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Rückblick Das sind die Tops und Flops des IT-Jahres 2016.

Foto: dpa, ap
Pokemon Go, explodierende Smartphones, Apple widersetzt sich dem FBI, ausgesperrte Tintenpatronen und eintauchen in die virtuelle Realität: Das war das Technik-Jahr 2016.

Die Tops

Pokemon Go ist der Hype des Jahres. Millionen Menschen strömten auf der ganzen Welt in die Straßen und Parks, um die virtuellen Monster einzufangen. Im Sommer gab es kein anderes IT-Thema, das so viel Interesse hervorrief. Doch so schnell der Hype da war, so schnell ist er wieder verschwunden. Der App-Macher Niantic hat es nicht geschafft, den anfänglichen Hype gut auszunutzen und alle Spieler längerfristig zu motivieren. Dennoch konnte man Kooperationen mit US-Firmen an Land ziehen und von Erfolgen berichten, wie über 500 Millionen Downloads und dass alle Spieler gemeinsam 8,7 Milliarden Kilometer zurückgelegt haben - das entspricht 200.000 Erdumrundungen.

SKOREA-SCIENCE-COMPUTERS-AI
Foto: APA/AFP/Google DeepMind/GOOGLE DEEPMIND
Googles künstliche Intelligenz hat 2016 den Go-Profi Lee Sedol mit 4:1 geschlagen. Go galt lange Zeit als heiliger Gral der Brettspiele für künstliche Intelligenz, da das Spiel weitaus komplexer ist als Schach. Experten waren lange der Meinung, dass es noch Jahre dauern wird, bis Maschinen die besten menschlichen Spieler schlagen werden. Dass es schon 2016 passiert ist, war eine Überraschung.

A man tests the 'Zeiss VR One' virtual reality gla
Foto: REUTERS/ALBERT GEA
Egal wie lächerlich man mit einer entsprechenden Brille aussieht: Der Faszination von Virtual und Augmented Reality konnte man sich dieses Jahr kaum entziehen. Oculus Rift und HTC Vive sprachen aufgrund des hohen Preises vor allem Gamer und Technik-Fans an. Mit Karton- und Plastikhalterungen für Smartphones kann man aber auch schon ab 15 Euro in die virtuelle Realität hineinschnuppern. Sony brachte mit PS VR ein System für seine PlayStation-4-Konsole auf den Markt, Microsoft blendet mit seiner Augmented-Reality-Brille HoloLens virtuelle Objekte in die echte Umgebung ein.

Dieter Zetsche, CEO of Daimler and Head of Mercede
Foto: REUTERS/JACKY NAEGELEN
Der Erfolg von Tesla in den USA ließ viele der traditionellen Autohersteller ihre Taktik bezüglich Elektromobilität überdenken. Hybridmodelle als Zwischenlösung sind out, BMW, Mercedes und Audi setzen verstärkt auf reine E-Autos - von kleinen Stadtflitzer über SUVs bis zum Supersportwagen. Dieser Trend wird sich 2017 fortsetzen. Im Jänner werden auf der Technikmesse CES gleich mehrere große Autohersteller neue Modelle zeigen. Auch Tesla-Konkurrent Faraday wird die Weltpremiere seines ersten Pkw feiern.

Ab 2017 gibt es erstmals eine aktive Ankaufförderung für Elektroautos in Österreich. Ende Oktober wurde ein neues Aktionspaket vorgestellt, das von Verkehrsministerium (BMVIT), Umweltministerium (BMLFUW) und Automobilimporteuren getragen wird. 72 Millionen Euro stehen bereit, um Privatpersonen 4000 Euro für Elektroautos und 1500 Euro für Plug-In-Hybride zur Verfügung zu stellen. Auch Unternehmen, Vereine und Gebietskörperschaften werden unterstützt.

US-US ATTACKS IT COURT APPLE PROTEST
Foto: APA/AFP/PAUL J. RICHARDS
Das FBI forderte das Unternehmen Anfang 2016 auf, das iPhone 5c des Attentäters von San Bernardino zu entschlüsseln. Apple sollte dazu eine Schwachstelle in die Software aller iPhones einbauen, die dann von der Regierung für solche Fälle verwendet werden sollte. Apple weigerte sich und sollte, trotz Proteste von nahezu allen großen IT-Firmen in den USA, per Gericht zur Kooperation gezwungen werden. Kurz vor der Verhandlung zog das FBI die Forderung zurück: Es wurde ein anderes Unternehmen gefunden, dass für sie das iPhone entschlüsselte.

Wagner Moura
Foto: AP/Daniel Daza
Nicht nur in den USA, sondern auch hierzulande wird Video-Streaming immer beliebter. Anbieter wie Netflix, Maxdome und Amazon locken TV-Begeisterte mit immer mehr exklusiven Eigenproduktionen. Netflix konnte etwa mit hochqualitativen Serien wie Stranger Things, The Crown und Narcos begeistern.

Die Entdeckung, dass der naheliegendste Nachbarstern unserer Sonne, Proxima Cenaturi, einen Planeten - Proxima b -  hat, auf dem Leben möglich sein könnte, ist ein großer Schub für die Bestrebung, extraterrestrisches Leben nachzuweisen. Die Forscher sagen: “Die Menschheit kann sich auf einiges gefasst machen

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Foto: Royal Saskatchewan Museum/ R.C. McKellar
Echte Dinosaurierfans und Menschen mit Angst vor Vögeln haben schon lange vermutet, dass Dinosaurier Federn trugen. Die Abdrücke der Federn wurden schon mehrmals in Dinosaurierfossilien entdeckt. 2016 wurden erstmals erhaltene Dinofedern entdeckt, eingeschlossen in Bernstein, auf einem Schmuckmarkt in Myanmar. Das Foto der hervorragend konservierten Schwanzfedern ist eines der Wissenschaftsbilder des Jahres.

100 Jahre nachdem Einstein sie theoretisch vorhergesagt hat, konnten 2016 erstmals Gravitationswellen direkt nachgewiesen werden. Damit haben wir neben elektromagnetischen Wellen einen zweiten Kanal gewonnen, über den wir Informationen über unser Universum sammeln können.

Die Flops

The burned Samsung Note 7 smartphone belonging to
Foto: REUTERS/HANDOUT
Nach ersten Meldungen über explodierende Akkus bei seinem Spitzenmodell Galaxy Note 7 hat Samsung schnell reagiert und eine weltweite Umtauschaktion eingeleitet. Allerdings begannen auch die umgetauschten Geräte zu brennen, weshalb sogar Fluglinien weltweit Note-7-Verbote erließen. Die Folge: Kompletter Verkaufsstopp und das Aus für das Note 7. Warum die Geräte explodiert sind, hat Samsung bis heute nicht offiziell erklärt.

The interior of a Tesla Model S is shown in autopi
Foto: REUTERS/STAFF
Ein Rückschlag für autonomes Fahren war der tödliche Unfall eines Fahrers im Mai, der mit dem Tesla Autopiloten unterwegs war. Anscheinend waren die Sensoren des Wagens geblendet, weshalb ein Lkw-Anhänger übersehen wurde. Teslas Reaktion: Der Autopilot sei lediglich ein Assistenzsystem, die Fahrer seien selbst für ihr Wohl verantwortlich. Verbraucherschützer und Behörden warnten vor der Funktion und warfen Tesla vor, das alleine schon der Name Autopilot irreführend sei und von Tesla falsch beworben wird.

iPhone 7
Foto: Michael Leitner
Das iPhone 7 hat keinen Kopfhöreranschluss mehr, was Apple viel Kritik einbrachte. Wer am iPhone 7 Musik hören will, benötigt einen Adapter, Kopfhörer mit Apples hauseigenem Lightning-Anschluss oder Bluetooth-Kopfhörer. Mit dreimonatiger Verspätung veröffentlichte Apple die zum iPhone 7 passenden Bluetooth-Kopfhörer Airpods, die 180 Euro kosten.

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Foto: Apple
Auch bei einem anderen Gerät wurde Apple für seine Anschluss-Politik von Kunden gerügt. Das neue MacBook Pro hat nur noch USB-C-Anschlüsse. Wer Zubehör anschließen will, dass auf alten MacBook Pros noch problemlos gepasst hat, benötigt gleich mehrere Adapter - die natürlich extra gekauft werden müssen.

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Foto: rts
Die Flüchtlingsdebatte wurde zunehmend im Netz ausgetragen und das nicht gerade mit schönen Worten. Verhetzung, Morddrohungen, Aufruf zu Vergewaltigungen und Genozid: Für Facebook sind solche Meldungen oft kein Problem. So schnell wie das soziale Netzwerk vermeintliche Nacktbilder löscht, so langsam oder gar nicht wird auf Gewaltfotos, -videos und Hasspostings reagiert. Immer mehr User und Politiker fordern von Facebook mehr Verantwortung ein, bisher ohne Erfolg.

Experten kritisieren seit langem, dass Internet-of-Things-Geräte, vom vernetzten Kühlschrank bis zur Babycam, unzureichend gegen Hackerangriffe geschützt sind. Das nutzte die Schadsoftware Mirai aus. Sie infizierte weltweit über drei Millionen Geräte. Die Personen hinter Mirai nutzten das so errichtete Botnetz, um im Oktober und November Server anzugreifen und lahmzulegen. Zu den Betroffenen gehörten ua. Twitter, Spotify, Amazon, die deutsche Telekom und der gesamte Internetzugriff in Liberia.

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Foto: EFF
Um “geistiges Eigentum” zu schützen, hat HP per Softwareupdate die Tintenpatronen von Drittherstellern aus einigen seiner Drucker ausgeschlossen. Erst hat man dies bestritten, trotz tausender Kundenbeschwerden. Danach hat man die Aktion eingestanden. Für HP ist die eigentliche Sperre nicht das Problem, sondern, dass man die Kunden darüber nicht informiert hatte. Als kleine Entschuldigung können Kunden manuell einen Patch installieren, damit die Tintenpatronen vom Drucker wieder akzeptiert werden. Automatisch wird dieses Update, wie das, das die Tintenpatronen ausgesperrt hat, aber nicht verteilt.

Privacy Shield
Foto: EU-Kommission
Nachdem der Europäische Gerichtshof (EuGH) im Oktober 2015 die Safe Harbour-Vereinbarung, die den Datentransfer in die USA regelte, nach einer Klage des österreichischen Juristen Max Schrems für ungültig erklärte, musste Ersatz her. Anfang Februar einigte sich die EU-Kommission mit der US-Regierung auf eine Neuregelung. Die trägt zwar den vollmundigen Namen EU-US-Datenschutzschild, musste aber wenig später nachgebessert werden und  ist trotzdem wenig mehr als Theaterdonner. Geringfügigen Verbesserungen in der schließlich im Juli präsentierten Regelung gegenüber der Safe-Harbour-Vereinbarung steht die Tatsache gegenüber, dass die Massenüberwachung des Internet-Datenverkehrs durch die US-Geheimdienste weiterhin möglich ist. Dass die unter einem US-Präsidenten Trump eher zu- als abnehmen wird, darf angenommen werden.   

Gunther Oettinger
Foto: AP/Geert Vanden Wijngaert
EU-Digitalkommissar Günther Oettinger hat mit seinem Festhalten am Konzept des Leistungsschutzrechts und seinen rassistischen Aussagen gleich zwei der Technologie-Flops des Jahres zu verantworten. Oettinger und seine Freunde aus der Industrie sind dabei, die digitale Zukunft nach ihrem Willen zu gestalten, die Interessen der Bürger und Bürgerinnen der Union spielen in den Plänen keine Rolle.

Auch 2016 konnten wir den Beweis für außerirdisches Leben nicht erbringen. Zwar gab es einige interessante Neuentdeckungen, etwa der Nachweis von Wasser auf diversen Himmelskörpern oder die Aufregung um den Stern KIC 8462852, aber wirklich Handfestes hat auch das vergangenen Jahr nicht gebracht.

Der ORF startet Futurelab.261, die Startup-Initiat…
Foto: ORF
Der Versuch des ORF auf den Start-up-Hype aufzuspringen, ist 2016 gescheitert. Nachdem viel Geld in den Aufbau eines Campus für Unternehmen gesteckt wurde, hat das Projekt mit der Nicht-Wahl seines Erfinders Grasl schon nach wenigen Monaten das Ende seiner Lebensspanne erreicht. Laut ORF-Chef Wrabetz wird es keine neuen Investitionen mehr geben.

Ein Auto selbstständig fahren zu lassen, kann doch nicht so schwierig sein, dachte sich der legendäre Produkt-Hacker George Hotz. Er stellte im September Comma One vor, ein Sensor- und Rechnerpaket, das stinknormale Autos zu Roboter-Kutschen machen sollte - und das für nur 999 Dollar. Rund zwei Monate später war das Projekt wieder Geschichte. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA äußerte Zweifel, George Hotz machte sofort einen Rückzieher.

 

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(futurezone) Erstellt am 27.12.2016, 06:00

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