Digital Life
07.06.2011

Forschung: Geburtshilfe-Software für Afrika

Uniklinik Heidelberg will helfen, Mütter- und Kindersterblichkeit zu senken

Geburtshilfe per Mausklick: Wissenschaftler der Uniklinik Heidelberg haben eine Software entwickelt, die Geburten und Schwangerschaftsvorsorge in Afrika sicherer machen soll. „Wenn man sich die Zahl der Müttersterblichkeit in Afrika anschaut, ist das erschreckend“, sagt Antje Blank, Ärztin der Abteilung für Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie. Sie ist auf medizinischer Seite verantwortlich für die Softwareentwicklung. „Die Sterblichkeitsrate ist teilweise um das Hundertfache höher als in Europa.“ Jährlich sterben laut WHO weltweit rund 225 000 Frauen und zwei Millionen Kinder aufgrund von Komplikationen bei der Geburt.

Die neue Software soll das in ländlichen Gebieten Afrikas verhindern. Das Programm lotst Geburtshelfer durch die Entbindung und zeigt auf, was in kritischen Phasen und bei Komplikationen getan werden muss. „Wichtig ist, dass die kritischen Situationen während einer Schwangerschaft und Geburt rechtzeitig erkannt werden.“ Dann empfiehlt das System Medikamente oder die Verlegung in ein Krankenhaus. „Viele Frauen können durch einfache und rechtzeitige Maßnahmen gerettet werden“, betont Blank. Denn häufig würden selbst einfachste Kontrolluntersuchungen wie das Blutdruckmessen unterlassen.

Einsatz in Burkina Faso, Ghana und Tansania
Im Sommer soll die Software, die derzeit in der Pilotphase ist, an Einrichtungen in Burkina Faso, Ghana und Tansania eingesetzt werden. Dazu nahmen kürzlich Mediziner und Informatiker der Forschungspartner aus den drei Ländern an einem Workshop teil.

In den Ländern selbst sei das Computerprogramm begeistert aufgenommen worden. „Viele Hebammen haben noch nie einen Computer gesehen“, sagte Blank. „Die Leute lernen unglaublich schnell und haben Spaß an der Aufwertung ihrer Arbeit“. Der Computer gelte in Afrika als Privileg. „Unseres Wissens nach ist das die weltweit einzige Software für Schwangerenvorsorge und Geburt für die Versorgung in Entwicklungsländern“, sagt Blank.