Ars Electronica
09/04/2011

Die Rolle von Social Media in der Revolution

Das Linzer Medienkunstfestival Ars Electronica thematisiert den Einfluss von Social Media bei den jüngsten Revolutionen im arabischen Raum

Social Media und die große Rolle, die sie bei den jüngsten Revolutionen in der arabischen Welt gespielt haben, wie sie in der Gesellschaft sinnvoll genutzt werden können sowie die Fronten eines „Info-Kriegs“ standen am Sonntag im Mittelpunkt beim Medienkunstfestival Ars Electronica (bis 6. September) in Linz. Die Organisatoren der Konferenz „Public Square Squared“, David Sasaki (USA) und Isaac Mao (China), sprachen in einer Pressekonferenz mit Festival-Leiter Gerfried Stocker über die Chancen, die die sozialen Netzwerke bieten.

Vor zwei Jahren, als Sasaki und Mao das „Cloud Intelligence Symposium“ bei der Ars Electronica mit dem Titel „Human Nature“ kuratierten und Julian Assange, ausgezeichnet für WikiLeaks, beim Prix Forum Digital Communities sprach, „waren die Dinge, die seither vorgefallen sind, nicht absehbar“, so Stocker. „Wenn da so eine Kraft ist, die 30 Jahre Diktatur in Ägypten stürzen kann, dann können wir sie auch gebrauchen, um neue Ideen umzusetzen.“

Niemand habe gedacht, dass WikiLeaks wirklich die Welt verändern könne, sagte Sasaki. Oder dass derartige Revolutionen passieren könnten. „Aber es ist immer einfacher, gegen etwas zu sein, als etwas vorzuschlagen.“ Es sei wichtig, die Kräfte zu bündeln. „Wir möchten, dass die Leute teilnehmen, dass international zusammengearbeitet wird“, so Mao. Man habe vor zwei Jahren etwas ahnen können, doch nun sei er zuversichtlich, dass zukünftig mehr konstruktive Dinge über Social Media entstehen, hoffte der Blogger-Pionier.

Info-Krieg
Manche Leute sehen aber auch einen „Info-Krieg“ heraufziehen, der das Verhältnis zwischen behördlicher Zensur, Kontrolle und freiem Netz regeln werde. Etwa wenn in San Francisco Handymasten abgeschaltet werden, um die Organisation gewalttätiger Proteste zu verhindern oder zumindest zu erschweren. Auch in England wurden anlässlich der jüngsten Ausschreitungen umfangreiche Überwachungsmaßnahmen gegen Twitter und Co angekündigt - China und der Iran signalisierten Unterstützung. Man wolle gerichtlich dagegen vorgehen, doch die Rechtsprechung könne nicht Schritt halten mit den Dingen, die passieren, analysierte Sasaki. Er sieht einen großen Kampf um die Anonymität aufziehen.

Sasari thematisierte auch diverse Untergrund-Bewegungen als Bedrohung für die offene Gesellschaft im Web, als Beispiel nannte er die Inspiration für den Terroristen auf der norwegischen Insel Utöya im Juli. Was in zwei Jahren sein wird, könne keiner sagen, doch „wenn die Regierungen den Änderungen in der Technologie nicht folgen, wie können sie selbst überleben?“ fragte Mao.

In den Konferenz-Blöcken „Nach der Revolution“ und „Vor der Revolution“ kamen Aktivisten, Analysten und Blogger zu Wort, unter anderem die spanisch-syrische Bloggerin Leila Nachawati. Sie stellte einen Vergleich zwischen den Protestbewegungen beider Länder an, Autor Hu Yong sprach über die Einschränkungen, mit denen freie Journalisten in China konfrontiert sind.

Mehr zum Thema