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Strahlenschild Gerasdorf schützt Kinder mit Stickern vor WLAN-Strahlen.

Würden diese Kinder in Gerasdorf zur Schule gehen, hätten sie eine strahlensichere Zukunft vor sich (Symbolbild)
Würden diese Kinder in Gerasdorf zur Schule gehen, hätten sie eine strahlensichere Zukunft vor sich (Symbolbild) - Foto: Getty Images/iStockphoto/karelnoppe/Thinkstock
Die Stadtgemeinde Gerasdorf stattet Kindergärten, Schulen und das Rathaus mit Aufklebern aus, die vor elektromagnetischen Strahlen schützen sollen.

Seit es strahlende Geräte gibt, gibt es Bedenken, dass diese gesundheitsschädigend sind. Damals waren es das Radio, dann das Fernsehen. Heute sind Smartphones und WLAN-Router die potenziellen Krebserreger. Zumindest die Kinder und Beamten in Gerasdorf müssen jetzt nicht bangen, vom WhatsAppen Fingerspitzenkrebs zu bekommen.

Laut einem Bericht der NÖN hat die Stadtgemeinde Gerasdorf (Niederösterreich) sämtliche Gemeindekindergärten, alle Volksschulen, die Neue NÖ Mittelschule Gerasdorf und das Rathaus strahlensicher gemacht. Die nötige „Hardware“ dazu kommt vom österreichischen Unternehmen Waveex – in der Form eines Stickers, der auf WLAN-Router, Handy, Tablet, Notebook und andere Geräte geklebt werden kann.

24,90 Euro pro Aufkleber

Die Wirkung des 24,90 Euro teuren Stickers wird vom Hersteller so beschrieben: Waveex zerlegt die Spitzen (sogenannte Gradienten) zu sanften Verläufen die für unseren Bio-Organismus verträglich und harmonisch sind, womit elektromagnetische Felder für unseren Körper verträglich gemacht werden.

Die positive Wirkung sei durch Studien belegt. Diese sind auch auf der Website hinterlegt. „Wasserspezialist Bernd Bruns“ macht etwa die Studie „Wie Waveex unser Blutbild positiv beeinflusst“ und „i-bmr Dr. Elisabeth Plank“ verrät „Wie Waveex den körperlichen Stresslevel reduziert.“

Nicht nachweisbar

Florian Aigner, Physiker, Wissenschaftserklärer und Kolumnist der futurezone, sieht das anders: Elektrosensibilität ist eine schlimme Sache – Leute, die darunter leiden, sind in ihrer Lebensqualität schwer benachteiligt. Allerdings sind daran nicht irgendwelche Strahlen Schuld. Das kann man leicht testen: Man muss nur elektrosensible Personen einer Strahlenquelle aussetzen und sie angeben lassen, ob diese Strahlenquelle ihrer Ansicht nach gerade ein- oder ausgeschaltet ist. Könnten sie die Strahlen tatsächlich fühlen, wäre das einfach – es gelingt in Blindtests allerdings nie.

Daher muss man sagen, dass Elektrosensibilität einfach eine Angst vor der Strahlung ist, ein Schmerz, der im Kopf entsteht. Man muss daher diese Angst bekämpfen und nicht die Strahlen, Strahlen haben damit gar nichts zu tun.

Den ausführlichen Artikel dazu könnt ihr hier nachlesen: Schmerz durch Handystrahlen.

Werbeaktion

Die Gemeinde Gerasdorf dürfte jedenfalls überzeugt von der Wirkung sein. Die NÖN zitieren den Bürgermeister Alexander Votja: „Der Schutz wird in allen Gerasdorfer Schulen und im Rathaus installiert. Damit ist unsere Gemeinde Vorreiter in diesem Bereich, wo es um die Gesundheit unserer Kinder geht.“ Vizebürgermeister Lukas Mandl: „Gemeinsam sorgen wir dafür, dass alles unternommen wird, um allen Gerasdorfern und besonders den Kindern bestmögliche Lebensbedingungen zu bieten.“

Immerhin scheint die Gemeinde Gerasdorf keinen finanziellen Aufwand durch die großangelegte Strahlenschutzmaßnahme zu haben. Wie Günter Turtenwald, Geschäftsführer von Waveex, gegenüber der futurezone bestätigt, wurden die rund 120 Aufkleber kostenlos zur Verfügung gestellt. Diese wurden auf die WLAN-Router und Schnurlostelefone der Kindergärten, Schulen und des Rathauses geklebt.

„Uns geht es hier um die Aufklärung, wir gehen aktiv in Schulen und Kindergärten“, sagt Turtenwald.  Man verhandle bereits mit vier weiteren Gemeinden über ähnliche Kooperationen. In Zukunft könne man sich auch vorstellen, eine Lösung für Handymasten zu entwickeln.

Kritik im Netz

Laut Turtenwald sei er mit seiner Firma Waveex mit der Idee für die kostenlosen Sticker an die Stadtgemeinde Gerasdorf herangetreten. Laut Vizebürgermeister Mandl, dem auf Twitter vorgeworfen wird, diese Werbeaktion aktiv unterstützt zu haben, sei dies etwas anders gewesen.

Turtenwald sei auf die Eltern der Gemeinde zugegangen, die wiederum an die Stadtgemeinde herangetreten seien. Er habe nach dem Motto: "Bringts nichts, schadets nichts" gehandelt, weil er die Eltern nicht enttäuschen wollte.

Anfragen der futurezone bei der zuständigen Mitarbeiterin der Stadtgemeinde Gerasdorf und dem Bürgermeister von Gerasdorf laufen noch. Bisher waren sie noch nicht erreichbar.

(futurezone) Erstellt am 01.06.2017, 15:38

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