B2B
10.12.2013

Vodafone spart in Deutschland trotz Milliarden-Geldregens

Neues Sparprogramm soll Kosten um netto 100 Millionen. Euro senken. Gehälter werden gekürzt, Jobs ausgelagert.

Trotz des Milliarden-Geldregens durch den Verkauf des US-Geschäfts drückt Vodafone in Deutschland auf die Kostenbremse. Mit einem neuen Sparprogramm sollten die Ausgaben um netto 100 Mio. Euro sinken, sagte der Vodafone-Deutschland-Chef Jens Schulte-Bockum in einem Interview mit der "Rheinischen Post" (Dienstagsausgabe).

Ob wegen der neuen Sparrunde auch Jobs auf der Kippe stehen, ließ er offen. "Betriebsbedingte Kündigungen kann man nie ganz ausschließen. Wir versuchen aber, sie zu vermeiden." Derzeit arbeiten bei dem Rivalen der Deutschen Telekom 11.000 Leute.

Die ersten Sparaktionen sind bereits erfolgt. So verdienen neue Mitarbeiter in Call Centern mit 1.800 Euro 700 Euro weniger als bisher. Das Zugeständnis fiel Gewerkschaftern nicht leicht, aber mit einem Einlenken konnten sie die Auslagerung von 2.500 Stellen verhindern. Zudem fielen in der Netzüberwachung durch eine Verlagerung der Jobs nach Indien und Rumänien 350 Stellen weg. Allein dadurch sei die Hälfte der Einsparungen bereits sicher, sagte Schulte-Bockum.

Erste Sparrunde zu wenig

Die Einschnitte haben mehrere Gründe. Unter anderem habe eine zuvor aufgelegte Sparrunde wegen Kostensteigerungen an anderen Stellen im Konzern nicht den gewünschten Erfolg gehabt, sagte ein Vodafone-Sprecher. Zudem leidet das Unternehmen seit Jahren unter den von Regulierungsbehörden angeordneten Gebührensenkungen und dem harten Preiskampf in der Branche. Resultat: In den vergangenen zwei Quartalen brach der operative Gewinn (Ebitda) um 13 Prozent ein. "Der Markt gönnt uns keine Pause", betonte der Sprecher. Gleichzeitig will Vodafone mehr Geld in die Aufrüstung des Mobilfunknetze stecken, das Tests zufolge in Sachen Sprachqualität weit hinter dem der Telekom liegt. Die Gesamtinvestitionen sollen deshalb ab dem nächsten Geschäftsjahr um 800 Mio. Euro auf jährlich 2 Mrd. Euro steigen.

Die Ausgaben müsste Vodafone eigentlich stemmen können, ohne den Gürtel enger zu schnallen. Die Briten kündigten im September den Verkauf ihres US-Mobilfunkgeschäfts an den dortigen Partner Verizon an - für satte 130 Mrd. Dollar (94,74 Mrd. Euro). Es ist die drittgrößte Übernahme aller Zeiten. Einen Teil des Geldes - nämlich knapp 11 Mrd. Euro - gab Vodafone für den Kauf von Kabel Deutschland aus.