Digital Life
07.06.2014

City-Wheel: Einradfahren für Leidensfähige

Das elektrische Einrad City-Wheel erweist sich im futurezone-Test als Herausforderung, die Balance und das Wegstecken gewisser Schmerzen erfordert.

"Mobilität, auf das Wesentliche reduziert" - so wird das elektrische Einrad auf der City-Wheel-Homepage beschrieben. Ein Rad, ein Motor, ein Akku und ein bisschen Elektronik, die zu große Beschleunigung verhindert, das sind die Ingredienzen für das City-Wheel. Mit genügend Gleichgewichtssinn schwebt eine Person darauf elegant durch die Gegend. Soviel lässt sich nach einer kurzen Demonstration durch Team-1, das österreichische Vertriebsunternehmen für das City-Wheel, auf jeden Fall sagen. Doch wie geschickt muss man dafür sein? Und macht das Gerät tatsächlich so viel Spaß, wie behauptet wird? Die futurezone ging diesen Fragen bei einem Praxistest auf den Grund.

Unterwegs mit dem City-Wheel

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Technische Daten

Das City-Wheel ist in mehreren Versionen erhältlich. Die Basis-Variante, welche die futurezone als Testgerät erhielt, nennt sich AW X5 und wird vom chinesischen Produzenten Airwheel hergestellt. Auch alle anderen Modelle kommen aus China. Das AW X5 ist mit einem Preis von 999 Euro das billigste. Es fährt maximal 18 km/h schnell und mit einer Akkuladung 23 Kilometer weit. Als Passagier samt Zuladung sollte man maximal 120 Kilogramm wiegen. Das Gerät selbst bringt knapp zehn Kilo auf die Waage.

Das Rad misst 14 Zoll im Durchmesser. In seinem Gehäuse ist das City-Wheel 45 Zentimeter hoch und 18 Zentimeter breit. Knapp unterhalb des Radlagers klappt man zwei Fußrasten herunter, auf denen man auf dem elektrischen Einrad steht. Einen Sitz gibt es nicht. Die Aktivierung ist äußerst einfach. An der Geräteoberkante gibt es einen Ein/Aus-Knopf und vier LEDs, die den Ladestand anzeigen.

Erhöhter Schienbein-Druck

Um mit dem City-Wheel zu fahren, schaltet man das Gerät ein, klappt beide Fußrasten aus, stellt sich mit einem Bein auf eine der Fußrasten, neigt den Fuß ein wenig nach vorne. Während das Gefährt losfährt, hebt man den zweiten Fuß auf die zweite Fußraste und los geht's. So die Theorie. In der Praxis stellt bereits das Aufsteigen auf das City-Wheel ein großes Problem dar.

Zunächst mal muss man sein gesamtes Körpergewicht auf ein Bein verlagern, während der eigene Schwerpunkt über dem Rad bleiben soll. Das Rad neigt sich freilich stark gegen das Standbein. Im Normalfall dient der Wadenmuskel als natürlicher Polster gegen die zwar mit Gummi überzogene, aber dennoch kaum nachgebende Oberkante des City-Wheel. Wer höher gebaut ist muss auf jegliche Polsterung verzichten.

Das Gehäuse drückt, beschwert durch das eigene Körpergewicht, mit voller Kraft gegen das eigene Schienbein. Das tut weh, und zwar so sehr, dass man sehr schnell aufsteigt. Und nur zur Klarstellung: Die Test-Schienbeine sind jahrzehntelang hobbyfußballerprobt, also keineswegs überempfindlich. Wenn man wiederum hastig aufsteigt, ist das der Stabilität nicht förderlich.

Anhalten notwendig

Man braucht also zunächst Hilfe, um nach erfolgreichem Aufsteigen auch auf dem Gerät zu bleiben. Eine stützende Person, am besten zwei, sind dafür geeignet. Zur Not tut es auch eine fix verankerte Stange. Team-1 bietet Schulungen an, bei denen man zu Beginn an beiden Händen gehalten wird, um sein Gleichgewicht zu finden und nicht sofort abgeworfen zu werden.

Steht man nun vertikal mit gleicher Gewichtsverteilung auf dem linken und rechten Bein, neigt man sich nach vorne und fährt gemächlich los. Geradeaus. Das Kurvenfahren erfordert leichte Überwindung. Es geht nämlich leichter, wenn man dabei in Fahrt bleibt und nicht abbremst. Nicht umsonst lernen Kinder das City-Wheel-Fahren oft schneller als vorsichtige Erwachsene, erklärt Team-1-Geschäftsführer Werner Holub.

Obwohl man mit dem City-Wheel auch über holpriges Terrain, etwa eine Wiese, fahren kann, empfiehlt es sich als Anfänger, auf einer ebenen, freien Fläche ohne Hindernisse und andere Verkehrsteilnehmer zu üben. Wer die Sache wirklich gut draufhat, kann coole Tricks mit dem City-Wheel aufführen, so wie diese Truppe, die bei der Casting-Show "Die Große Chance" über die Bühne rollte.

Lauter Abgang

Der futurezone-Test verlief dagegen ganz anders. Nach jeweils einigen Metern war Schluss mit der Balance, es erfolgte ein krachender Abstieg. Wer das City-Wheel nicht beherrscht, kann sich nämlich nur mit einem Sprung von den Fußrasten vor dem drohenden Sturz bewahren.

Das City-Wheel dreht währenddessen völlig durch. Die Elektronik erkennt den Balanceverlust und versucht mit schlagartiger Beschleunigung auszugleichen. Das ganze Gerät wird zum wilden Kreisel, vor dem man seine Knöchel besser in Sicherheit bringt. Liegt das Ding mal auf der Seite, ertönt ein durchgehender Klagelaut in Form eines Alarmsignals. Mit einem Druck auf den Ein/Aus-Schalter bereitet man dem Leiden ein Ende.

Schwerer Brocken

Wer keine Lust oder Gelegenheit hat, mit dem City-Wheel bis nach Hause zu fahren, muss es tragen. Zu dem Zweck gibt es einen Tragegriff. Wer es abstellen will, muss es auf die Seite legen. Einen Ständer gibt es nicht. Das City-Wheel kann nicht gezogen werden, es fährt auch nicht motorunterstützt mit dem Benutzer mit, so wie es etwa der Segway-Klon Robstep Robin M1 tut.

Über lange Strecken sind zehn Kilogramm nicht gerade leicht. Wer das City-Wheel etwa in öffentlichen Verkehrsmitteln zu seinem Einsatzort befördern will, trainiert seine Arme einigermaßen. Das Ding in einen Autokofferraum zu heben ist freilich weniger anstrengend. Die zehn Kilo des AW X5 sind die leichteste Variante. Andere City-Wheel-Modelle wiegen über 14 Kilogramm.

Um das City-Wheel nach einem Ausflug wieder aufzuladen, hängt man es an das mitgelieferte Ladegerät (und dieses an die Steckdose). Zum Ladegerät ist zu sagen, dass es relativ groß und laut ist. Im Inneren ist ein Ventilator verbaut, dennoch heizt sich das Gerät beim Laden ordentlich auf. Der Anschluss am City-Wheel ist auf dessen Oberseite, in einer Reihe mit dem Ein/Aus-Knopf und den Ladestand-LEDs untergebracht.

Fazit

Das City-Wheel ist kein einfach zu bedienender Personentransporter, sondern ein Sportgerät. Für den Umgang damit bedarf es einiger Übung und viel Geduld. Wer sich intensiv mit dem elektrischen Einrad auseinandersetzt, oder ganz einfach das Talent dazu hat, kann sich mit dem City-Wheel schnell und elegant bewegen.

Was eindeutig fehlt, ist eine Polsterung für die Bein-Innenseite. Durch seine geringe Größe erscheint das City-Wheel als praktisches Fahrzeug zum Mitnehmen, das Gewicht spricht aber dagegen. Wer nicht wirklich genügend Balance, Geduld, Kraft oder Leidensfähigkeit aufbieten kann, der ist mit einem zweirädrigen Gefährt besser bedient.

"Mobilität, auf das Wesentliche reduziert", kann man also entweder als sportliche Aufforderung zur Weiterentwicklung seiner motorischen Fähigkeiten verstehen, oder als Warnung, mit spartanischem Lebensgefühl statt Komfort rechnen zu müssen.

Der Preis des getesteten City-Wheel-Modells ist mit 999 Euro günstig für ein Transportmittel mit Elektroantrieb. Bezieht man ein Gerät über einen der Händler, die von Team-1 beliefert werden, kann man zudem auf eine zusätzliche österreichische Qualitätskontrolle vertrauen.