Digital Life
14.03.2014

Berlin startet mit eigener Städte-Domain ".berlin"

Nach .wien ist mit .berlin eine weitere Städte-Domain verfügbar. Allein bei United Domains sind bereits 55.000 Anfragen für die Domain eingegangen.

Das Internet wächst - und damit auch die Anzahl der Menschen und Unternehmen, die mit einer eigenen Seite dort vertreten sein wollen. Das Problem ist, dass viele Adressen schon belegt sind. Unternehmen, die sich online ihren Kunden präsentieren wollen, müssen daher oft ausweichen. Aber auch Privatpersonen, die eine eigene Seite haben möchten, finden in vielen Fällen keinen ansprechenden Namen.

Neue TLDs

Für Berliner gibt es dafür ab dem kommenden Dienstag eine neue Chance, in der Namenslotterie des Netzes zu gewinnen. Dann gehen Internetadressen mit der neuen Endung .berlin online. Sie ergänzen die bekannten Adress-Endungen im Web, wie .de oder .com. Internet-Adressen heißen dann nicht mehr nur beispielsweise mueller.de sondern können dann auch mueller. berlin heißen. Die .de-Endung fällt in diesem Fall weg. In den kommenden Jahren werden Hunderte weitere dieser neuen sogenannten Top-Level-Domains mit neuen Endungen freigeschaltet werden.

„Endungen wie .berlin werden den Umgang mit Domains unserer Ansicht nach grundlegend verändern“, sagt Dirk Krischenowski von Dotberlin, dem Betreiber der Hauptstadt-Domain. „Die Domains sind sprechend, nicht nur kryptische Abkürzungen wie .org oder .com.“ Dotberlin will internationale Firmen mit einem Standort in der deutschen Hauptstadt, touristische Unternehmen sowie Berliner Firmen oder Handwerksbetriebe für eine Webseite mit der neuen Endung gewinnen.

55.000 Anfragen

Dotberlin begann bereits 2005, bei der Organisation ICANN für die Berlin-Endung zu werben. Die ICANN ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Los Angeles. Sie verwaltet das Adresssystem im Web. Schon im Juni 2011 hatte sie die Erweiterung der Adressen über die klassischen Endungen wie .de, .com oder .org hinaus beschlossen. Seit Anfang Februar gibt es Endungen wie .guru oder .singles, nun folgen auch die ersten Adressen mit Ortsangaben wie .berlin.
Wirtschaftsvertreter begrüßen die neuen Stadt-Adressen. „Die Berlin-Adressen können zu einem Markenzeichen für unsere Stadt und damit auch für die hier ansässigen Handelsunternehmen und Kaufleute werden“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, Nils Busch-Petersen, dem Berliner „Tagesspiegel“.

Unterstützung gibt es auch aus der Politik. „Berliner Unternehmen und auch Privatpersonen können mit der neuen Domain-Endung ihre lokale Verbundenheit ausdrücken“, sagte Senatssprecher Richard Meng der dpa. Beim Anbieter United Domains sind bereits 55 000 unverbindliche Anträge auf eine Webseite mit .berlin-Endung eingegangen. Wer tatsächlich die gewünschte Adresse erhält, muss mit Kosten zwischen 30 und 60 Euro im Jahr rechnen.

Unterstützung der Stadt

Die Stadtadresse sei „die beliebteste Domain-Endung unter den bisher neu eingeführten Top-Level-Domains“, sagt Christian Böing, Chef des zweitgrößten europäischen Webhosters Strato. Über Strato können Nutzer ebenfalls Webseiten mit der neuen Endung anmelden. „Wenn die ersten .berlin-Adressen in der Werbung und im Web sichtbar sind, werden sicherlich immer mehr Privatnutzer und kleinere Firmen eine Hauptstadt-Adresse bestellen.“

Umsonst darf die Firma Dotberlin die neue Domain nicht betreiben. Seit März 2012 besteht ein Kooperationsvertrag mit dem Land Berlin zum Betrieb von .berlin. Denn ortsgebundene Adressen müssen durch einen Unterstützerbrief der Stadt oder des Gebiets gestützt werden. Das fordert die ICANN in ihren Regularien. Selbst hätte Berlin aufgrund gesetzlicher Regelungen die Domain nicht betreiben können.

Blockiert

Der Vertrag sichert der Stadt im ersten Jahr Einnahmen in Höhe von einer halben Million Euro zu, ab dem dritten Jahr sind es
750 000 Euro pro Jahr. Vertraglich wurden auch die Interessen des Landes Berlin festgehalten. So wurden vorab zahlreiche Adressen blockiert. „Das Land Berlin hat einige zehntausend Domain-Namen blockieren lassen“, so Senats-Sprecher Meng. „Uns war es wichtig, dass es hier keine Verwechslungsgefahr gibt.“ So soll es keine Webseiten unter dem Namen offizieller Stellen wie dem Senat, der Polizei oder der Feuerwehr geben.