Österreich
04/23/2012

VAT: "Kein Ende des Mobilfunk-Preiskampfs"

Der Verband Alternativer Telekom-Netzbetreiber (VAT) glaubt, dass der Wirtschaftsstandort Österreich von der Drei-Orange-Übernahme profitieren wird.

Auch nach dem geplanten Zusammenschluss der Mobilfunkbetreiber Hutchison/„3" und Orange sei ein Ende des Preiskampfs in Österreich in absehbarer Zeit nicht zu erwarten, meint der Verband Alternativer Telekom-Netzbetreiber. Von der seit langem erwarteten Konsolidierung werde der Wirtschaftsstandort Österreich profitieren, heißt es im aktuellen „Telekom Barometer" des VAT, denn es sei schwierig, mit kleinen Marktanteilen große Investitionen durchzuführen. Vier Netze der 4. Mobilfunk-Generation "LTE" wären beim derzeitigen Preisniveau nicht möglich, heißt es in dem Bericht.

Österreich mit guten Netzen
In Österreich gebe es seit Jahren einen intensiven Preiswettbewerb, aber auch einen sehr teuren Infrastrukturwettbewerb, betonen die Konkurrenten der Telekom Austria. Das habe dazu geführt, dass die Netze in Österreich wesentlich besser seien als in den Nachbarländern, und das zu deutlich niedrigeren Endkundenpreisen. Darum hätten die Mobilfunk-Netzbetreiber in letzter Zeit ihre Zusammenarbeit verstärkt: So hat Hutchison 3G Austria (H3G) seit kurzem ein nationales Roaming-Abkommen mit T-Mobile Austria, wobei die zwei Betreiber einander ab Mitte 2012 bei der Netzabdeckung am Land unterstützen. Das werde ab 2013 zu Einbußen für A1 führen, wo H3G derzeit noch in das GSM-Netz eingemietet ist.

Marktaufteilung
A1 ist Mobilfunk-Marktführer mit einem Marktanteil von 42 Prozent, T-Mobile hat 31 Prozent. Nach der Übernahme von Orange durch H3G wäre der dritte Netzbetreiber mit rund 2,8 Millionen Kunden und einem Marktanteil von 22 Prozent ein starker und wettbewerbsfähiger Player, so die Einschätzung. T-Mobile und H3G würden sich einen erbitterten Kampf um Platz zwei liefern, und A1 werde seine Vormachtstellung verteidigen müssen.

Festnetz: Re-Monopolisierung
Ganz anders ist die Lage laut VAT im Festnetzbereich, wo es de facto einen massiven Trend zur Re-Monopolisierung gebe. Begünstigt durch die Regulierung habe es die Telekom Austria durch viele neue Breitbandanschlüsse geschafft, die Anzahl ihrer Festnetzanschlüsse konstant zu halten oder sogar leicht zu erhöhen. Die Telekom sei mit Umsatzmarktanteilen von rund 82 Prozent bei Privatkunden und 90 Prozent bei Geschäftskunden eindeutiger Marktführer. Die Vormachtstellung der TA sei so groß, dass sie auch nicht befürchten müsse, durch Preiserhöhungen Kunden zu verlieren. Mit einem Marktanteil von 25 Prozent der Festnetz-Gesprächsminuten ist Tele2 der zweitgrößte Festnetzbetreiber Österreichs und doppelt so groß wie der Dritte.

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