Digital Life
08.02.2011

Facebook wird zur Plattform für Prostituierte

Der US-Soziologe Sudhir Venkatesh hat ein Jahr lang das Leben von Sexarbeiterinnen in New York untersucht und kommt zu überraschenden Ergebnissen. Neben dem Online-Netzwerk erfreuen sich vor allem BlackBerrys großer Beliebtheit - aus ganz speziellen Gründen.

83 Prozent der Prostituierten haben eine Facebook-Seite - zu diesem Ergebnis kommt Sudhir Venkatesh von der US-Universität Columbia. Der Soziologieprofessor hat für seine Studie ein Jahr lang die Arbeitswelt von 270 Sexarbeiterinnen in New York untersucht. Neben vielen anderen Ergebnissen überraschen vor allem die technologischen Aspekte: Venkatesh schätzt, dass bis Ende 2011 Facebook zum "führenden Anwerbungsraum" von Freiern werden würde. Bereits 2008 hätten 25 Prozent der Prostituierten ihre Kunden über Facebook gefunden.

Emanzipation vom Zuhälter

Ein Grund für die stark gewachsene Nutzung im US-Sexgewerbe sind die geänderten Geschäftsbedingungen der populären Kleinanzeigen-Plattform Craigslist, die seit vergangenem Jahr gelten: Damals wurde auf Druck der Staatsanwaltschaft die "Adult Section" zuerst zensiert und dann ganz entfernt. Der Grund: man wollte die Prostitution, die sich weg von der Straße hin in für die Behörden nur schwer einsehbare Hinterzimmer verlagert, so unter Kontrolle bringen. Dass Prostituierte jetzt auf Facebook ausweichen, hatte den gegenteiligen Effekt.

Laut Venkatesh haben Facebook-Seiten noch andere, entscheidende Vorteile für die Sexarbeiterinnen. "Sie können ihr Image kontrollieren, Preise selbst bestimmen und von Zuhältern und anderen Personen wegkommen, die früher einen Anteil ihrer Einkünfte bekamen", so der Soziologe.

BlackBerry als Arbeitsgerät

Interessant ist auch, welche Handys bei den New Yorker Prostituierten beliebt sind: Überragende 70 Prozent besitzen einen BlackBerry, 11 Prozent ein iPhone, 19 Prozent haben andere Mobiltelefone. Der Grund für die Popularität der kanadischen Smartphones sei die Symbolwirkung. "Für die Kunden suggerieren sie als Symbol des professionellen Berufsleben, dass die Prostituierten frei von Drogen und Krankheiten sind", so Venkatesh.

Außerdem hätten Sexarbeiterinnen meist zwei Handys bei sich, und zwar aus Sicherheitsgründen. Denn oft würden männliche Kunden ihnen das Mobiltelefon wegnehmen, um Macht und Kontrolle auszuüben.

(futurezone)