Digital Life
22.04.2018

Erstes Kino in Saudi-Arabien mit "Black Panther" eröffnet

Erstmals nach fast 40 Jahren wurde in dem erzkonservativen Land ein Kino eröffnet. Bis 2030 sollen 350 weitere folgen.

Die Karten waren ab Mitternacht online verfügbar und innerhalb von Minuten ausverkauft - trotz eines Preises von umgerechnet 16 Euro. Im Foyer des Kinos in Riad schossen aufgeregte Besucher Selfies und stellten sich für Popcorn in die Schlange. Anlass war die Eröffnung des ersten Kinos in Saudi-Arabiens seit dem Verbot in den 80er-Jahren, die auf Reformen des Kronprinzen Mohammed al-Salman zurückgehen.

Soziale Öffnung

Der heute 32-jährige Salman wurde Mitte 2017 zum Kronprinzen ernannt und damit zum designierten Thronfolger. Sein Aufstieg hat eine vorsichtige soziale Öffnung in dem bisher streng konservativ ausgerichteten Königreich nach sich gezogen, wo Kinos in den 80er-Jahren als unislamisch geschlossen wurden. Dieses Verbot wurde im Dezember aufgehoben. Im September kündigte die Regierung an, Frauen das Autofahren erlauben zu wollen. Mitte März erklärte Salman dann selbst, er wolle Frauen keine Verhüllung von Kopf und Gesicht vorschreiben.

Elemente dieser Politik waren auch am Freitag im Kino erkennbar. Nach einem kurzen Abriss der Geschichte von „Black Panther“ wurde ein Ausschnitt eines US-Interviews mit dem Kronprinzen gezeigt. Es folgte ein Werbespot für Coca-Cola - mit weiblichen Autofahrern. Allerdings wurden aus dem Film selbst offenbar zwei Kussszenen herausgeschnitten.

Mehrheit der Bevölkerung unter 30

Der Widerstand gegen den von Salman vorangetriebenen Wandel scheint in Saudi-Arabien insgesamt begrenzt zu sein, einem Land, in dem die Mehrheit der Bevölkerung von 32 Millionen jünger als 30 Jahre ist. Allerdings sind die Möglichkeiten zur Äußerung von Kritik eingeschränkt: Demonstrationen und politische Parteien sind verboten, die Medien werden streng kontrolliert, prominente Geistliche und konservative Aktivisten sitzen seit Jahren in Haft.

In Zukunft soll die Zahl der Kinos rasant steigen. Insgesamt wollen die Behörden bis 2030 etwa 350 Lichtspielhäuser mit mehr als 2.500 Leinwänden bauen lassen. Die Ticket-Verkäufe sollen dabei jährlich etwa eine Milliarde Dollar erreichen.