B2B
22.08.2012

TV-Hersteller Loewe will weltweit expandieren

Das deutsche Unternehmen will künftig nicht mehr nur in Europa tätig sein.

Der deutsche Luxus-TV-Hersteller Loewe gibt seine Beschränkung auf Europa auf und will den Weltmarkt erobern. „Wir wollen eine globale Marke werden", sagte Vorstandschef Oliver Seidl in einem am Mittwoch veröffentlichten Reuters-Interview. Der erste Schritt nach Asien habe sein Haus bereits ohne Schützenhilfe des japanischen Hauptaktionärs Sharp gewagt. „Wir sind mit einem Distributor in Indien aktiv", sagte Seidl. Der europäische Heimatmarkt reiche langfristig als Absatzgebiet nicht mehr aus. „In den Wachstumsregionen der Zukunft müssen wir dabei sein. Wir müssen in diese Regionen kommen, um langfristig erfolgreich zu sein." Zwar werde sich Europa von der gegenwärtigen Krise erholen, doch seien die Wachstumsraten in der Region begrenzt.

Kein Interesse von Apple
Mit einem Markteintritt in China, mit dem Loewe seit längerem liebäugelt, zögert Seidl allerdings noch. Dabei gelten Luxusgüter made in Germany dort als Kassenschlager. Die Gründung von Einkaufstöchtern im Reich der Mitte wertet er jedoch als ersten Schritt. „Unsere Einkäufer in China gehen jetzt schon los, damit wir früher wissen, was passiert. Damit sind wir schneller und innovativer." Der dänische Rivale Bang & Olufsen erweiterte kürzlich sein Vertriebsnetz in China. Westwärts soll es für Loewe erst später gehen. „Den amerikanischen Kontinent würden wir erst in einem dritten Schritt aktivieren." Mit dem US-Riesen

, dem ein Interesse an den Oberfranken nachgesagt wurde, hätten die Expansionspläne nichts zu zun. „ Apple hat sich nicht gerührt."

Preise seien stabiler
Der größte deutsche TV-Hersteller hat immer mehr mit koreanischen Konkurrenten zu kämpfen, die inzwischen mehr als auf dem europäischen Markt jeden dritten Apparat verkaufen. Außer Samsung konnten im ersten Halbjahr im Wesentlichen nur Panasonic, Loewe, Metz und Grundig Marktanteile gewinnen. Seidl zeigte sich allerdings erleichtert über abebbenden Preiskampf. „Die Preise stabilisieren sich derzeit, der Preisverfall ist nicht weitergegangen", sagte der Manager. Im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft hatte Loewe eine neue Baureihe eingeführt, die den sinkenden Preisniveau Tribut zollte. „Man kann die Preisentwicklung in einem Markt nicht dauerhaft ignorieren."

Individuelle Auswahl soll Umsatz steigern
Zur Internationalen Funkausstellung in Berlin will Loewe Ende kommender Woche eine modernisierte Produktpalette zeigen. Stärker individualisierbare Geräte und mehr Audio-Produkte sollen das Wachstum ankurbeln. „Wir werden die ganze Produktpalette bis Anfang kommenden Jahres erneuert haben." Der Trend zu wieder steigenden Umsätzen soll sich so fortsetzen. „Unser Umsatzwachstum wird auch nächstes Jahr weitergehen. Die Ergebnisverbesserung wird sich aus unseren neuen Produkten ergeben."

Keine Gewinnziele
Im ersten Halbjahr hatten die Einnahmen der Oberfranken nach langem Schwund wieder

. „Mit einem Umsatzplus sechs Prozent in einem um zehn Prozent rückläufigen Markt haben wir unsere Hausaufgaben gemacht." Das laufende Sanierungsprogramm könne voraussichtlich zum Jahresende abgeschlossen werden. Auf konkrete Gewinnziele will sich Seidl indes nicht festlegen. „Wenn ich mich zwischen kurzfristigen Gewinnen und langfristigen Investition in neuen Produkte und Vertriebskanäle entscheiden müsste, dann würde ich immer die zweite Alternative wählen."

Diskussionen mit Sharp
Die seit Jahren verhandelte Kooperation mit dem Großaktionär Sharp lässt weiter auf sich warten. Seidl glaubt allerdings weiter daran, dass die Japaner mit dem deutschen Traditionshersteller trotz ihrer aktuellen Geldnöte kooperieren werden. „Wir stehen mit Sharp im intensiven, engen Kontakt. Es gab keine Diskussion darüber, ob Sharp seinen Anteil an uns verkaufen will." Von der Zusammenarbeit mit dem französischen IT-Konzern LaCie, der mit gut einem Zehntel bei den Kronachern eingestiegen ist, habe Loewe bereits profitiert.

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