Eines der beschlagnahmten Fotos, mit denen das DEA das Fake-Facebook-Profil von Sondra Prince befüllt hat.

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Digital Life
10/07/2014

DEA betreibt Facebook-Profil mit Fotos von Verdächtiger

Die US-Drogenbehörde hat ein Facebook-Profil mit dem echten Namen, Daten und Fotos von einem beschlagnahmten Handy einer Verdächtigen betrieben, ohne, dass sie zugestimmt hat.

Durch Gerichtsunterlagen ist ein brisanter Fall von Identitätsdiebstahl bekannt geworden, wie Buzzfeed berichtet. Die Täter sind keine Cyberkriminelle, sondern die US-Drogenbehörde DEA. Ein DEA-Agent hat Sondra Prince ungefragt zum Lockvogel gemacht. Mit ihrem echten Namen, Daten und Fotos, die auf einem beschlagnahmten Handy gespeichert waren, wurde ein Facebook-Profil erstellt. Die Fotos zeigen sie unter anderem leicht bekleidet und mit ihren zwei jungen Kindern.

Prince ist 2010 festgenommen worden, weil sie die Freundin des Chefs eines kleinen Drogenrings war. Sie hat mit dem DEA kooperiert und wurde deshalb auf Bewährung freigelassen. Im Zuge der Kooperation durfte das DEA ihr Handy beschlagnahmen und durchsuchen.

Korrektes Vorgehen

Laut Gerichtsunterlagen des US-Justizministerium argumentiert der Staatsanwalt, dass mit der Erlaubnis zur Durchsuchung des Handys gleichzeitig die Erlaubnis zur Nutzung der Daten für weiterführende Ermittlung erteilt wurde. Das DEA habe demnach korrekt gehandelt. Der Prozess, indem Prince eine Entschädigung von 250.000 US-Dollar vom DEA fordert, ist derzeit noch im Gange.

Mit dem Fake-Profil von Prince sollten Informationen über die kriminellen Partner und Kunden ihres Freundes gesammelt werden. Das Profil war fast vier Jahre online. Lediglich ein Foto, das Prince in Unterwäsche zeigt, wurde entfernt. Gegenüber Buzzfeed wollte Facebook den Fall vorerst nicht kommentieren.

Seit wenigen Stunden ist das Profil nicht mehr aufrufbar. Facebook dürfte aufgrund der Berichterstattung seine eigenen Richtlinien doch noch durchgesetzt haben, die das Anlegen von Fake-Profilen untersagen.