Digital Life
29.10.2013

Bundeskanzler verzichtet großteils auf Krypto-Handy

Trotz täglicher Enthüllungen in der NSA-Affäre verwenden die österreichischen Minister zur Kommunikation untereinander oder mit EU-Partnern nicht immer verschlüsselte Leitungen.

Auch bei sogenannten Krypto-Handys gibt es offenbar keine einheitliche Lösung. Das ergab ein Rundruf der APA am Dienstag.

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) verwendet nach Angaben aus dem Bundeskanzleramt (BKA) mehrere Telefone, darunter ein Apple-iPhone, für heikle Gespräche bevorzugt er das Festnetz. Zu Gesprächen mit Kabinettskollegen und ausländischen Regierungschefs benutze er "nicht immer ein Krypto-Handy" oder das Festnetz, hieß es gegenüber der APA. "Die Nutzung der Krypto-Handys ist komplizierter, der Kanzler nimmt meist lieber eines seiner anderen Telefone", sagte der für Sicherheit zuständige Sektionschef im BKA, Manfred Matzka, gegenüber der Zeitung "Österreich" vom Dienstag.

Im Innenministerium heißt es, man unterscheide zwischen "Alltagskommunikation und sensibler Kommunikation". Für letztere stünden sowohl Krypto-Handys als auch das bereits teilweise fertiggestellte Digitalfunknetz der Firma "Tetron" zur Verfügung, das auch die Polizei benutzt.

Ob auch Außenminister und Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) in der Kommunikation etwa mit seinen EU-Amtskollegen ein Krypto-Handy verwendet, will man in seinem Ministerium nicht sagen. Das Gerät Spindeleggers, ein Blackberry, sei entsprechend gesichert und werde in regelmäßigen Abständen überprüft, berichteten die "OÖ-Nachrichten" vom Dienstag.

Unterschiedliche Modelle im Einsatz

Bei Krypto-Handys sind in Österreich offenbar verschiedene Produkte im Einsatz. Nach Angaben der deutschen Firma Secusmart, die auch die Regierung in Berlin beliefert, testet die österreichische Regierung derzeit ihre Geräte. Im Einsatz seien modifizierte Blackberry 10-Geräte vom Modell Secusuite, sagte Firmensprecherin Swenja Kremer der APA. Welches Ministerium die Geräte im Wert von 2.500 Euro pro Stück bestellt habe, könne sie nicht bekanntgeben. Aus zwei von der APA kontaktieren Ressorts heißt es, man verwende andere Geräte und könne nicht sagen, ob die Ministerien sich hier abstimmten.

Die NSA-Affäre und Berichte um das angeblich abgehörte Handy der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel sorgten zuletzt für Besorgnis darüber, ob Gespräche zwischen höchsten Regierungsstellen belauscht werden. Auftrieb gibt dem, dass offenbar nicht durchgehend die sicherste Technologie verwendet wird: Merkel gab etwa an, meist kein Krypto-Handy für ihre Telefongespräche zu verwenden.

Solche Krypto-Geräte erlauben eine fast unknackbare Kommunikation. Allerdings müssen sie von beiden Gesprächsteilnehmer verwendet werden, außerdem gelten die Geräte als nicht besonders handlich, teuer und liefern wegen der Verschlüsselung eine geringe Tonqualität.

Welche Handys in Österreich von Regierungsmitgliedern verwendet werden, ist Sache des Ressorts. Das Innenministerium empfiehlt zwar bestimmte, technisch gesicherte Lösungen, aber die Entscheidung über Modelle und auch Handynetzbetreiber unterscheiden sich je nach Ministerium.