© Gerald Reischl

Luftfahrt
11/22/2011

Boeings neuer Super-Jumbo

Die 747-8 ist die Antwort der US-Herstellers auf Europas Airbus A380. Die deutsche Lufthansa ist der erste Käufer des neuen Superjumbos - die futurezone durfte die 747-8 als eines der ersten Medien weltweit besichtigen.

Die „Zone A“ ist bei den Passagieren am beliebtesten, vor allem die ersten beiden Reihen im „Erdgeschoss“ einer Boeing 747 – weil die Passagiere vor den Piloten sitzen und daher auch als erste landen. Die Boeing 747, auch Jumbo bezeichnet, war bis vor zwei Jahren das größte Flugzeug der Welt, ein „Markenzeichen am Himmel“, der erste Stock mit den kleinen Fenstern machte das Flugzeug unverwechselbar. Doch dann kam Airbus mit dem A380, verlängerte diesen ersten Stock. Boeing war nicht mehr Rekordinhaber, was die Amerikaner ziemlich schmerzte.

Sonic Cruiser blieb Konzept
Während Airbus den A380 baute, glaubte man eine Zeit lang noch daran, dass ein Flugzeug, mit dem man fast mit Schallgeschwindigkeit unterwegs ist und auf Langstrecken bis zu zwei Stunden einspart, ein Renner werde. Doch dann kam 9/11, die Kerosinpreise stiegen, das Konzept des „Sonic Cruisers“ – er sollte 0,95 Mach fliegen - wurde ad acta gelegt. An seiner Stelle wurde das Projekt 7E7 gestartet, die später in 787 umbenannt wurde und – nach einer aufregenden Entwicklungsphase - kommende Woche mit zweijähriger Verspätung erstmals im Liniendienst eingesetzt wird (die futurezone wird berichten). Aber eine Antwort auf den riesigen Airbus-Vogel war auch die Boeing 787 nicht, daher entschied man sich, auf Basis des alten 747-Konzepts (die erste B 747 wurde vor mehr als 40 Jahren gebaut) ein neues Flugzeug zu bauen. Es wurde die 747-8 daraus. Die ersten Frachtmaschinen 747-8 f (für freighter/Frachter) fliegen bereits im Dienste der Cargolux, die erste Passagierversion 747-8 i (intercontinental) wird im Frühjahr 2012 an die Lufthansa überstellt. Der Listenpreis dieses Modells, von dem die Lufthansa insgesamt 20 Passagier- und 5 Fracht-Versionen geordert hat, beträgt 230 Millionen Euro. In einer Drei-Klassen-Bestuhlung passen bis zu 467 Passagiere an Bord, (um 51 Passagier mehr als in einer B 747-400), in einem Airbus A380 (er kostet 300 Millionen Euro Liste) 555.

Die letzten Tests
Derzeit steht die neue Lufthansa 747-8 auf einem Vorfeld im Boeing-Werk Everett bei Seattle und wird von den Technikern gecheckt. „90 Prozent der Tests haben wir bereits abgeschlossen“, schildert Boeing-Vizepräsidentin und 747-8-Projektverantwortliche Elizabeth Lund. Die meisten der Tests betreffen derzeit das Inflight Entertainment System, die restlichen der sechs bis sieben „Functional Tests“ dauern 250 Stunden.

747-8 - das Beste aus zwei Welten
Von der 747-8 erwartet sich der US-Hersteller einiges, „denn in ihr haben wir die neuesten Technologien eingebaut, sie ist eine Mischung aus 787 und 777“, sagt Produktmarketing-Chef Ken Hiebert. „Obwohl sie eine größere Reichweite hat und man mehr Passagiere transportieren kann, sinken die Betriebskosten um etwa 15 Prozent. Und darauf legen die Airlines wert.“ In die Handgepäcksfächer – ein leidiges Thema beim Fliegen – passen um 56 Prozent mehr Gepäckstücke rein. Die Flügelform und die neuen Triebwerke machen sie zu einem „ökonomischen Gewinner“, zudem seien auch die CO2-Emissionen niedriger, „und leiser ist sie auch“, erklärt Hiebert. Die neue 747-8 darf zu einer Uhrzeit starten/landen, wo heutigen 747-400 oder gar Airbus A380 nicht (mehr) landen/starten dürfen. Der Lärmteppich bleibe, wie etwa in Frankfurt, innerhalb des Flughafen-Geländes.

Boeing 747-8 Lufthansa

Boeing 747-8 Lufthansa

Boeing 747-8 Lufthansa

Boeing 747-8 Lufthansa

Boeing 747-8 Lufthansa

Lichtdesign Boeing 747-8

Boeing Cockpit 747-8

Frachtraum Boeing 747-8

Boeing Frachtraum 747-8

First Class Lufthansa Boeing 747-8

Triebwerk Boeing 747-8

Boeing 747-8 Cockpit

Schlafbereich Crew 747-8

Triebwerk 747-8

Cockpit Boeing 747-8

Lärmteppich 747-8 versus 747-400

First Class Entry 747-8

Cockpit 747-8

Boeing Plakat

Länger als der Airbus A380
Die 747-8 ist zwar um 3,4 Meter länger als ein Airbus 380, die Flügelspannweite ist aber mit 68,5 Meter um 11,3 Meter kürzer als die eines 380ers. Das Attribut „größtes Flugzeug“ bleibt weiterhin bei Airbus. „Wir haben uns den Markt angesehen, das Potential für Maschinen einer Größe einer A380 ist beschränkt, weil man auf vielen Flughäfen gar nicht landen kann“, sagt Hiebert. Die 747-8 dürfe überall dort landen, wo auch eine 747-400 landen darf und das sind derzeit 230 Fughäfen. Zudem könnten 747-400-Piloten innerhalb von drei Tagen auf einen 747-8 eingeschult werden. Das Verkaufspotential schätzt man bei der 747-8 auf 500 bis 600 Flugzeuge, 131 Bestellungen sind bis dato fix. 20 davon hat die Lufthansa geordert, die auf 20 weiter 747-8 eine Option hat.