Browser
10/11/2010

Gewinner und Verlierer im Kampf um die Browser-Vorherrschaft

Die EU-Kommission hatte versucht, gegen die Marktdominanz von Microsofts Webbrowser Internet Explorer vorzugehen. Wie sich nun zeigt, war dieses Vorhaben bislang kaum von Erfolg gekrönt.

von Irene Olorode

Um einer Strafe der EU-Kommission wegen Verstößen gegen das Wettbewerbsrecht zu entgehen, entschied sich Microsoft im vergangen Jahr dazu, sein neues Betriebssystem Windows 7 in Europa ohne den Browser Internet Explorer auszuliefern. Damit war Microsoft von seiner bis dahin üblichen Argumentation abgewichen, dass der Internet Explorer ein wesentlicher Bestandteil seines Betriebssystems sei und aus diesem nicht herausgenommen werden dürfe. Von Seiten der Europäischen Kommission war dem Sofwarehersteller in Hinblick auf das Wettbewerbsrecht hingegen vorgeworfen worden, durch die Koppelung seines Webbrowers an Betriebssysteme seine dominante Marktposition in unzulässiger Weise auszunutzen. Um Klagen zu entgehen, entschied sich Microsoft letztlich dazu, Windows 7 ohne den vorinstallierten Browser auszuliefern. Darauf reagierte die Europäische Kommission wenig erfreut, da dies an dem Wunsch vorbeiging, den Nutzern eine größere Auswahl an Browsern zu bieten. Dies tat Microsoft schließlich und bot 2000 Millionen Windows-Nutzern in Europa die Möglichkeit, sich zwischen zwölf Browsern, darunter neben dem Internet Explorer, Firefox, Chrome, Opera und Safari, zu entscheiden.

Nun hat sich gezeigt, dass diese Wahlfreiheit kaum Auswirkungen auf die Konsumenten hat und die Debatte rund um die Einflussnahme von Kartellbehörden könnte erneut entflammen, denn der Versuch auf diesem Wege die Vormachtstellung von Microsoft zu durchbrechen, scheint gescheitert zu sein. Gemäß den Daten von StatCounter, einer in Dublin ansässigen Firma, welche die Nutzung von Browsern untersucht, verringerte sich der Marktanteil von Microsofts Internet Explorer von Jänner bis Oktober 2010 von 44,9 % auf 39,8 %. Insgesamt ging der Marktanteil von Microsoft im Jahr 2009 um 5,5 Prozent, im Jahr davor gar um 8 Prozentpunkte zurück.

Der Verlust von Microsoft gingen zugunsten von Google. Google hatte seinen Browser Chrome 2008 vorgestellt. Allein im Jahr 2010 konnte Google die Verbreitung von Chrome bereits verdoppeln. Hatte der Browser im Jänner 2010 noch einen Marktanteil von 2,8 Prozent, so konnte dieser bis Oktober bereits auf 11,9 Prozent ausgebaut werden. Auch Apple konnte den Marktanteil seines Browsers Safari von 3,7 Prozent im Jänner auf 4,5 Prozent im Oktober steigern. Die Nutzung von Opera stieg im selben Zeitraum jedoch kaum an. Erreichte der Browser Anfang des Jahres noch einen Marktanteil von 4,3 Prozent, so stieg dieser bis Oktober lediglich um 0,2 Prozentpunkte an. Firefox hat gar mit einer rückläufigen Entwicklung zu kämpfen. Die Nutzung des Mozilla-Browsers ging von 39,9 Prozent im Jänner auf 38,8 Prozent im Oktober zurück.

Sowohl Browserhersteller, als auch Marktforscher sind sich einig, dass diese Entwicklung nicht allein auf das Einwirken der Europäischen Kommission zurückgeführt werden kann. Amelia Torres, Pressesprecherin des EU-Wettbewerbskommissars Joaquin Almunía sieht dies anders. Im Interview mit der //New York Times//, meinte sie, dass jüngste Marktforschungsergebnisse in die Richtung deuteten, dass der Wettbewerb unter den Browsern größer geworden sei, was für sie ein Indikator für den Erfolg der Wahlfreiheit sei.

(Irene Olorode)