Digital Life
20.03.2016

Bud Spencer auf Odyssee im Cyberraum

Es ist ruhig geworden um Bud Spencer. Statt auf der Leinwand Bösewichte zu verprügeln, chattet er mit Fans. Seine ersten Gehversuche im Internet beschreibt er in einem Buch.

Bud Spencer hat die sozialen Netzwerke für sich entdeckt. Über 1,1 Millionen Likes hat die Seite des 86-Jährigen mittlerweile, die er in seinem neuen Buch liebevoll „Facebud“ nennt. Über das riesige Interesse der Fans freut sich der kräftige Neapolitaner besonders deshalb, weil die Zeiten der größten Filmerfolge mit Terence Hill doch bereits ein paar Jahre zurückliegen. „Ich danke den Leuten für ihre Treue“, sagt er im Interview der Deutschen Presse-Agentur in Rom. „Besonders den Deutschen“, fügt er mit seiner sonoren Stimme auf leicht gebrochenem Deutsch hinzu.

Da sitzt sie, die Filmlegende mit den strammen Fäusten, die Generationen von Menschen auf der ganzen Welt mit Stunden schallenden Gelächters beschenkt hat. Dunkelblauer Seidenschal, Rauschebart, freundliches Lächeln und keinerlei Starallüren. Nur sehe er nicht mehr besonders gut, sagt er, aber ansonsten fühle er sich im Kopf wie ein 28-Jähriger. „Ich habe in meinem Leben fast alles gemacht, außer zwei Dingen“, schmunzelt er. „Ein 40-Kilo-Jockey bei Pferderennen und ein Balletttänzer hätte ich nie sein können.“ Ansonsten habe er aber den Eindruck, mindestens sieben Leben gelebt zu haben.

Neues Buch

Er kann also beim Schreiben aus dem Vollen schöpfen. „Was ich Euch noch sagen wollte...“, so hat er das Werk genannt, das am Montag in Deutschland Weltpremiere feiert. Es ist das vierte Buch, das er in Zusammenarbeit mit seinem Freund Lorenzo De Luca geschrieben hat. Und Bud Spencer hat noch einiges zu sagen, vor allem, wenn es um seine manchmal mühseligen Erfahrungen mit der virtuellen Welt und Chat-Versuche mit den Fans geht. „Wir leben in einer Epoche, in der man sich mit einem Klick mit der Welt verbindet, alles muss schnell gehen“, schreibt er da. „Und ich bin nicht mehr schnell, seit ich die Klamotten und die Kilos eines Bud Spencer mit mir herumtrage.“

Das Buch ist gespickt mit humorvollen Anekdoten aus seiner Zeit als Schauspieler, als er beruflich die Bösen vermöbelte und die geglückten Abreibungen mit einem Teller Bohnen und literweise Bier zelebrierte. „Zwei Fäuste für ein Halleluja“ (1972), „Zwei wie Pech und Schwefel“ (1974) oder „Banana Joe“ (1981) - fast jeder Wurf, in dem Spencer den gutherzigen, schlaggewaltigen und etwas begriffsstutzigen Dickkopf gab, stürmte an die Spitzen der Kinocharts. 128 Western und Prügel-Komödien hat er gedreht, davon 17 zusammen mit Terence Hill (76).

Freundschaft

Die Begegnung mit dem blauäugigen Frauenschwarm sei „wie ein Wunder“ gewesen, sagt er. Denn in dem Streifen „Gott vergibt. Django nie!“ hätte eigentlich Peter Martell an der Seite Spencers spielen sollen, der verknackste sich aber am Abend vor Drehbeginn den Fuß. Hill bekam stattdessen die Rolle - „einer dieser glücklichen Fügungen, die es nur ganz selten gibt“, erklärt Spencers Sohn Giuseppe Pedersoli. Zwischen den Darstellern habe es nie Eifersucht oder Streit gegeben, sondern stets nur innige Freundschaft. „Die beiden sind neben Stan Laurel und Oliver Hardy das einzige Film-Duo, das dies geschafft hat“, meint Co-Autor De Luca. Noch heute telefonieren Spencer und Hill oft, treffen sich auch, wann immer es geht.

In seinem Buch erzählt der fünffache Großvater aber auch aus seiner Jugend, als er noch unter seinem echten Namen Carlo Pedersoli Erfolge als Wettkampfschwimmer feierte, aus den Jahren, die er als Straßenarbeiter in Venezuela verbrachte, um zwischen Hitze und Mückenstichen zu verstehen „aus welchem Stoff ich gemacht bin“. Er chattet mit Filmfans in aller Welt, berichtet von Trojanern im Internet, von seiner „Odyssee im Cyberraum“, von Freundschaft, Liebe, Glauben und auch vom Krieg, vom „maledeiten Krieg“, wie er ihn nennt. „Ich hasse den Krieg“, sagt Bud Spencer und lehnt sich in seinem Stuhl zurück. Plötzlich wird sein fröhliches Gesicht ganz ernst. „Es ist die dümmste Sache der Welt, denn auf der Erde sind wir alle gleich, wir haben alle zwei Beine und ein Gehirn.“

Falscher Bud

Auch ist er wütend auf die vielen falschen Bud-Spencer-Seiten im Netz. Die täten einfach so, als seien sie echt, machten mit seinem Gesicht Werbung und verdienten damit teilweise auch Geld. „Es gab sogar eine Online-Glücksspielseite, auf der Bud Spencer und Terence Hill zu sehen waren, wie sie Karten austeilten“, erklärt Sohn Giuseppe. „Solche illegalen Aktivitäten gehen gegen alle Werte, für die mein Vater in seinen Filmen gestanden hat.“

Diese Werte - nämlich „Anstand“, der Einsatz für Unterdrückte und Entrechtete mit der Faust als Waffe, zudem Humor und echte Freundschaft - die sind es wohl, die Bud Spencer bis heute auf der ganzen Welt so beliebt machen. Er war und ist ein sanfter Gigant, der - so gesteht er - statt Bohnen eigentlich viel lieber Zwiebelomelette und Spaghetti mit einer von seiner Frau Maria zubereiteten Tomatensoße isst. Und urdeutsche Bratkartoffeln, die mag er auch.