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Digitalwährung
06/25/2015

Bitcoin-Jesus: Eine Pizza für 2,3 Millionen Euro

Der 35-jährige Bitcoin-Investor Roger Ver will die Welt von der digitalen Währung Bitcoin überzeugen. Das brachte ihm den Spitznamen Bitcoin-Jesus ein - trotz Vorstrafen.

von Michael Leitner

Roger Ver hat wohl eines der bekanntesten Gesichter, das die Bitcoin-Branche zu bieten hat. Der US-Amerikaner investierte in den vergangenen Jahren stark in Start-ups, die auf die junge, digitale Währung setzen. Seine zahlreichen Investments sowie seine leidenschaftlichen Präsentationen zum Thema Bitcoin brachten ihm den Spitznamen „Bitcoin-Jesus“ ein. Ein Ruf, der ihm sichtlich zusagt. „Es ist unsere Aufgabe, der Welt von dieser Idee zu erzählen. Erzählt es euren Freunden, eurer Familie, Bekannten, einfach allen“, verkündete er wie ein Prediger auf dem diesjährigen Pioneers Festival.

Einfach zu nutzen, schwer zu verstehen

Mehr als zehn Millionen Menschen haben Schätzungen zufolge bereits einmal Bitcoins verwendet, 6,5 Millionen davon nutzen die Kryptowährung regelmäßig. Die Idee ist komplex, aber ebenso genial: Die digitalen Geldeinheiten können in beliebig kleine Teile aufgeteilt werden, der Wert ergibt sich aus Angebot und Nachfrage des Marktes. Da die Transaktionen dezentral auf den Rechnern aller Bitcoin-Nutzer gespeichert und von diesen bestätigt werden, ist das System nahezu ausfallsicher. „Wenn das Internet plötzlich abstürzen und erst nach einem Tag wieder da wäre, würde das für Bitcoins keinen Unterschied machen - es ist alles so wie zuvor“, so Ver.

Durch das sogenannte Mining, dem Bestätigen der Transaktionen, können die Nutzer selbst Bitcoins erhalten. Dafür wird aber zunehmend mehr Rechenleistung erforderlich. Derzeit sind knapp 14 Millionen Bitcoins im Umlauf, maximal 22 Millionen können auf Basis des Algorithmus ausgegeben werden. Da die Bitcoin-Nutzer die Transaktionen abwickeln, fallen auch keine Gebühren an. Das technische Konzept dahinter ist für Laien verwirrend, doch die Technologie ist relativ einfach zu nutzen. Ver demonstriert das recht eindrucksvoll, indem er 100 Dollar an Bitcoins an das Publikum des Pioneers Festivals verschenkt. „Einfach den QR-Code scannen, dann gehört das Geld euch.“

Jesus mit Vorstrafen

Vers Angebot ist verlockend, aber nicht ohne Hintergedanken. Der 35-Jährige hat in zahlreiche Bitcoin-Start-ups investiert, unter anderem Blockchain, BitPay und Kraken. Sein Vermögen hat er der digitalen Währung zu verdanken: 2011 investierte er seinen Besitz in Bitcoins und konnte es dank des Bitcoin-Hypes fast über Nacht zu einem Vermögen vervielfachen. Nun reist er von Konferenz zu Konferenz, um Unwissende zu “bekehren”.

Die Vergangenheit des “Bitcoin-Jesus” ist allerdings nicht gerade Bibel-verdächtig. 2002 wurde er zu zehn Monaten Haft verurteilt, nachdem er für den Verkauf von Sprengstoff belangt wurde. Er verkaufte Feuerwerk über eBay, das von Landwirten in den USA zum Vertreiben von Vögeln eingesetzt wurde. Dabei überschritt er aber offenbar einen Grenzwert, der ihm neben zehn Monaten seines Lebens auch die Kandidatur für den California State Assembly (kalifornisches Unterhaus) kostete.

Nachdem er seine dreijährige Bewährungsstrafe hinter sich hatte, zog er nach Tokio. 2014 gab er freiwillig seine US-Staatsbürgerschaft auf und holte sich einen Pass für das karibische Steuerparadies St. Kitts. Ver beschloss daraufhin, bei jeder Einreise in ein fremdes Land ein T-Shirt mit dem Titel “Borders are imaginary lines” (“Grenzen sind nur eingebildete Striche”) zu tragen. Sein Geburtsland sah das jedoch anders: Ein US-Visum wurde ihm mehrmals verweigert, da die Behörden befürchteten, er würde in den USA als illegaler Einwanderer bleiben. Die Behörden änderten auch nach einer Steuernachzahlung in der Höhe von mehr als 325.000 US-Dollar ihre Meinung nicht.

Bitcoin als Weltwährung

Ver hat bereits sehr klare Vorstellungen davon, was er sich für die Zukunft von Bitcoins erhofft. “Wenn nur ein Milliarden-Dollar-Konzern wie Amazon einsteigen würde, könnte das den Wert von Bitcoins über Nacht vervielfachen”, rechnet Ver vor. Heute wird ein Bitcoin für knapp 230 US-Dollar gehandelt. Würde Bitcoin zum Standard-Zahlungsmittel werden, könnte der Wert eines Bitcoins auf über 42.800 Dollar steigen. Das von ihm prognostizierte Wachstum scheint hoch gegriffen zu sein, doch die Geschichte der Bitcoins zeigt, dass Vers Hypothese zumindest möglich wäre.

Am 22. Mai 2010, ein Jahr nach der ersten Bitcoin-Transaktion, wurde erstmals etwas mit Bitcoins bezahlt. Ein Bitcoin-Nutzer kaufte eine Pizza für 10.000 Bitcoins. Damals waren diese knapp 25 US-Dollar wert, heute wären es umgerechnet 2,3 Millionen Euro. Doch hier zeigt sich auch die größte Schwäche des Bitcoins-Marktes: seine hohe Volatilität. 2013 wurden weit über 1.000 US-Dollar pro Bitcoin erzielt, vor einem Jahr waren es noch zumindest rund 600 US-Dollar. Das schreckt auch etablierte Unternehmen ab. Ein Fehler, meint Ver: “Die Zweifler sagen immer: Das ist nur eine Blase, Bitcoins werden sich nie gegen den Dollar durchsetzen. Immer wieder passieren Dinge, die sie zu bestätigen scheinen, aber die Bitcoins halten sich. Auf die Dauer ist klar, dass sie Unrecht haben.”

Wenn Ver über Bitcoins spricht, ist es schwer, seine Zuversicht nicht zu teilen. Auch die Versuche zahlreicher Staaten, den Handel mit Bitcoins zu regulieren, sieht er überraschenderweise positiv: “Jahrelang hat man Bitcoins unreguliert gelassen und ignoriert, heute sind sie in fast jeder Regierung dieser Welt ein Thema. Das zeigt, wie wichtig Bitcoins mittlerweile geworden sind.” Doch mehr als erfolgreiche Beispiele zu nennen, kann er auch nicht tun. So werden beispielsweise bereits Preisgelder bei E-Sports-Turnieren in Bitcoins ausbezahlt, da sich die Veranstalter und Gewinner so zahlreiche rechtliche und organisatorische Hürden ersparen. “Es funktioniert einfach. Sobald das die Menschen verstehen, werden sie sehen, dass das die Zukunft ist.”

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