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Zeitungen
04/03/2012

Adobe: „Verlage werden mit Apps verdienen“

Statt Papier ein Display, anstelle einer großflächigen Werbeanzeige ein interaktiver Werbespot - die US-Software-Firma Adobe prognostiziert, dass Verlage mit Zeitungs- und Magazin-Apps Geld verdienen - wenn sie die richtige Mischung aus Inhalt und kreativer Werbung bieten, sagt Adobe-Manager Danny Winokur im futurezone-Interview.

Verleger auf der ganzen Welt zerbrechen sich derzeit den Kopf darüber, wie sie den Rückgang von Zeitungs- bzw. Magazin-Lesern und –Käufern kompensieren können und ob sich mit digitalen Ausgaben auf Tablets Geld verdienen lässt. Nun hat sich Adobe zu Wort gemeldet. Das US-Softwareunternehmen hat eine Erhebung unter 600 internationalen Verlegern gemacht, die im Vorjahr insgesamt 1500 verschiedene Tablet-Publikationen über das Adobe-System auf den Markt gebracht haben.

„Die Daten wurden anonym gesammelt und stammen von Zeitungen/Magazinen, die mit unserer Adobe Digital Publishing Suite gemacht wurden", sagt Danny Winokur, Vizepräsident und General Manager für Interactive Development bei Adobe, im futurezone-Interview. „Das Leseverhalten verändert sich und die Leser sind bereit, für Tablet-Ausgaben zu zahlen." Winokurs Conclusio: „Es wird ein massives Wachstum im Digital Publishing kommen und die Verleger werden mit ihren Zeitungs-Apps Geld verdienen."

Laut Adobe-Studie zahlen 68 Prozent der Leser für die digitale Ausgabe ihrer Zeitung, ihres Magazins. 15 Prozent zahlen für Einzelausgaben, 26 Prozent für Abonnements und 27 Prozent für ein Kombi-Angebot Print/Digital.

Längere Lesezeiten
Mehr als die Hälfte der Leser (56 Prozent) verbringen zwischen 25 Minuten und 2,5 Stunden pro Monat mit dem Lesen digitaler Magazine. Dieser Wert ist in den letzten sechs Monaten um 70 Prozent gestiegen. Dies ist auf ansprechendere und spannendere Inhalte zurückzuführen sowie auf die vermehrte Nutzung von Tablets. „Eine Applikation wird durchschnittlich bis zu fünf Mal pro Monat geöffnet", sagt Winokur, „neun Prozent der Leser verbringen mehr als fünf Stunden pro Monat mit dem Lesen digitaler Titel."

Interaktion gewünscht
Interessant ist auch, dass die digitale Zeitungsausgabe von den Nutzern nicht nur wegen ihrer redaktionellen Inhalte gelesen wird, sondern auch wegen ihrer (kreativeren) Werbeinhalte. Apps bieten Unternehmen ja die Möglichkeit, in den digitalen Publikationen anders als in der gedruckten Zeitung oder im Web zu werben. Jeder fünfte Seitenaufruf in einer Magazin-App sei Werbung. „Besonders gefragt sind interaktive Elemente", so Winokur. Webansichten, Videos, Bilder-Galerien, Audio-Clips oder Hyperlinks würden sich positiv auf den Konsum der digitalen Publikation auswirken. Jeder zweite Leser „spiele" sich mit interaktiven Inhalten.

Kreative Werbeinhalte gefragt
Am beliebtesten sind Webansichten und Videos. Beispiele, welche Magazine da besonders kreative Werbung und interaktive Elemente in ihre digitalen Ausgaben integrieren, gebe es genügend, sei es „New Yorker", „Wired" oder „Project", das Magazin von Virgin. Auch in Österreich gibt es mit „Datum" ein Paradebeispiel eines Magazins, das früh erkannt hat, dass die Dualität – Print und App – erfolgsversprechend ist. „Wir machen nach wie vor mit Print unser Hauptgeschäft", sagt Datum-Chefredakteur Stefan Kaltenbrunner, „aber ja, wir machen Geschäft mit der iPad-Version. Wir verkaufen fast nur noch Dual-Werbung, also Print und iPad gleichzeitig." Bei der iPad-Werbung sei fast alles animiert und interaktiv, „wir haben ja die Techniker im Haus als Tochterfirma sitzen", so Kaltenbrunner. Mit Mercedes konnte man einen Jahres-Kooperationspartner an Land ziehen.

Neue Geschäftszweige
Aber die iPad- bzw. Tablet-Magazine seien nicht nur für Verleger interessant, sondern auch für andere Branchen. Sotheby`s hat jüngst einen Auktionskatalog als Tablet-Version auf den Markt gebracht. "Analysen zeigen, dass die Kunden mehr Zeit offline mit unseren Inhalten verbringen, wenn diese interaktiv eingebettet sind", sagt Amy Todd Middleton, Worldwide Director of Marketing bei Sotheby`s. „Zoom-Effekte, Videos und 360 Grad-Ansichten machen Räume mit Kunstobjekten nahezu real erlebbar." Winokur ist überzeugt, dass „auch Verkaufskataloge von Versandhäusern als iPad-App erscheinen könnten", so Winokur. Nachteil der Adobe-Lösung sind die Kosten. Die Digital Publishing Suite ist keine günstige Lösung, für kleinere Verlage nicht wirklich finanzierbar.