bankaroo-Gründer Danielle und Etay Gafni: Mit dem Service sollen Kinder den bewussten Umgang mit Geld erlernen

© Gerald Reischl

Silicon Valley
03/22/2014

Bankaroo: Wie eine 13-Jährige ein Start-up führt

Danielle Gafni ist heute 13, vor zwei Jahren gründete sie mit „bankaroo“ die erste virtuelle Bank für Kinder. Die futurezone traf sie in Palo Alto.

Mit zehn Jahren hat sie programmieren gelernt, mit elf hatte sie die Idee, die nun ein kleines Unternehmen ist. „Es war im Sommer 2011, ich bin mit meinem Vater spazieren gegangen und habe mit ihm diskutiert, welches Service für Kinder in meinem Alter sinnvoll wäre“, erzählt Danielle Gafni. Es kam das Taschengeld zur Sprache, Geld, das man fürs Autowaschen bekam, das Sparschwein, das man immer wieder ausräumen musste, wenn man was kaufen wollte bzw. – die Sicht des Vaters – Geld, das man dem Kind vorstreckte, aber dem man nachlaufen musste, weil es das Kind eben nicht aus dem Sparschwein nahm. „Das war für uns beide ärgerlich“, sagt Vater Etay Gafni, früher bei SAP tätig und seit einigen Jahren selbst Web-Unternehmer (BrightAct). So entstand „bankaroo“ – ein Service, das Kindern den Umgang mit Geld lernt. Danielle: „Ich habe davor nie gewusst, wie viel Geld ich eigentlich habe.“

Das Logo selbst gezeichnet

Gemeinsam sind Tochter und Vater auf den passenden Namen gekommen. Danielle gestaltete das Logo, übernahm das Marketing und testete die Funktionen, die ihr Vater programmierte. „Bei den Funktionen lege ich die 30-Sekunden-Regel an“, so Danielle, „jedes Feature muss sich in 30 Sekunden erklären lassen.“ Dauert es länger, so wird die Funktion nicht in die App eingebaut. Die Erklär-Videos auf der Website gestaltet die mittlerweile 13-jährige, die eine Final-Cut-Pro-Expertin ist, selber.

Hauben- und Karate-Fan

Auf den ersten Blick ist sie eine ganz normale 13-Jährige, die gerne ihren roten Lockenkopf bedeckt – meistens mit einer Haube, von der sie fünf verschiedene besitzt. Sie zeichnet gerne, liest gerne, programmiert auf der Plattform Scratch Computerspiele und macht Karate. Erst wenn man mit ihr spricht, erkennt man, dass das Mädchen ihren Altersgenossen voraus ist. Danielle Gafni gehört zu den jüngsten Entrepreneurs der Gegenwart, die stolz von sich behaupten kann, ein eigenes Start-up auf die Beine gestellt zu haben. Auch wenn es derzeit eine Zwei-Personen-Firma ist, die gemeinsam mit dem Vater betrieben wird.

Virtuelle Bank für Kinder

Bankaroo ist ein virtuelles Konto in Form eines Webservices oder einer App, die Eltern und Kinder auf ihr Smartphone oder Tablet laden (Android, iOs, Windows, Blackberry oder Kindle). Auf dieses Konto kann eine Summe, die sich im Sparschwein befindet, übertragen werden. Vom bankaroo-Konto wird, wie bei einer echten Bank, das Geld abgehoben bzw. abgezogen bzw. um Beträge aufgeladen. So kann etwa das wöchentliche (14-tägige oder monatliche) Taschengeld automatisiert aufgebucht werden oder – sollte das Kind für einen Fußball, eine App oder ein anderes Wunschprodukt sparen – ein Betrag vom Konto in das „Zielprodukt“ überwiesen werden. Dort ist optisch anhand eines Balkens erkennbar, wie viel Geld noch fehlt, um das Ziel zu erreichen. So lernt das Kind sparen bzw. für etwas ansparen. „Wenn man von den Großeltern etwa zum Geburtstag Geld bekommt, kann man diese Summe ebenso aufbuchen, wie das wöchentliche Taschengeld oder Belohnungen, wenn man bei der Hausarbeit hilft.“

Das Kind hat einen eigenen Account, die Eltern einen, mit dem sie das Konto überwachen und kontrollieren können. Vergisst etwa das Kind, das Geld von seinem Konto abzubuchen, das der Vater vorgeschossen hat, kann er korrigierend eingreifen.

Sechs Sprachen

Die App gibt es mittlerweile in sechs Sprachen: Englisch, Französisch, Niederländisch, Hebräisch, Spanisch und Rumänisch. 25.000 User aus 75 Ländern gibt es, 100.000 sollen es Ende 2014 sein. Deutsch steht auf dem Plan, aber die App wird von der Community übersetzt.

Premium-Version

Geld verdienen Danielle und ihr Vater noch nicht mit bankeroo, aber das soll sich mit einem kostenpflichtigen bankaroo-Service ändern. Dieses soll 25 Dollar (etwa 20 Euro) pro Jahr kosten und einige Zusatzfeatures bieten. Geplant sind unter anderem eine Kredit- und eine „verzinste“ Sparfunktion. Auch die Möglichkeit, Geld von einem Kinderkonto auf das andere zu überweisen, soll es geben, „wenn etwa ein Geschwisterteil dem anderen das Zimmer zusammenräumt und Geld dafür bekommt“, sagt Danielle und schmunzelt. Die Zielgruppe für die App sind die 5- bis 13-Jährigen, da man in den USA bereits ab 13 ein eigenes Konto eröffnen kann.

Mit Banken hat man schon gesprochen, allerdings gab es bis dato keine, die die App ihrer künftigen Klientel anbieten wollte. Ein Grund könnte womöglich darin liegen, dass es eigentlich dem Ziel der Banken widerspricht, Kunden zu haben, die mit dem Geld haushalten oder bewusster umgehen können. Mit Krediten macht man mehr Geschäft. „Wir arbeiten aber mit Organisationen wie One Laptop per Child (OLPC) zusammen“, sagt Etay Gafni. Die bankaroo-Software ist auf allen XO-Tablets der OLPC-Initiative vorinstalliert.

Programmieren im Web gelernt

„Es ist ein Vorteil, wenn ein Kind im Umfeld des Silicon Valley aufwächst“, sagt Danielles Vater. Vom Programmieren – „Html, ein bisschen Java und CSS“ - ist Danielle besessen, auf Seiten wie Codecademy hat sie sich das Programmieren selbst beigebracht – auf den gleichen Seiten treibt sich jetzt übrigens ihr neunjähriger Bruder Noam herum. Mit dem Geld, das sie mit bankaroo verdienen will, möchte sie ihr College finanzieren und danach weitere Start-ups gründen. „Es gibt noch viele Ideen, die man realisieren kann“, sagt Danielle. „Man darf aber nicht ans Geld denken, sondern muss die Welt verändern wollen.“ Ein weiser Satz, der aus dem Mund einer 13-jährigen, der mitten in der Welt diverser Web-Giganten und Start-up-Milliardäre fast überraschend kommt.

Etay und Danielle Gafni sind Vortragende beim dreitägigen Kongress „Silicon Valley meets Austria“, der vom 28. bis 30. Mai im Studio 44 in Wien stattfindet. Für futurezone-Leser gibt es mit dem Discount-Code "friends" 20 Prozent Rabatt auf das Kongress-Ticket.

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