B2B
29.10.2015

Villach soll zum Vorreiter für Industrie 4.0 werden

Infineon hat neue Gebäude in Villach eröffnet, an denen neue Technologien für vernetzte Fabriken entwickelt werden sollen. 380 neue Arbeitsplätze werden geschaffen.

Die Zukunft der "vernetzten Fabrik" soll sich in Kärnten entscheiden - zumindest wenn es nach dem Chip-Hersteller Infineon geht. Am Donnerstag wurde in Villach ein neuer Gebäudeverbund eröffnet, in dem neue "Industrie 4.0"-Technologien entwickelt werden sollen. Dazu werden mehr als 380 neue Arbeitsplätze geschaffen, davon allein 200 im Bereich Forschung und Entwicklung. "Der Pilotraum Industrie 4.0 wird dem Infineon-Standort in Villach einen weiteren Innovationsschub ermöglichen und zeigt, dass Österreich schon jetzt ein Frontrunner bei Industrie 4.0 ist“, so Technologieminister Alois Stöger.

290 Millionen Euro Investition

Infineon will aber nicht nur neue Technologien für die Industrie 4.0 entwickeln, sondern diese auch selbst konsequent anwenden. So seien bereits jetzt erste Ansätze einer "intelligenten Fabrik" am Villacher Standort zu finden. Wenn ein Produkt hergestellt wird, liefert es Messdaten. Mit diesen wird der laufende Produktionsprozess überwacht und kann automatisch angepasst werden. Laut Infineon konnte die Stabilität der Prozesse so um bis zu 20 Prozent verbessert werden. Der Einsatz von Sensoren soll weiter ausgebaut werden. So melden Maschinen nun selbstständig, sobald ein Teil zu warten ist, und leiten die erforderlichen Aktionen automatisch ein.

Der neue Standort in Villach

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Infineon Austria neuer Gebäudekomplex

Infineon Austria neuer Gebäudekomplex

Infineon Austria neuer Gebäudekomplex

Infineon Austria neuer Gebäudekomplex

Infineon Austria neuer Gebäudekomplex

Infineon Austria neuer Gebäudekomplex

Infineon Austria neuer Gebäudekomplex

Infineon Austria neuer Gebäudekomplex

Infineon Austria neuer Gebäudekomplex

"Die Lösungen, die in Villach erarbeitet werden, wollen wir im gesamten Infineon-Verbund und im Netzwerk mit Kunden und Lieferanten nutzen", sagt Infineon-CEO Reinhard Ploss. Dafür werden bis 2017 insgesamt 290 Millionen Euro investiert. Auch das bmvit (Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie) fördert die Produktionsforschung mit 125 Millionen Euro jährlich. So wurde gemeinsam mit der TU Wien eine Industrie-4.0-Pilotfabrik im 22. Wiener Gemeindebezirk eingerichtet, drei weitere Pilotfabriken sollen in anderen Teilen Österreichs folgen.

Nachwuchs gefragt

Eine aktuelle Studie zeigt jedoch, dass die österreichische Industrie im Bereich Industrie 4.0 noch Nachholbedarf hat. 200 Industrie-Führungskräfte wurden im Rahmen des "Trendbarometer Industriebetriebe 2015" von Gallup befragt. Nur die Hälfte davon wusste überhaupt, was Industrie 4.0 ist, viele davon sehen darin nur einen kurzfristigen Hype. "Industrie 4.0 bietet uns die gewaltige Chance, industrielle Produktion in Europa zu halten und zu stärken", so Sabine Herlitschka, CEO der Infineon Technologies Austria AG.

Dafür sind allerdings auch neuartige Fachkräfte erforderlich, die der Konzern nun mit internen Schulungen rasch ausbilden will. Sogenannte "Work Area Controller" sollen mit mobilen Leitständen die Produktion überwachen und die Systeme steuern. Dazu stehen ihnen auch moderne Technologien wie Tablets und Datenbrillen zur Verfügung. Die Aufgaben der Mitarbeiter in der Produktion sollen aber "hochwertiger" werden und mehr interdisziplinäres Verständnis erfordern.