Digital Life
08.04.2011

David Hockney stellt Bilder am iPad aus

Der 73-jährige Pop Art-Künstler hat bereits mehr als 400 Bilder mit dem iPhone und iPad gemalt. In einer Ausstellung in Dänemark werden die Bilder jetzt direkt auf den Endgeräten von Apple ausgestellt.

„Wer hätte gedacht, dass mir ein Telefon das Zeichnen wieder zurückbringt?“ fragt augenzwinkernd der britische Maler David Hockney, einer der ganz großen Maler der Pop Art. Im dänischen Louisiana-Museum in Humlebæk bei Kopenhagen sind seit Freitag 120 Bilder des 73-Jährigen zu sehen, die er seit 2008 erst auf seinem kleinen iPhone und seit letztem Jahr auf dem größeren iPad produziert hat: Stillleben, Landschaften, Porträts, Möbelstücke, alles, was sich zeichnen lässt. Durchwegs in leuchtenden Farben.

Hockney ist einer der ganz großen und teuren Namen seit der Pop-Art-Ära, als er zusammen mit US-Kollegen wie Andy Warhol, Roy Lichtenstein und Robert Rauschenberg berühmt wurde. Auch im Louisiana-Museum hängt ein gigantisches Landschaftsgemälde von ihm, „A Closer Grand Canyon“, das etliche Millionen gekostet haben dürfte. Mit den Bildern vom iPhone und vom iPad verhält es sich ganz anders. Hockney mailt sie munter an Freunde, Kunstkritiker und auch Museen wie Louisiana: „Wie andere auch, hab ich noch nicht rausgefunden, wie ich dafür bezahlt werden kann. Aber viele meiner Freunde freuen sich drüber, alles andere ist doch egal. Genießt einfach die Ausstellung.“

Simple Zeichen-App als Basis
In einem komplett abgedunkelten Louisiana-Saalhängen 20 iPads und 20 iPhones. Sie zeigen im Wechsel je drei Hockney-Bilder. Die sehr kleinen iPhone-Zeichnungen werden außerdem stark vergrößert an die Wand geworfen. Gezeigt wird auch die Entstehung: Als Animation ist auf den iPhones und iPads zu sehen, wie der Maler mit seinem Stift auf dem Touchscreen vorgegangen ist. Hockney benutzt dabei eine simple App zum Zeichnen.

Begeistert ist der ständig rauchende Brite vor allem über den simplen Arbeitsprozess. Das sei besonders schön, wenn er im heimischen Bridlington morgens aufwache und einfach erstmal was zeichnen müsse: „Ich brauch keinen Pinsel mehr, und kein Glas Wasser. Alles zum Zeichnen ist schon da.“ Den Gag, dass er auch noch eine Hand für die Zigarette freihabe, lässt Hockney nicht ungenutzt liegen.

"Auf Papier würden sie das Wichtigste verlieren"
Gut 400 Bilder sind auf diese Weise entstanden und alle per Mail gestreut. Anschauen soll man sie nach Überzeugung des Künstlers nicht als Print, sondern auf denselben Geräten, auf denen sie produziert wurden: „Auf Papier würden sie das Wichtigste verlieren, nämlich ihre besonders Leuchtkraft.“ Während der bis zum 28. August laufenden Ausstellung „Me Draw on iPad“ will Hockney weiter neue Bilder produzieren und als Mail an die an der Louisiana-Wand hängenden Geräte schicken.