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Großbritannien Autoversicherung macht Prämie von Facebook-Posts abhängig.

Wer seine Versicherung Zugriff auf sein Facebook-Profil gewährt, könnte mit geringeren Versicherungsprämien belohnt werden
Wer seine Versicherung Zugriff auf sein Facebook-Profil gewährt, könnte mit geringeren Versicherungsprämien belohnt werden - Foto: dpa Armin Weigel
Ein britisches Versicherungsunternehmen stuft seine Kunden auf Basis ihrer Facebook-Posts ein. Der US-Konzern ist wenig erfreut und dreht das Experiment kurz vor Start ab.

Der britische Versicherungskonzern Admiral kündigte an, dass er künftig auch das Social-Media-Verhalten seiner Kunden bei der Berechnung der Versicherungsprämie berücksichtigt. Der Dienst namens "firstcarquote" soll sich vor allem an "gewissenhafte" und "gut organisierte" Fahranfänger richten und diese mit niedrigeren Gebühren belohnen. Dabei werden Facebook-Posts - ausgenommen Bilder - des Nutzers auf diese Eigenschaften hin analysiert. So wird beispielsweise das Schreiben von kurzen, aussagekräftigen Sätzen und Listen oder das frühe Vereinbaren von Treffen mit Freunden als positives Signal gewertet. Zeigt sich der Nutzer hingegen zu selbstsicher, beispielsweise durch den Einsatz von vielen Rufzeichen, Begriffen wie "immer" oder "nie" statt "vielleicht", wird der Rabatt reduziert.

Admiral: Nur Vorteile

Das Angebot ist vorerst optional und soll lediglich Vorteile bieten - die Prämie kann demnach nur günstiger, aber nicht teurer werden. Laut Admiral wolle man so verantwortungsbewussten Fahranfängern die Möglichkeit geben, rasch Geld zu sparen statt sich jahrelang zu beweisen. Die maximal mögliche Ersparnis pro Jahr soll bis zu 350 britische Pfund betragen. 

Admiral sieht das Angebot als Testlauf. Man schließe allerdings nicht aus, dass die erhobenen Daten künftig auch für eine Erhöhung der Prämien sorgen könnten. Vorerst wolle man jedoch Erfahrungen sammeln und beobachten. Der Konzern betonte jedoch, dass man keinen laufenden Zugriff auf die Daten verlange und keine Daten von Facebook-Freunden verwende. Derzeit werden nur die Daten des Antragsstellers bei der Berechnung der Prämie abgefragt und für die Berechnung herangezogen.

Facebook sagt Nein

Doch Facebook zog in letzter Sekunde die Reißleine. Laut dem Guardian untersagte der US-Konzern Admiral die Nutzung der Daten und verwies auf die eigenen Plattformrichtlinien. Laut Kapitel 3, Punkt 15 sei es untersagt "von Facebook erhaltenen Daten [zu verwenden], um Entscheidungen bezüglich einer Berechtigung, Eignung oder Auswahl zu treffen".

Als Beispiel dafür wird die Entscheidung, "ob ein Antrag zu genehmigen oder abzulehnen ist oder wie viel Zinsen auf einen Kredit zu zahlen sind", aufgeführt. Admiral wolle "firstcarquote" nun nach Gesprächen mit Facebook mit "eingeschränkter Funktionalität" auf den Markt bringen. Facebook werde dabei nur mehr zum Login genutzt, die Analyse soll mittels Fragen statt dem Scannen der Facebook-Posts erfolgen.

Anreize durch Überwachung

Hierzulande setzten Versicherungen auf sogenannte Telematik-Tarife, bei denen sich die Versicherten selbst überwachen lassen, um bessere Prämien zu erhalten. Auch das Tragen von Fitness-Trackern wird mit günstigeren Prämien schmackhaft gemacht. Datenschützer üben jedoch scharfe Kritik an diesen Angeboten.

(futurezone) Erstellt am 02.11.2016, 13:29

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