Digital Life
14.03.2011

Dolby: Auf der Suche nach dem perfekten Klang

Der Österreicher Andreas Spechtler ist Europa-Chef der Klangfirma Dolby, ein Konzern, dessen Entwicklungen jeder zu hören bekommt. Der gebürtige Salzburger spricht im futurezone-Interview über die Welt des Klangs, den sein Unternehmen auf die vier Bildschirme bringt; nicht nur ins Kino und TV, sondern auch auf Smartphones und tragbare Computer.

Wer hat den guten Klang erfunden?
Spechtler: Ob Bose, B&O oder Harman, alle sind unsere Kunden. Wir liefern und entwickeln in unseren Laboren die Basistechnologie, mit denen die Hersteller dann arbeiten. Wir haben die Patente. Die Hersteller legen ihre Duftnote drauf.

Wo befinden sich die Dolby-Labs?
Wir haben drei Zentren – Nürnberg, San Francisco und Sydney. Europa, und das freut mich besonders, wird immer wichtiger.

Warum?
Weil wir gute Komprimierungsverfahren (H.264 Codec, Anm.) entwickelt haben. In den Bereich Video investieren wir auch viel. Wir kommen von der Audio-Seite, wo wir Marktführer sind, aber gerade den Bereich 3-D wollen wir vorantreiben. Im Videobereich kommt sehr viel aus Europa, in unserem Forschungslabor in Stockholm denkt man nach, was in zehn Jahren kommt.

Was ist in zehn Jahren?
Jetzt sind alle im Tablet-Fieber, aber die sind schon Vergangenheit. Ein Thema wird Augmented Reality sein, etwa das Einblenden von Information in Brillen.

Wie passen Augmented Reality und Ton zusammen?
Das kann ich noch nicht verraten, aber in diese Richtung wird etwas kommen. Wir denken aber auch über die Zeit nach 3-D nach.

Was soll das sein? Von 4-D spricht man ja schon, wenn man Sound dazu rechnet.
Man kann es nicht 4-D nennen, weil dies ein Videobereich ist. Der Job unserer Forscher ist, das Unmögliche zu denken. Auch wenn ich eine verrückte Idee habe, wird sie nicht verstoßen.

Man hat oft den Eindruck, dass jeder vom Superbild spricht, aber auf den Klang vergisst.
Genauso ist es. Oft wird ein HD-Bild geliefert, aber der Ton ist nur Mono. Das gibt es in ganz Europa. Aber jetzt merken die TV-Stationen, dass sie von jenen abgrenzen müssen, die sich illegal von Satelliten Sendungen runterrippen und anbieten.

Jeder Hersteller behauptet den perfekten Klang zu bieten. Aber man kann etwas Perfektes nicht noch perfekter machen?
Für den Endkunden ist der Klang schon ziemlich gut. Wenn ich jetzt etwa ein Provider bin, eine TV-Station, die einen HD-Channel hat und 5.1-Sound anbieten will, benötige ich mehr Bandbreite. Bei Dolby Digital Plus kann ich mit einer verfeinerten Kompressionstechnologie aus Stereo 5.1 oder aus 5.1 einen 7.1-Klang machen.

Macht der 5.1-Surround-Sound überall Sinn?
Bei einer Nachrichtensendung nicht. Sinn macht es bei Fußballübertragungen. Wir arbeiten in England mit Sky und der Premiere League zusammen, da wird alles in 5.1 übertragen. Einer unserer Sound-Ingenieure ist bei den Sky-Aufzeichnungen dabei. Das ist natürlich spannend, wenn man bei einem Corner den Ball von vorne nach hinten fliegen und dann den Kopfball direkt aus dem Fernseher hört.

Werden Sound-Ingenieure immer wichtiger für TV-Stationen?
Wir haben ein eigenes Team an Sound-Ingenieuren in Europa, das nichts anderes macht, als mit den Stationen zusammenzuarbeiten und bei den Aufnahmen dabei zu sein. Sound-Ingenieure sind auch in Hollywood gefragt, bei der Film-Nachbearbeitung. Und ein nicht unwesentliches Geschäft von uns ist Sound-Consulting, da erklären wir Filmemachern, wie man 5.1 macht.

Welche Qualifikation muss ein Sound-Ingenieur haben?
Das sind meistens Musiker, die auch Techniker sind. Ich bin fasziniert von Menschen, die musikalisch sind und verstehen, wie man gute Qualität erkennt und auch umsetzt, das sind regelrecht Künstler. Sie verstehen den Kreativprozess und programmieren ihre Lösung. Die Leute gibt es nicht auf der Universität zu kaufen, diese Leute sind die besten, die sich zu den Superbesten entwickeln. Theoretisch kann auch ein Crack bei uns arbeiten.

Sie sind Dolby-Chef von Europa, dem Nahen Osten und Afrika. Wann steigen Sie zum Weltchef auf?
Ich muss einen guten Job machen, aber mit meiner Karriere bin ich zufrieden. Vor Dolby war ich bei Realnetworks, davor elf Jahre bei Sony.

Wie oft sind sie in Österreich?
Zu selten, einmal im Monat. Ich lebe in London.

Als Vertreter des besten Klangs, was steht in Ihrem Wohnzimmer?
Ich habe eine ganz normale Sony-Anlage, aus meinen Sony-Zeiten. Sowohl in London als auch Salzburg. Ich mache aber viel mit dem Handy, also meinem Blackberry.

Und iPad haben Sie keines?
Nein.

Warten Sie auf ein anderes Produkt?
Ja, den Samsung Series 7 PC. Ich habe das Notebook zum ersten Mal auf der CES gesehen und finde es cool.

Warum ist Dolby nicht in der Spracherkennung und Sprachsteuerung involviert? So weit ist das ja nicht voneinander entfernt. An der Spracherkennung wird schon seit zwei Jahrzehnten geforscht, mit mäßigem Erfolg.
Das ist nicht einfach. Das ist ein ganz ein diffiziles Geschäft, weil es so viele unterschiedliche Situationen gibt. Wir sitzen da zusammen, wir hören uns. Wenn ich da drüben stehe, hören wir uns nicht mehr. Die ganzen Umwelteffekte gibt es im Studio nicht. Es gibt Funktionen im Handy, die mir sagen, welche Musik aus dem Lautsprecher kommt, die ich grad höre. Das alleine ist schon eine Riesenaktion. Die Umweltgeräusche wegzubekommen, ist schwierig, Wir sind in diesem Bereich aber schon auch beteiligt.

Wann wird Spracherkennung ein Massengeschäft?
Schauen Sie sich die Diktierprogramme an, die sind nicht schlecht. Ein paar Fehler sind noch drinnen. Aber jetzt geht’s um die Verfeinerung. Wir können gewisse Situationen in diesem Bereich wahrscheinlich mit unserer Technologie verfeinern.

Von Dolby gibt es Dolby Volume, Dolby Digital Plus, Home Theater 4, Dolby Mobile, Dolby Pulse, True HD, Advanced Audio 2, Axon Games- Ist das nicht irreführend für den Konsumenten?
Das sind einfach Sub-Brands einer großen Marke, der Endkunde muss das nicht wissen, er braucht es nur einschalten und es muss funktionieren. Jeder, der im digitalen Zeitalter lebt, weiß mit dem Dolby-Logo etwas anzufangen.