Flops 2012: Apple Maps, Bank Austria, Nokia

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Flops 2012: Apple Maps, Bank Austria, Nokia
12/31/2012

Flops 2012: Apple Maps, Bank Austria, Nokia

Die IT-Welt hat Konsumenten 2012 nicht nur mit neuen Produkten und Services beglückt, sondern in einigen Fällen ziemlich verärgert. Ob IT-Riesen wie Apple, Amazon, Nokia oder Facebook weltweit oder Bank Austria und die Vorratsdatenspeicherung in Österreich - auch dieses Jahr gab es eine ganze Reihe an Flops.

von Jakob Steinschaden

Apple Karten-DebakelVom Logo (das eine Weganweisung zeigt, die in einem Sturz von der Brücke enden würde) bis zu den 3D-Ansichten: Die neuen Karten, die Apple mit seinem Betriebssystem-Update iOS6 seinen Kunden aufzwang, sind der IT-Flop des Jahres. Zuletzt warnte gar die

, dass die Navigation mit den Apple-Karten tödlich ausgehen könne. Apple-Chef

öffentlich für das Desaster, der verantwortliche Manager Richard Williamson wurde

, und Apple-Store-Mitarbeiter wurden in einer Art Crowdsourcing-Aktion

die Karten zu verbessern. Seit kurzem ist dank Google alles wieder gut: Die nun erhältliche

ist hervorragend und bereits auf mehr als 10 Millionen Apple-Geräten installiert.

EDV-Umstellung bei der Bank AustriaSystemumstellungen gehen selten ohne Probleme über die Bühne, doch die Bank Austria hat 2012 mit der Migration auf das neue Online-Banking alles getoppt: Ende Oktober kam es zu

, Hunderttausende Kunden konnten nicht auf ihre Online-Accounts zugreifen. Im Drei-Tages-Rhythmus musste man davon berichten, dass es

bei der Unicredit-Tochter gekommen ist, und BA-Vorstandsvorsitzender Willibald Cernko musste sich

. Mehr als 250.000 Kunden holten sich die 30-Euro-Trostpflaster-Gutscheine ab - wobei es dann

.

Nokias Windows PhonesMit dem gelben Lumia 920 wollte Nokia 2012 einen echten

hinlegen - und kam sogleich ins Stolpern. Zuerst kam den Finnen Samsung in die Quere, weil sie das

,  kurz nach der Präsentation schwappte dann eine Welle der Empörung durchs Netz, weil Nokia bei der Bewerbung der angeblich tollen Handy-Kamera

und

gefälscht hatte. Holprig ging es weiter, weil einige Mobilfunker das teure Lumia 920 zuerst nicht ins Portfolio aufnehmen wollten (z.B. die Deutsche Telekom), nach Österreich kommen die Geräte

. Wirtschaftlich gesehen konnten die WP8-Handys Nokia nicht aus dem Schlamassel holen, die Finnen schlossen Fabriken, entließen Tausende Mitarbeiter und

.

Facebooks BörsengangMit einem Wert von

schaffte das Online-Netzwerk von Mark Zuckerberg den größten Internet-Börsengang aller Zeiten - nur, um sich dann auf eine steile Talfahrt zu begeben. Die Meldungen über den sinkenden Aktienkurs wollten nicht enden, bis sich sogar Zuckerberg selbst über den Gang aufs Parkett

zeigte. Unrund ging es auch beim Konsortialführer Morgan Stanley zu, der den Börsengang begleitete - wegen der missbräuchlichen Beeinflussung von Anlegern wurde die Großbank mit einer

belangt. Im Dezember lag Facebook mit einem Börsenwert von etwa 60 Mrd. Dollar noch immer weit unter dem ursprünglichen Ausgabepreis.

Start der VorratsdatenspeicherungBegleitet von

startete in Österreich am

- seither werden Verbindungsdaten von E-Mail, Handy und Internet der Österreicher sechs Monate gespeichert. Die Bürgerinitiative "Stoppt die Vorratsdatenspeicherung" fand mehr als 100.000 Unterstützer, mehr als 11.000 schlossen sich einerVerfassungsklage des AK Vorrat an. Dass die VDS nicht zum ursprünglichen Zweck der Terrorbekämpfung eingesetzt wird,

Ende November. Schließlich legte der

gegen die VDS ein und brachte die Angelegenheit vor den EuGH - was von den Gegnern als wichtiger Etappensieg gefeiert wurde.

Facebook-Verbot für ORFIm Februar

39 Facebook-Auftritte des ORF, weil laut ORF-Gesetz dem ORF die Bereitstellung von "soziale Netzwerken sowie Verlinkungen zu und sonstige Kooperationen mit diesen" verboten seien. Im Mai

, und bald waren Verfassungs- und Verwaltungsgerichtshof mit der Causa befasst. Eine Studie des renommierten Wissenschaftlers Viktor Mayer-Schönberger bezeichnete das Facebook-Verbot als “

”, und zwischenzeitlich wurde es vom Verfassungsgerichtshof

. Bleibt zu hoffen, dass 2013 eine intelligente Lösung für das nicht vorhandene Problem gefunden wird.

Patentkriege gehen weiterBereits 2011 haben die Patentkriege Konsumenten weltweit verärgert, 2012 gipfelten sie im September in der sagenhaften 1,05-Milliarden-Dollar-Strafe für Samsung, die der südkoreanische Konzern für die Verletzung von Apple-Patenten zahlen musste. Die Leidtragenden der Streitigkeiten waren 2012 die Konsumenten, die durch Verkaufsverbote (z.B.

und

in den USA, Galaxy S II und iPhone 4

) nicht an die Geräte herankamen, die sie eigentlich kaufen wollten. Für 2013 ist in Anbetracht der vielen Feindschaften (Apple vs. Samsung, Nokia vs. RiM, Google vs. Apple, usw.) kaum mit einer Besserung zu rechnen - zudem könnten neue Geräte teurer werden, weil Firma A Lizenzgebühren an Firma B zahlen muss.

Glühbirnen-Verbot der EUZiemlich unbeliebt hat sich die EU mit dem

gemacht, das auch in Österreich seit dem 1. September gilt. Das Problem dabei: Die als Alternative angepriesene Energiesparlampe liefert schlechte Lichtqualität und gilt wegen hohem Quecksilber-Anteil als giftige Zeitbombe. Zusätzlich problematisch ist, dass die neuartigen LED-Lampen, die besseres Licht bei vergleichbarer Energieeinsparung bieten und weniger umweltschädlich sind, noch viel zu teuer sind. Dementsprechend

mit “Grubenleuchten” oder “Tunnellampen”, die nichts anderes sind als alte Glühbirnen unter neuem Etikett.

Google Nexus QSehr stolz war Google auf sein neuartig designtes Streaming-Gerät, das als “Made in The USA” im

wurde. Mit einem Preis von 300 Dollar erwies sich das Nexus Q dann aber als schwer zu installierendes Gerät, dass lediglich im Google-Universum funktioniert und im Wesentlichen YouTube und Apps aus dem Play Store auf einen Flat-TV bringen kann. Wegen erster Kritik musste der

werden, und seither war nichts mehr von dem Gerät zu hören.

Das Ende von Mass Effect 3Eines der besten Science-Fiction-Abenteuer verärgerte Computer-Spieler mit einem besonders schlechten Ende: Denn Macher BioWare ließ den Helden Commander Sheperd, der den Zockern über die Jahre ans Herz gewachsen sein dürfte, in den meisten der alternativen Enden sterben. Schließlich

aber doch den Protesten und dem medialen Druck und bot ein weiteres alternatives Ende zum kostenlosen Download an.

Amazons Server-AusfälleIm April 2011 crashte die Amazon-Cloud in Nordamerika, und riss Foursquare, Reddit, Quora, Hootsuite, SCVNGR, About.me und dutzende andere Seiten, Apps und Services mit sich ins Offline. 2012 sollte sich das Blackout wiederholen: Im Juni waren populäre Dienste wie Pinterest, Instagram und Netflix wegen einem

nicht oder nicht reibungslos verfügbar, im

mussten Reddit, Flipboard, Coursera, Imgur, Heroku und Minecraft dran glauben. Die Fälle führten drastisch vor Augen, wie anfällig zentralisierte Internet-Strukturen sind - denn wenn Amazon offline geht,

.

Zyngas AbstiegDer einstige Star am Social-Games-Himmel hat ein fürchterliches Jahr hinter sich: Nach einem

Ende 2011 hörte man eigentlich nur Negatives aus der Zynga-Zentrale in San Francisco: Schwindende Nutzerzahlen, Quartal um Quartal

, ein stets

,

und obendrein ein

, die offenbar nicht an eine große berufliche Zukunft mehr glaubten. Schließlich löste man sich mit Plänen einer eigenen Game-Plattform vom wichtigen Partner Facebook los - ob man alleine in der Internet-Welt überleben wird können, muss Zynga 2013 beweisen.

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