Digital Life
08.08.2016

BaDoink: "Pornos sind die Killer-App für VR"

© Bild: BaDoink VR

BaDoink-CEO Todd Glider erklärt im futurezone-Interview, wie schwierig es ist, Virtual-Reality-Pornos zu drehen und warum er hofft, dass irgendwann VR-Games Pornos überholen.

Schafft eine neue Technologie den Durchbruch? Auch wenn große Konzerne wie Google, Microsoft und Sony hier ein gewichtiges Wort mitzureden haben, den Ausschlag scheint stets eine vermeintlich Technologie-unabhängige Branche zu geben: Pornos.

Das Geschäft mit Sexfilmen gab schon bei einigen Technologien den Ausschlag. So konnte sich die VHS-Kassette gegenüber dem Betamax-Format durchsetzen, obwohl dieses in puncto Qualität überlegen war. Auch wenn es hier viele Faktoren gab, die Tatsache, dass die Porno-Branche VHS unterstützte, besiegelte das Schicksal von Betamax endgültig. Eine ähnliche Rolle spielten Pornos auch beim Formatkrieg zwischen Blu-ray und HD DVD knapp 25 Jahre später.

Ansturm auf VR-Pornos

Und auch das Internet, so viele Möglichkeiten das globale Datennetzwerk auch bietet, wurde nachhaltig von Pornos beeinflusst, die mittlerweile ein Drittel des weltweiten Traffics ausmachen sollen. Diese Zahl könnte schon bald in die Höhe schnellen. Denn nach 4K- und Drohnen-Pornos hat die Sexfilm-Industrie eine weitere Technologie für sich entdeckt: Virtual Reality.

Statt zwei oder mehr Personen auf dem Bildschirm beim Sex zuzusehen, schlüpft man selbst in die Rolle einer der Charaktere. Die Nachfrage ist groß. In Japan musste beispielsweise ein Virtual-Reality-Porno-Festival abgebrochen werden, weil der Ansturm dermaßen groß war, dass selbst die Polizei die Situation nicht mehr unter Kontrolle bekommen konnte.

Jemand, der schon früh das Potenzial von Virtual-Reality-Pornos erkannt hat, ist Todd Glider. Der CEO der CMP Group, die unter anderem das Porno-Portal BaDoink betreibt, sieht sich als Aufklärer, der der Weltbevölkerung Virtual Reality näher bringen möchte - in seinem Fall über Pornos. “Ich glaube, dass Pornos die Killer-Apps für Virtual Reality sind”, so Glider im Gespräch mit der futurezone.

“Jeder in der VR-Branche, sei es nun Oculus oder Google, weiß von uns und hofft auch ein bisschen auf die Pornobranche, dass sie Virtual Reality voranbringt. Jeder weiß davon, aber niemand will darüber sprechen.” BaDoink sorgte im Vorjahr für Aufsehen, als das Portal 30.000 Google Cardboards verschenkte, um ihr neues Virtual-Reality-Angebot zu bewerben.

Technische Limits

Die Aktion war ein großer Erfolg und sorgte unter anderem dafür, dass das Geschäft mit Virtual-Reality-Pornos bereits einem Jahr nach dem Start Gewinne abwirft. Um das zu erreichen, musste das Unternehmen aber mehr als nur ein paar Cardboards verschenken und Filme drehen. “Wir sind vor allem ein Technologie-Unternehmen, der Porno-Teil ist zweitrangig. Bei vielen Mitbewerbern ist das genau umgekehrt”, erklärt Glider. So entwickelte man neben eigenen Videoplayern für iOS und Android auch Kamera-Rigs, mit denen die Szenen gedreht wurden.

Denn obwohl Hersteller wie LG und Samsung nun zunehmend günstige 360-Grad-Kameras anbieten, sind Profi-Modelle weiterhin rar. So greife man vorwiegend auf eine Kombination aus GoPro-Kameras und der Sony Alpha 7 zurück, da selbst 60.000 Euro teure 360-Grad-Kameras wie Nokias Ozo Videos nur mit 30 Bildern pro Sekunde aufnehmen können. “Das reicht aus, wenn man Landschaften aufnehmen will, für Aufnahmen aus nächster Nähe mit viel Bewegung ist das aber zu wenig.”

Einfach nur daliegen

Doch nicht nur technisch gibt es bei der Produktion von VR-Pornos neue Herausforderungen. “In einer perfekten Welt hätte eine VR-Pornoszene keine Schnitte. Der Zuschauer schlüpft ja in die Rolle des Darstellers und da darf es keine Unterbrechungen geben, denn man hat ja auch keine Zwischenschnitte beim Sex”, so Glider.

Zudem darf sich jener Darsteller, aus dessen Perspektive gerade gefilmt wird, nicht bewegen. “Er muss einfach flach da liegen und darf nicht zu viel atmen, sprechen oder gar die andere Person anfassen. Das wollen unsere Kunden nicht. Sie sind der Meinung: Wenn jemand diese Frau anfasst, dann bin das ich.”

Die Nachfrage ist aber dennoch groß, auch vonseiten der Darsteller: “Die Dreharbeiten sind unfassbar unsexy, doch die Pornostars wollen es dennoch unbedingt machen. Viele Fans verlangen danach, näher kann man einem Star nicht kommen”, erklärt Glider. “Außerdem ist da der Reiz des Neuen. Nach 300 Szenen nach dem gleichen Schema kommt da mal etwas Neues daher.”

Mehr Leidenschaft

Das Ergebnis kann sich laut Glider sehen lassen, auch wenn der Grad der Interaktion vorerst auf das Drehen des Kopfes beschränkt ist. “Der Unterschied zwischen Virtual-Reality-Pornos und normalen Pornos ist extrem. VR-Pornos reizen die Technologie dermaßen gut aus, da gibt es gar keinen Zweifel, was lebhafter und intuitiver ist.” Er glaubt aber auch, dass die beiden Erfahrungen grundlegend anders seien. “Ich glaube, die Nutzer kommen schneller, weil hier eine gewisse Form der Leidenschaft vermittelt wird, die Pornos derzeit fehlt. Pornos haben selten Leidenschaft, es sind meist einfach zwei bezahlte Darsteller, die an einem bestimmten Ort Sex haben und denen man zusieht.”

© Bild: Lovense
Das Feedback der Kunden, die laut Glider vorwiegend männlich, gebildet und technisch interessiert seien, bestätige diesen Eindruck: “Es geht kein Monat vorbei, an dem sich unser Content-Team nicht zumindest einmal wegen eines Kommentars auf ein Video treffen muss. Es ist auf gewisse Art und Weise Crowdsourcing einer kompletten Technologie.”

Vermittlungsgebühr von Oculus

Mittlerweile hat man auch eine Partnerschaft mit PornHub, einem der größten Porno-Portale der Welt, abgeschlossen. Diese Aktion verstärkte die Nachfrage weiter. “Es war großartig auf Google Trends zu schauen und sagen zu können ‘Wir sind für diesen Hype verantwortlich’. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits rund 60 Szenen produziert.”

Glider versucht weiter, VR-Pornos salonfähig zu machen, doch das erweist sich trotz Hype schwerer als erwartet: “Wir sprechen viele Streamingseiten an, die bislang noch keinen VR-Content anbieten. Manche sagen ja, manche sagen nein, aber das stört uns nicht. Denn letztendlich geht es darum, möglichst viele Menschen mit dieser neuen Technologie in Berührung zu bringen.”

Hier gibt es auch die größte Hürde. Denn obwohl dieses Jahr mit der Oculus Rift VR und HTC Vive neue Virtual-Reality-Brillen auf den Markt gekommen sind, sind diese mit Preisen von bis zu 900 Euro relativ teuer. “Erst vor wenigen Wochen habe ich eine Umfrage gesehen, wonach nur einer von drei US-Amerikanern überhaupt weiß, dass es so etwas wie Virtual-Reality-Headsets gibt. Hier kann Google Cardboard viel helfen”, so Glider. Er scherzt sogar, dass Oculus ihnen eine Vermittlungsgebühr geben sollte: “Ich glaube, dass wir mit Pornos viel mehr Menschen für Virtual Reality begeistern können als mit Spielen.”

Hoffen, dass Games Pornos überholen

Das liege auch daran, dass man bereits ein funktionierendes Geschäftsmodell und relativ niedrige Einstiegshürden habe. Wer ein Smartphone und ein Google Cardboard besitzt, kann VR-Pornos konsumieren. “Irgendwann wird uns die Gaming-Welt einmal überholen, das bezweifle ich gar nicht, aber derzeit gibt es einfach kein VR-Spiel, das es mit GTA V oder Call of Duty aufnehmen könnte.” Er sehne sogar den Moment herbei, in dem die Gaming-Branche die Porno-Branche überhole. “Ich glaube nicht, dass es gut wäre, wenn wir für lange Zeit die Vorreiterrolle übernehmen, denn dann wird Virtual Reality nur mehr mit Pornos gleichgesetzt.”

Auch in Augmented Reality setzt Glider große Hoffnungen. “Man wäre dann nicht nur mit einer hübschen Frau in einem Wohnzimmer, die hübsche Frau wäre in meinem Wohnzimmer.” Bis man Pornos auf der HoloLens konsumieren kann, wird es aber wohl noch einige Jahre dauern. “Die Kosten, um holografische Videos zu erstellen, sind absurd hoch. Irgendjemand hat mal etwas von 10.000 Dollar pro Minute erwähnt”, so Glider.