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Geodaten
08/09/2012

Apps verschicken zu viele Geo-Daten

Eine Studie der Arbeiterkammer zeigt, dass Apps auf iPhone und Android-Geräten weit mehr Daten als notwendig an Dritte verschicken. Vor allem Positionsdaten werden an Werbefirmen weitergeleitet, der Handel damit floriert.

Das Smartphone hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr zum Begleitobjekt entwickelt. Am Weg zur Arbeit wird der Facebook-Status aktualisiert oder Tweets an die Follower geschickt. Während der Mittagspause widmet man sich einer Runde "Angry Birds" und am Heimweg wird für den schnellsten Weg eine Navigations-App verwendet. All die genannten Programme haben eines gemeinsam: Sie wissen, wo Sie sich befinden und können ihren Weg auf Schritt und Tritt verfolgen.

Programme sammeln Daten
Was bei der Navigations-App nicht verwunderlich ist, da diese für einen ordentlichen Dienst ihren Aufenthaltsort benötigt, überrascht bei dem Spiel "Angry Birds" oder etwa Twitter. Die Arbeitkammer kritisiert dies in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie vom Institut für Technikfolgen-Abschätzung der Akademie der Wissenschaften aus Wien. Mit den Geodaten, also den Aufenthaltsorten der Smartphone-Benutzer, würde Schindluder betrieben werden. Die iOS bzw. Android-Apps würden dem Entwickler problemlos erlauben, die sensiblen Daten auszuspähen und an Werbefirmen weiterzugeben.

Problemfall Angry Birds
Das beliebte Spiel „Angry Birds", welches lange Zeit in sämtlichen App-Stores an oberster Stelle rangierte, ist solch ein konkretes Beispiel. Die beliebte App von der Entwicklerschmiede „Rovio Mobile Ltd." würde in der iPhone-Version die Kontakte, den Aufenthaltsort, die Telefon ID (die einzigartige Identifikationsnummer) auslesen und an Chillingo, sowie der Marktforschungsfirma Flurry weiterleiten. Aber auch Android-User sind vor solch einer Spionage nicht gefeit. Das Spiel „Paper Toss", welches ebenso in der iOS-Version verfügbar ist, sendet den Aufenthaltsort, sowie die Telefon ID an mehrere Drittfirmen. AdWhirl, Flurry, Geocade, Google AdMob, Google AdSense und Microsoft sollen mit den sensiblen Daten beliefert werden. Zwar sei es bereits möglich, die Ortungsdienste abzuschalten (siehe Foto), trotzdem soll laut dem Studienautor Jaro Sterbik-Lamina weiterhin fröhlich gesammelt werden.

Das Geschäft mit den Daten
Der Handel mit den Aufenthaltsdaten floriert. Das Consulting-Unternehmen McKinsey geht davon aus, dass durch die Vermarktung von den Geo-Daten über die nächsten zehn Jahre ein globaler Umsatz von insgesamt 800 Milliarden Dollar zusammenkommen werden. Die Arbeiterkammer will dem nun einen Riegel vorschieben. Sie fordern, dass die Smartphone- sowie die App-Anbieter mehr Konsumentenschutz gewährleisten sollen. Neben einer besseren Aufklärung vonseiten der App-Anbieter, sowie der Datensammler, wozu die Daten eigentlich verwendet werden und was man gegen diese Sammler-Wut unternehmen kann, soll es in Zukunft eigene Gütesiegel für Privatsphären-vorbildliche Apps geben.

Gütesiegel und besser EU-Politik
Zugzwang sieht die Arbeiterkammer auch bei der Europäischen Union, welche zwar bereits Datenschutzregeln geschaffen habe, diese aber noch sehr mangelhaft sind. Durch einheitliche und verschärfte Daten- und Verbraucherschutzgesetze sollen derartige Praktiken unterbunden werden. Auch die Smartphone-Anbieter sollen klare Regeln der EU vorgesetzt bekommen, da der Datenverarbeitungsprozess im Moment völlig intransparent sei. Technisch nicht versierte Kunden sollen Infos darüber bekommen, was mit ihren Daten eigentlich geschieht. Eine ins Betriebssystem implementierte Funktion, die stets anzeigt, welche Informationen gerade weitergegeben werden, wäre laut der Studie ein guter Ansatz.

Tipps
Bis sich dies durchsetzt und Regelungen beschlossen sind, rät die Arbeiterkammer zu Vorsicht. Die Befugnisse der Apps sind genau zu überwachen und zu verwalten. So soll man nur Apps aus vertrauenswürdigen Quellen installieren und vorher die Bewertungen lesen. Bei Gratis-Apps sei besonders viel Vorsicht geboten, Werbelinks sollen nicht angeklickt werden.

Nach der Installation müssen die Zugriffsberechtigungen geprüft werden. Das finden Sie meist unter "Einstellungen". Dort können Ortungsdienste deaktiviert werden. Die AK rät, Apps, die offensichtlich zu viele Berechtigungen für den Funktionsumfang fordert, nicht zu installieren. Wird eine App nicht mehr gebraucht, sollte sie gelöscht werden.

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