Digital Life
30.11.2017

Bitcoin gerät ins Wanken

Am Donnerstag gab es beim Kurs der Kryptowährung Schwankungen von rund 15 Prozent, am Mittwoch sogar noch mehr.

Die Digitalwährung Bitcoin hat ihre Rekordjagd zunächst abgebrochen und dafür eine gefährliche Berg- und Talfahrt begonnen. Nach Kursschwankungen von fast 20 Prozent am Mittwoch betrug die Wertschwankung am Donnerstag rund 15 Prozent. Auf der bekannten Handelsplattform Bitstamp wurden am Donnerstag im Hoch 10.618 Dollar (8.977,8 Euro) erreicht, im Tagestief waren es am Nachmittag 9.000 Dollar.

Am Mittwoch war der Bitcoin nach einem Kursanstieg von mehr als 1.000 Prozent seit Jahresbeginn auf über 11.000 Dollar gestiegen. Derart starke Tagesschwankungen wie aktuell beim Bitcoin kommen bei herkömmlichen Währungen äußerst selten vor.

Skepsis

Ein Vergleich: Unter den großen klassischen Währungen weist das britische Pfund eine der stärksten Tagesschwankungen der vergangenen Jahre auf. Als das Brexit-Votum Ende Juni 2016 bekannt wurde, wertete das Pfund zum Dollar schlagartig um 12 Prozent ab. Solche Kursschwankungen sind bei herkömmlichen Währungen aber die Ausnahme. Beim Bitcoin kommen sie dagegen recht häufig vor.

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin beobachtet vor diesem Hintergrund die Digitalwährung mit Skepsis. In Zeiten niedriger Zinsen seien Anleger eher bereit, Risiken einzugehen, sagte die Chefin der Wertpapieraufsicht der Bafin, Elisabeth Roegele am Donnerstag in Frankfurt. Nicht jede Kryptowährung werde sich jedoch am Markt durchsetzen. Im Zweifelsfall drohe Anlegern ein Totalverlust.

Schrei nach Regulierung

Die Aufseherin warnte: "Es tummeln sich auch Spekulanten und windige Geschäftemacher am Markt." Das trage zu massiven Kursschwankungen von Kryptowährungen bei, zehn Prozent an einem Tag seien keine Seltenheit. Auch Andreas Treichl, Chef der Erste Group und laut Bloomberg Europas längstdienender Bankchef, hält wenig von der Kryptowährung.

Noch drastischer formulierte der US-amerikanische Star-Ökonom Joseph Stiglitz seine Bedenken. Er forderte ein Vorgehen des Gesetzgebers gegen die Cyberwährung. "Mir scheint, er müsste verboten werden", erklärte Stiglitz. "Er erfüllt keinerlei sinnvolle soziale Funktion." Stiglitz war 2001 mit dem Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet worden.

Der Bitcoin ist die älteste und bekannteste unter den mittlerweile rund 1.000 Digitalwährungen. Hinter ihm stehen nicht Zentralbanken, sondern Computer, an denen die Währung hergestellt oder "geschürft" wird. Die Meinungen zu Kryptogeld gehen stark auseinander. Während die einen Freiheit und Anonymität schätzen, verweisen die anderen auf Gefahren wie Kursschwankungen oder kriminellen Missbrauch. Ob der aktuell massive Kurszuwachs gerechtfertigt ist, ist ebenfalls umstritten.