Digital Life
09/23/2016

Christen im Pikachu-Kostüm missionieren Pokemon-Spieler

Ein christlicher Verein warb mit Pikachu-Kostüm und Pokémon-Broschüre um Mitglieder und sprach dabei gezielt Kinder und Jugendliche an. Nun drohen rechtliche Konsequenzen.

Der Hype um Pokémon Go hat im Sommer auch viele Unternehmen auf den Plan gerufen. So warben unter anderem A1, Merkur und McDonalds gezielt mit Lockmodulen an PokéStops, die sich zufällig in der Nähe ihrer Filialen befanden. Doch nicht nur Supermärkte und Fast-Food-Ketten wollen mit Pokémon Go mehr Kunden in ihrer Filialen locken, auch die Kirche sieht offenbar Potenzial im Pokémon-Marketing. Ein Wiener Pokémon-Go-Spieler berichtet, dass er im Stadtpark eine Broschüre im Pokémon-Design erhalten hat, die Spieler davon überzeugen will, zum christlichen Glauben zu konvertieren. Ihm zufolge wurden die Broschüren im Stadtpark, einem der größten Pokémon-Go-Hotspots in Wien, von Personen im Pikachu-Kostüm verteilt, unter anderem auch an Kinder.

Pokemon Flyer

Pokemon Flyer

Pokemon Flyer

Pokemon Flyer

Pokemon Flyer

Pokemon Flyer

Die Visitenkarten-große Broschüre mit dem Titel "Level up! Lerne & Entdecke" wurde offensichtlich im Pokémon-Look designt und vermischt Pokémon-Begriffe mit Bibelzitaten. Auf der Rückseite heißt es lediglich "Nimm Kontakt zu deinem Trainer auf", als Kontakt wird auf eine Handy-Nummer sowie die E-Mail-Adresse pokemon@reachaut.org verwiesen. Ein Impressum, wie es im Mediengesetz vorgeschrieben ist, findet sich nicht darauf. Die in der E-Mail-Adresse erwähnte Domain gehört offenbar zur Veranstaltung ReachAut, einem christlichen Missionsprojekt. Gegenüber der futurezone bestätigt einer der Vertreter der Veranstaltung, dass die Broschüren von ReachAut produziert wurden.

"Der angegebene Flyer wurde von uns produziert und ist vor allem dafür gedacht bei Kirchen aufgelegt zu werden, nachdem diese meist auch Pokestops sind und daher immer wieder Spieler vorbeikommen. Ziel ist es die Leute zum Nachdenken anzuregen und sich mit dem christlichen Glauben an Jesus zu beschäftigen." Wer die Broschüren im Stadtpark verteilt habe, sei vorerst unklar, es wäre aber "auf jeden Fall nicht im Sinne des Erfinders, wir haben ihn für Jugendliche und junge Erwachsene gestaltet". Man gehe der Angelegenheit aber derzeit auf den Grund.

Pikachu in Mission

Der Wiener Pokémon-Go-Spieler, der auf die Broschüre aufmerksam gemacht hat, berichtet von relativ eindeutigen Versuchen der Missionierung. So hätte ein junger Mann im Pikachu-Kostüm, dessen Gesicht passend dazu gelb mit roten Backen angemalt war, die Broschüren an mehrere Spieler verteilt, darunter auch viele Jugendliche. Ihm gegenüber hätte dieser sich nicht als Mitglied von ReachAut zu erkennen gegeben, wie er gegenüber der futurezone erklärt. Jugendliche vor ihm hätten jedoch auf die Frage, worum es sich in der Broschüre dreht, als Antwort "Den Erlöser in sich aufnehmen" bekommen.

ReachAut ist laut den Veranstaltern ein "christliches Projekt mit Teilnehmern aus den verschiedenen Kirchen in Österreich (katholisch, evangelisch, freikirchlich)". Dabei treffen sich Jugendliche im Rahmen eines mehrtägigen Kongresses und werden im Rahmen von Workshops und Seminaren auf "missionarische Einsätze in Gemeinden" vorbereitet.In einer Stellungnahme auf Facebookerwähnen die Veranstalter, dass man am Ende des Kongresse die "Flyer christlichen Jugendgruppen zur Weiterverwendung zur Verfügung gestellt [habe], deshalb sind sie auch jetzt aufgetaucht".

Ärger mit Pokémon Company droht

Für rechtliche Probleme könnte auch die Verwendung der Pokémon-Inhalte sorgen. So ähnelt die erste Seite einem Pokéball, die Schrift sieht dem Pokémon-Schriftzug zum Verwechseln ähnlich und es finden sich Bisasam, Pikachu, Schiggy und Glumanda als Bilder darin. Eine jener Personen, die für die Erstellung des Flyers verantwortlich war, betonte gegenüber der futurezone, er "hoffe, dass [der] Grafiker nur Bilder, die frei von Urheberrechten sind, verwendet hat". Das könnte jedoch bei zu starker Ähnlichkeit zum Original keine Rolle spielen.

Die Pokémon Company ist üblicherweise als relativ restriktiv bekannt, wenn es um die kommerzielle Verwendung von Pokémon-Inhalten geht. Laut einer Sprecherin von Pokémon Company prüfe man den Fall derzeit, eine offizielle Anfrage sei ihr nicht bekannt.Anwälte warnen davor, beispielsweise Fotos von Pokémon oder irreführende Behauptungen im Zusammenhang mit Pokémon Go zu Werbezwecken zu verwenden.