Digital Life
20.04.2016

Ein Fünftel ist schon vor dem Frühstück auf Facebook

Der Großteil der Österreicher geht davon aus, dass soziale Medien die Gesellschaft verändern. Platzhirsch ist Facebook. Viele sind bereits vor dem Frühstück eingeloggt.

"Das Internet hat den Wandel eingeleitet, mit Smartphones in Verbindung mit sozialen Medien kam die Revolution", sagt Paul Eiselsberg vom Linzer Meinungsforschungsinstut IMAS am Mittwoch bei der Präsentation seines Buches "#SocialMediaRevolution" in Wien. In dem Buch, dem mehr als 15.000 Interviews zugrundliegen, analysiert Eiselsberg die Auswirkungen neuer digitaler Kommunikationswelten auf Gesellschaft und Wirtschaft. Sein Befund ist eindeutig: "Es wird kein Stein auf dem anderen bleiben."

Dass das Internet und soziale Medien den Alltag grundlegend verändern, glauben laut einer aktuellen IMAS-Umfrage, für die im Februar und März dieses Jahres tausend Personen befragt wurden, auch 80 Prozent der Österreicher. Am stärksten nehmen sie den digitalen Wandel bei ihrem Kommunikationsverhalten wahr, das zunehmend vom Handy und sozialen Medien geprägt ist (57 Prozent). 40 Prozent tauschen sich selbst mit engsten Freunden meist nur noch über Handy, WhatsApp, Facebook und Co. aus. 48 Prozent sind der Ansicht, dass durch soziale Medien radikalere Meinungen schneller verbreitet werden. 47 Prozent gehen davon aus, dass sich Interessensgruppen stärker vernetzen und organisieren können.

Platzhirsch Facebook

Zu wichtigsten Internet-Aktivität, wird vor allem bei jüngeren Leute, die Nutzung sozialer Medien. 41 Prozent der Österreicher sind mit ihnen vertraut. Platzhirsch ist ganz klar Facebook, 2,7 Millionen sind dort angemeldet. Zwar dominiert mit 73 Prozent die Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen, aber auch ältere Semester sind zunehmend in dem Online-Netzwerk zu finden. So wird Facebook etwa von acht Prozent der Über-60-Jährigen und 23 Prozent der 50- bis 59-Jährigen genutzt.

Großteil liest mit

Die mit 42 Prozent größte Gruppe der heimischen Facebook-Nutzer liest auf dem Online-Netzwerk lediglich mit. Es werden Fotos und Profile angeschaut und Informationen eingeholt. Immerhin ein Viertel postet aktiv Beiträge und Fotos, 34 Prozent "liken" Beiträge und Profile anderer Nutzer.

Die Mehrheit der heimischen Facebook-Nutzer (49 Prozent) ist auf dem Online-Netzwerk mit Personen befreundet, die sie - zumindest einmal - auch persönlich getroffen haben. 24 Prozent sind mit ihren Facebook-Freunden auch regelmäßig persönlich in Kontakt und 26 Prozent, sind auf Facebook auch mit Personen "befreundet", die sie persönlich gar nicht kennen.

Wie sehr soziale Medien den kommunikativen Alltag dominieren, zeigt laut Eiselsberg, eine Analyse der täglichen Facebook-Nutzung. 18 Prozent loggen sich direkt nach dem Aufstehen ein, neun Prozent sind spätestens beim Frühstück in dem Online-Netzwerk zu finden. Weitere neun Prozent loggen sich ein, bevor sie morgens das Haus verlassen. Am stärksten wird Facebook am Abend, zwischen 18.00 und 20.00 Uhr, genutzt. Ihre Daten halten die Mehrheit der Österreicher bei Facebook in guten Händen, sagt Eiselsberg: "Die Leute glauben, dass es sicher ist." Weitgehend abgemeldet ist in den sozialen Medien laut Eiselsberg die Politik. Profile von Politikern werden von der Mehrheit der Nutzer für unglaubwürdig gehalten.

Hohes Tempo

Auch wenn die Österreicher mehrheitlich davon ausgehen, dass die Veränderungen durch Internet und soziale Medien anhalten werden, so ist vielen das Tempo doch zu hoch. Eine Auszeit von Facebook kommt für das Gros der heimischen Nutzer aber nicht in Frage: "Das ist allenfalls ein kleiner Trend", sagt Eiselsberg: "Er fällt in der Masse gar nicht auf."