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Wechsel

Telekom Austria: Plater folgt Ametsreiter nach

Wie der KURIER bereits berichtet hat, wird der neue Mann an der Spitze der Telekom Austria Alejandro Plater heißen. Er folgt ab 1. August auf Hannes Ametsreiter, der überraschend zurückgetreten war und nun Vorsitzender von Vodafone Deutschland wird. Der TA-Aufsichtsrat hat die Kür des Argentiniers zum CEO am Freitag Vormittag vollendet.

Vorgeschlagen wurde Plater von der Staatsholding ÖBIB, die 28,4 Prozent an der Telekom hält. Plater sitzt auf einem Vorstands-Ticket des Telekom-Giganten America Movil (knapp 60 Prozent) und ist der Wunschkandidat der Mexikaner. America Movil wird von Carlos Slim kontrolliert - einem der reichsten Männer der Welt.

Damit baut die mexikanische Konzernmutter den Einfluss bei der TA weiter aus. Plater ist seit März im Vorstand der Telekom für die Bereiche Technik und Einkauf verantwortlich und galt bereits als Anwärter für den Chefposten. Sein Vertrag läuft bis März 2018 und kann dann um zwei Jahre verlängert werden. Die Zahl der Vorstandsmitglieder schrumpfe damit auf zwei (Plater und Siegfried Mayrhofer) von zuvor drei, erklärte die TA.

Obwohl die Kür von Plater nicht überraschend kam, war die Telekom-Aktie heute an der Wiener Börse unter den Verlieren zu finden. Bis 14:30 Uhr gab der Kurs um 1,3 Prozent auf 6,10 Euro nach. Auch der Leitindex ATX lag mit 0,19 Prozent leicht im Minus.

Mobilfunk-Karriere

Plater kann bereits auf eine langjährige, internationale Karriere in der Telekombranche zurückblicken: Im Jahr 1997 begann er bei Ericsson, einem Weltmarktführer in der Telekommunikationstechnologie, als Sales Director für Argentinien und zeichnete kurz darauf als Head of Business Development für die Geschäftsentwicklung verantwortlich. 2004 wechselte Plater als Sales Director für die Region Lateinamerika in die globale Konzernzentrale nach Schweden. Zwei Jahre später wurde er Sales Director für Mexico und im darauf folgenden Jahr zum Vice-President und Key Account Manager für Großkunden bestellt. Plater absolvierte vor seinem Karrierestart ein Betriebswirtschaftsstudium an der Universität Buenos Aires und mehrere postgraduale Management-Ausbildungen an der Columbia University und Wharton School in den USA sowie der London Business School in Großbritannien.

Eigenlob von ÖBIB

"Der heutige Beschluss ist eine gute Lösung für die Weiterentwicklung der Telekom Austria Group und wir haben damit eine klare sowie kostenbewusste Management-Struktur geschaffen", so Wolfgang Ruttenstorfer, Aufsichtsratsvorsitzender der Telekom Austria Group

Die staatliche Beteiligungsholding ÖBIB lobt sich ebenfalls für den Deal. Sie "unterstreicht die Übertragung der CEO-Verantwortlichkeiten der Telekom Austria Group an Alejandro Plater als gute und pragmatische Lösung. Mit dieser Entscheidung ist es gelungen, die Agenden in die Hände eines unbestrittenen Experten zu legen, der - so wie Vorstandskollege Siegfried Mayrhofer - das volle Vertrauen der Republik Österreich als Anteilseigentümer genießt".

"Keine schlechte Entscheidung"

Auch vonseiten des Betriebsrates kommen positive Signale. Die Wahl Platers sei "keine schlechte Entscheidung", sagte Walter Hotz, Betriebsratschef und Aufsichtsratsmitglied der Telekom Austria die Bestellung Platers. Ob bei der Aufsichtsratssitzung auch über die medial kolportierten Kapitalerhöhungspläne gesprochen wurde, wollte Hotz nach dem Ende der Sitzung gegenüber der APA hingegen nicht kommentieren. Er begrüße aber die Verkleinerung der Führungsspitze auf einen Zweiervorstand, "weil das kostengünstiger ist", so Hotz.

Kritik aus der Gewerkschaft

Roman Hebenstreit, Vorsitzender des Fachbereichs Eisenbahn in der Gewerkschaft vida, übt dagegen heftige Kritik an den Entwicklungen um die TA. „Durch das Gezerre um die Kapitalerhöhung werde die Republik Österreich offenbar weiter an Einfluss in der Telekom Austria verlieren“, so der Gewerkschafter am Freitag in einer Presseaussendung.
„Die Telekom Austria ist ein abschreckendes Beispiel dafür, was passieren kann, wenn systemrelevante Infrastruktur privatisiert wird“, kritisiert Hebenstreit.

Dem mexikanischen Mehrheitsaktionär gehe es nur um den Ertrag seines Aktienkapitals, „ob Regionen wie das Waldviertel oder das Südburgenland mit Breitband-Internet versorgt werden“, interessiere ihm herzlich wenig. Hier werde der Versorgungsauftrag von ehemals öffentlichen Unternehmen „auf dem Altar privater Aktionärsinteressen“ geopfert, so Hebenstreit. Es zeige sich wieder einmal, dass die Privatisierung von öffentlichen Unternehmen der Daseins-Vorsorge - und dazu zähle auch die Kommunikationsbranche - ein „historischer Fehler gewesen sei. Hebenstreit spricht von einer “Enteignung" der österreichischen Steuerzahler. Gefordert sei hier nun die Regierung. Diese müsse mit allen Mitteln gewährleisten, dass einerseits die Beschäftigung gesichert sei und andererseits der Netzausbau weiter vorangetrieben werde.

Neue Konzernspitze mit Fotos, Eigentümerstruktur - Tortengrafik Grafik 0856-15-Telekom.ai, Format 88 x 78 mm

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