Digital Life
06.06.2016

(((Antisemitismus))): Nazis und ihr Klammern-Fetisch

Auf Twitter und Co sieht man aktuell viele Profilnamen, die in dreifache Klammern eingebettet sind. Damit soll Nazis, die so jüdische Namen markieren, entgegengetreten werden.

US-Neonazis setzen in ihren Hassschriften jüdische Namen, etwa von Journalisten, in dreifache Klammern. Diese Markierung soll der Identifizierung von jüdischen Personen dienen und symbolisiert angeblich die von rechten Subjekten propagierte "jüdische Weltverschwörung", wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Die innerste Klammer steht demnach für die Zersörung des Prinzips der Familie, die mittlere für die Zersetzung der Nation durch Migration und die äußere für das "internationale Judentum".

Atomatisierte Markierung

Der New York Times Journalist Jonathan Weisman etwa wurde von Nazis via Twitter mit "Hello (((Weisman)))" angeschrieben. In der rechten Szene werden die Klammern als "Echos" bezeichnet. Die Praxis scheint im Millieu mittlerweile schon weit verbreitet zu sein. Der technische Hintergrund der Markierung ist, dass die Klammern von Social-Media-Plattformen und Suchmaschinen ignoriert werden. Die Namen tauchen also in Suchergebnissen auf, egal ob mit oder ohne Klammern. So haben Nazis eine unauffällige Methode entwickelt, um jüdische Persönlichkeiten zu markieren. Der Code transportiert für Eingeweihte eine eindeutig antisemitische Botschaft. Für kurze Zeit war sogar ein Chrome-Plug-In namens "Zufallsdetektor" verfügbar, das die Namen von Menschen mit "jüdischer Identität" oder "anti-weißer Gesinnung" automatisch mit Klammern markiert hat.

Als Gegenmaßnahmen haben jüdische Journalisten in den sozialen Netzwerken begonnen, ihre eigenen Namen in Klammern zu setzen. Viele andere Nutzer tun es ihnen aus Solidarität gleich. So soll gezeigt werden, dass das Unterfangen, jüdische Personen zu outen, sinnlos sei. "Jüdische Journalisten setzen ihre Namen in Klammern, um zu zeigen, dass wir keine Angst vor diesen Menschen haben und uns nicht für unsere Identität schämen. Je mehr Journalisten das tun, desto weniger einschüchternd sind diese Symbole. Es ist eine Form der kulturellen Aneignung", schreibt Weisman.