© Jürg Christandl

Österreich
02/21/2012

Telekom Austria mit tiefroter Bilanz für 2011

Am Donnerstag soll der Jahresabschluss präsentiert werden, Analysten erwarten einen Verlust von rund 200 Mio. Euro. Ein Grund ist der intensive Preisdruck im Mobilfunk und das Tochterunternehmen Velcom in Weißrussland, das mit der Inflation kämpft.

Die börsenotierte teilstaatliche Telekom Austria präsentiert am kommenden Donnerstag ihren Jahresabschluss 2011 - und der wird aller Voraussicht nach tiefrot. Analysten erwarten einen Jahresverlust von rund 200 Mio. Euro, das Betriebsergebnis sollte mit rund minus 40 Mio. Euro in die roten Zahlen drehen. Der Umsatz wird um vier Prozent bei 4,5 Mrd. Euro tiefer erwartet. Spannend wird die Entwicklung des Free Cash Flow, dem die Telekom besonderes Augenmerk schenkt. Er gab in den ersten neun Monaten 2011 um 14 Prozent nach. Bereits im Dezember des Vorjahres hatte die Telekom die Ausschüttungen für die Jahre 2011 und 2012 von 0,76 auf 0,38 Cent je Aktie gesenkt. Der Ausblick für das heurige Jahr wurde allerdings bis zuletzt beibehalten.

Auf die Zahlen drückten der intensive Preiskampf im Mobilfunk, regulatorische Auflagen insbesondere beim Roaming und die Tochter Velcom in Weißrussland. In der laut Menschenrechtsaktivisten letzten Diktatur Europas kämpft die Telekom mit einer erheblichen Inflation. Ungemütlich ist es für die Telekom auch am Heimatmarkt - Stichwort Korruptions-U-Ausschuss. So musste sich erst vergangene Woche Telekom-Chef Hannes Ametsreiter vor den Abgeordneten dafür rechtfertigen, dass über 200.000 Mails zu den diversen Affären von der Telekom bisher nicht den Ermittlungsbehörden übermittelt wurden.

Aufklärungsbedarf
Und es kam der Verdacht auf, dass sich die Telekom vor einer erhebliche Strafe bei der Bundeswettbewerbsbehörde BWB gedrückt haben könnte - zum Schaden für den Steuerzahler. Aufklärungsbedürftig ist hier ein Mail zwischen BWB-Chef Theodor Thanner und dem Telekomkonzern.

Nun wollen FPÖ, BZÖ und Grüne das Zusammenspiel zwischen der Telekom und der ÖVP durchleuchten. Sie werfen ÖIAG-Chef Markus Beyrer vor, gemeinsam mit Ametsreiter die ÖVP decken zu wollen. Die Staatsholding ÖIAG ist für den 28-Prozent-Anteil der Österreicher an der Telekom zuständig. Erst vergangene Woche war ein Mail aufgetaucht, in dem es um eine 100.000 Euro-Spende für die Bundes-ÖVP ging. Die Partei betonte, diese Zahlung nicht in ihrer Buchhaltung zu haben.

Pecik könnte seinen Anteil erhöhen
Nach wie vor völlig offen ist, was der Investor Ronny Pecik und sein Partner, der ägyptischen Milliardär Naguib Sawiris, mit ihrem 20-Prozent-Anteil an der Telekom vor haben. Einige Medien spekulierten darüber, dass Pecik noch diese Woche auf 25 Prozent erhöhen könnte. Sawiris hatte erst vor wenigen Tagen seine Kriegskasse aufgefüllt und den Großteil seiner Anteile am größten ägyptischen Telekommunikationskonzern „Mobinil“ für rund 1,7 Mrd. Euro an France Telecom verkauft.

Die ÖIAG hüllt sich bisher zum Einstieg von Pecik in Schweigen. Der Aktienkurs hatte kurzfristig vom schrittweisen Aufkauf von immer mehr Anteilen durch Pecik profitiert, inzwischen scheint aber den Investoren ein wenig die Fantasie ausgegangen zu sein. Der Kurs lag Montagnachmittag mit 8,71 Euro leicht im Minus. Am 9. September, als der Einstieg von Pecik bekannt wurde, lag er Kurs bei 7,23 Euro.

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