B2B
08.07.2017

Uber-Anwälte knöpfen sich Google-Gründer vor

Im Patentstreit zwischen Uber und der Alphabet-Tochter Waymo über autonome Fahrtechnologien wird Google-Gründer Larry Page nun direkt in das Verfahren hineingezogen.

Google-Gründer Larry Page wird sich im vor Gericht ausgetragenen Streit mit Uber Fragen von Anwälten des Fahrdienst-Vermittlers stellen müssen. Page verfüge über wichtige Informationen aus erster Hand zu dem Sachverhalt, erklärte ein Richter am Freitag. Die Google-Schwesterfirma Waymo wirft Uber vor, von ihr gestohlene Technologie für selbstfahrende Autos einzusetzen.

Uber will Page, der inzwischen Chef des Google-Mutterkonzerns Alphabet ist, unter anderem zu dessen Gesprächen mit dem Entwickler Anthony Levandowski befragen, der im Mittelpunkt der Klage steht. Er war einer der wichtigsten Experten für selbstfahrende Autos bei Google und wurde später zum Chef von Ubers eigenem Projekt zu selbstfahrenden Autos.

14.000 Dateien von Google entwendet

Waymo erklärt in der Klage, Levandowski habe vor seinem Abgang bei dem Internet-Konzern 14.000 Dateien mit vertraulichen Informationen heruntergeladen. Uber bestreitet, dass etwas davon für die eigenen autonomen Technologien verwendet oder überhaupt auch nur bei der Firma angekommen sei. Levandowski selbst machte von seinem Recht zur Aussage-Verweigerung Gebrauch, um sich nicht selbst zu belasten - und wurde deshalb von Uber entlassen.

Die Uber-Anwälte wollen Page nun unter anderem dazu befragen, seit wann Google und die Firma Waymo, bei der die Entwicklung selbstfahrender Autos im vergangenen Jahr gebündelt wurde, von Levandowskis Downloads wussten. Sie bekamen vier Stunden Zeit dafür. Waymo hatte sich gegen eine Befragung von Page gewehrt.

Waymo schränkt Klage ein

Waymo engte unterdessen die Klage gegen Uber ein. Von ursprünglich vier Vorwürfen der Patentverletzung blieb einer übrig. Ein Richter hatte nach Durchsicht der Aktenlage bereits angemerkt, dass Waymo wohl in keiner seiner Patentklagen Recht gegeben werden könnte - es sei denn, das Unternehmen zaubere noch überraschendes Beweismaterial aus dem Hut. Neben der übrig gebliebenen Patentklage geht es auch um Geheimnisverrat, womit Waymo vermutlich durchkommen wird.

Dass Waymo auf einige Patentklagen verzichtet, soll laut einem Bericht von Ars Technica auch damit zu tun haben, dass die von Uber geplante Laser-Abtasttechnologie, mit der das Auto seine Umgebung auf Hindernisse scannen wird, offenbar nicht auf den entwendeten Prototypen von Waymo basiert. Die Alphabet-Tochter wies allerdings darauf hin, dass die nun fallengelassenen Patentklagen wieder eingebracht werden könnten, sollte Uber Technologien auf Basis der Waymo-Forschung einsetzen.