Digital Life
17.10.2018

70 Prozent der Österreicher leiden unter Reizüberflutung

Die ständige Erreichbarkeit lässt die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben verschwimmen.

Arbeiten, wann und wo man will – das ist das Versprechen hinter der „neuen Welt des Arbeitens“, in der die Menschen stets online sind und auch unterwegs E-Mails oder Slack-Nachrichten beantworten. Doch die neu gewonnene Flexibilität kommt zu einem hohen Preis, wie eine aktuelle Studie von Marketagent.com zeigt: Über 70 Prozent der Österreicher fühlen sich von Informationen überflutet.

Der Studie zufolge wird das Smartphone von Befragten aller Altersgruppen mehrmals pro Stunde auf neue Nachrichten überprüft. Spitzenreiter ist die jüngste Altersgruppe (14 bis 19 Jahre), die bis zu neun Mal pro Stunde auf das Handy schaut und pro Tag im Schnitt bis zu 61 neue Informationen in Form von Nachrichten erhält. Die 50- bis 69-jährigen Befragten erhalten im Vergleich dazu maximal zwölf Nachrichten pro Tag. Auch fällt es den Österreichern offensichtlich schwer, sich auf einen einzigen inhaltlichen Input zu konzentrieren: 34 Prozent der Befragten geben zu, mehrmals pro Stunde zum Handy oder Tablet-PC zu greifen, während sie zuhause vor dem Fernseher sitzen.

Moderne Workaholics

Besonders die berufliche Belastung trägt stark zur Reizüberflutung der Österreicher bei. Jeder zweite befragte Büroangestellte kann nach Dienstschluss nicht abschalten und ist mindestens einmal pro Woche auch nach der Arbeit noch erreichbar. Im Schnitt erhalten die Befragten 38 E-Mails pro Tag, 23 Prozent öffnen die Nachrichten sofort. „Gründe für den Drang nach permanenter Informationsaufnahme könnten im Verständnis der modernen Arbeitswelt liegen“, sagt Thomas Schwabl, Geschäftsführer von Marketagent.com: Für 94 Prozent ist es inzwischen normal, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu erledigen und 93 Prozent bemerken einen steigenden Grad an Komplexität in ihrem Beruf.

Dementsprechend bemerken 74 Prozent der Befragten, dass die Grenzen zwischen Privat- und Arbeitsleben immer mehr verschwimmen. Als häufigste Symptome der daraus resultierenden Reizüberflutung werden Stress (49 Prozent), Müdigkeit (48 Prozent) und Reizbarkeit (47 Prozent) genannt. Dementsprechend verspüren drei Viertel der Befragten einen grundsätzlichen Wunsch nach Entschleunigung im Alltag und im Beruf.