einfach, die Kultur einer Firma zu klonen”, heißt es seitens eines Managers der Ticket-Webseite Eventbrite. Im Nachsatz: “Es ist eine Bestätigung des eigenen Business-Modells, wenn andere dich kopieren.”

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