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B2B
10/07/2012

Zweifel am Geschäftsmodell von Spotify

Nach der Veröffentlichung vermeintlich neuer Bilanzzahlen des Online-Musikdienstes Spotify durch einen US-Datenabieter werden Zweifel am Geschäftsmodell des Streaming-Dienstes laut.

Spotifys Finanzkennzahlen für das Jahr 2011 seien "abgründig", schreibt das US-Technologieportal CNet. Zuvor veröffentlichte PrivCo, ein US-Unternehmen, das Daten über nicht-börsennotierte Unternehmen verkauft, Bilanzzahlen des schwedischen Online-Musikanbieters. Die Zahlen zeigen, dass im vergangenen Jahr mit den Umsätzen auch die Verluste des schwedischen Unternehmens explodierten. 2011 konnte Spotify demnach seinen Umsatz um 151 Prozent auf 244 Millionen Dollar steigern (187,8 Mio. Euro) steigern, aber auch die Verluste wuchsen um 60 Prozent auf rund 59 Millionen Dollar (45 Mio. Euro).

Anders als von PrivCo angegeben, sind die Zahlen zwar nicht neu, sie wurden im vergangenen August unter anderem bereits vom "Wall Street Journal" und vom schwedischen Online-Magazin Computer Sweden veröffentlicht, Zweifel am Geschäftsmodell des Streaming-Anbieters werden dennoch laut.

"Geschäftsmodell unhaltbar"
Spotifys Geschäftsmodell sei "unhaltbar", meinte PrivCo-Geschäftsführer Sam Hamadeh. Damit Spotify überleben könne, müsse sich etwas ändern. Er empfahl dem Unternehmen Heavy-User stärker zur Kasse zu bitten. Nutzer, die besonders viele Songs abspielen, sollten demnach 25 Dollar (rund 20 Euro) für ein "Platinum"-Abo bezahlen, riet Hamadeh.

Gegenüber dem derzeitigen Spotify "Premium"-Modell, das unbegrenzten Zugang zu Musik auf Computer und Smartphone sowie einen Offline-Modus für ausgewählte Playlists etwa in Österreich für knapp zehn Euro monatlich anbietet, würde dies eine Verdoppelung der Abo-Gebühren bedeuten. Daneben bietet Spotify hierzulande auch ein zeitlich begrenztes werbefinanziertes kostenloses Streaming für zehn Stunden im Monat, so wie ein "Unlimited"-Abo für knapp fünf Euro monatlich  an, das jedoch Handynutzung und Offline-Modus nicht beinhaltet.

Werbeeinnahmen wachsen nur verhalten
Zweifel darüber, ob Spotify jemals Gewinne schreiben werde, wurden auch in der Vergangenheit laut. Fraglich ist vor allem, ob Spotify Nutzer des kostenlosen Angebots dazu bringen kann auf die kostenpflichtige Nutzung umzusteigen. Laut CNet zweifeln Brancheninsidern daran. Ende 2011 zählte Spotify weltweit 32,8 Millionen Nutzer, 2,6 Millionen davon bezahlen für die Nutzung des Dienstes. Die Abo-Einnahmen sind 2011 von rund 52 Millionen Euro auf rund 160 Millionen  gestiegen, die Werbeeinnahmen verzeichneten jedoch ein verhaltenes Wachstum (2010: 21, Mio. Euro, 2011: 27,6 Mio. Euro).

Existenzsorgen muss sich das Unternehmen vorerst jedoch keine machen. Erst vor kurzem wurde eine neue Finanzierungsrunde abgeschlossen. Laut CNet, sei das Unternehmen dabei mit vier Milliarden Dollar bewertet worden. Zu den Investoren zählen unter anderem Hutchison-Vorsitzender Li Ka-shing, sowie Napster-Gründer und Facebook-Investor Sean Parker.

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