Digital Life 23.07.2016

Ghostbusters: Mittelmäßigkeit ist keine Gender-Frage

Ghostbusters © Bild: Sony Pictures

Die Neuverfilmung von Ghostbusters hinterlässt keinen bleibenden Eindruck – weder positiv noch negativ. Einem Film kann kaum Schlechteres passieren.

Um es wie die Amerikaner zu sagen: Let’s address the elephant in the room. Der neue Ghostbusters-Film (ab 5. August im Kino) wird seit dem ersten Trailer massiv kritisiert. Während einige recht offensichtlich den „Fem-Nazis“ Tod und Vergewaltigung wünschten, haben sich andere scheinbar persönlich angegriffen gefühlt, weil der Film zu wenig gruselig ist (und die Hauptdarsteller zu weiblich sind).

Einige Medien bezeichneten das als „PR-Desaster“ für Sony. In Wirklichkeit ist es aber die beste Werbung für den Film gewesen. Denn ohne den Hass gegen die geschlechtermäßige Mehrheit der Bevölkerung wäre der Film einfach im Sommerkinoprogramm versunken - weil er weder besonders gut noch schlecht aus der Masse heraussticht.

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Mehr Comedy als Mystery

Eigentlich ist schon nach den ersten fünf Minuten klar, woher die Geisterplage kommt, weshalb das Nachforschen in der Geschichte und verknüpfen der gruseligen Zwischenfälle relativ kurz kommt. Stattdessen fokussiert sich der neue Ghostbusters-Film auf den komischen Teil der Geisterjagd.

Das führt schon nach gut 45 Minuten zu einer Übersättigung an Slapsticks und dummen Sprüchen. Jede der Darstellerinnen macht das, was sie in ihren früheren Comedy-Filmen am besten konnte. So spielen sie zwar ihre Stärken raus, allerdings wirken die Witze dadurch schnell abgedroschen.

Ein Lichtblick ist hier Kate McKinnon in der Rolle von Holtzmann, die als Jolly Joker fungiert. Da Holtzmann sowohl Genie, als auch verrückt, mental ein Teenager und gruselig ist, kommen manche Pointen unerwartet genug, um noch ein Schmunzeln zu entlocken.

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Rasante Entwicklung

Als Kind der Generation Protonenpack schmerzt es mich zu sehen, wie rasant Holtzmann das Arsenal der Ghostbusters erweitert. In scheinbar wenigen Tagen wird aus einem riesigen, improvisierten Protonenstrahler nicht nur das klassische Pack, sondern auch Anti-Geist-Granaten, ein Bewegungs-aktivierter Anti-Geist Boxhandschuh mit Schussfunktion, zwei Pistolen die stärker als die Strahler sind, eine Art Anti-Geist-Granatwerfer oder Schrotflinte (die aus dem Nichts auftaucht) und ein Handstaubsauger, der Geister zerhäckselt.

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Ghostbusters © Bild: Sony Pictures

Die Geisterfalle kommt nur einmal zum Einsatz. Fangen ist ohnehin nicht nötig, da die Geister ja mit den neuen Waffen zerstört werden können. Das nimmt den Ghostbusters ein klassisches Element weg, das zur Faszination Geisterjagd beigetragen hat. Filme und Serien, in denen die Bösewichte simpel erschossen werden, gibt es ohnehin genug.

Obwohl betont wird, wie gefährlich die Gerätschaften sind (wegen des nuklearen Materials), fehlt es den Protonenpacks an Wumms. In den alten Ghostbusters-Filmen wirkten die Protonenstrahler sehr zerstörerisch (nicht die Strahlen kreuzen!). Hier sind sie eher wie Spielzeug, das man auch ruhig mal dicht über den Köpfen der Kolleginnen oder einer Menschenmasse abfeuern kann.

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Ghostbusters © Bild: Sony Pictures

Blau und Grün

Die Special Effects sind hauptsächlich Blau und Grün, in denen die Geister leuchten. Leider schaut das nicht stimmig aus. Die Geister sehen aus als würden sie aus einem Scooby Doo oder anderen Kinder-Filmen entflohen sein.

Die Protonenstrahlen sind gelb-orange Schnüre, die die Geister fesseln. Nicht etwa durch ihre Strahlung: Sie wickeln die Geister tatsächlich ein, als ob sie Seile wären.

Fazit

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Ghostbusters © Bild: Sony Pictures

Ghostbusters ist ein durchschnittlicher Sommerfilm. Es ist ein Film, den man mit Freunden anschaut, wenn man für den KinobesuchStar Trek Beyondvorschlägt und als Reaktion ein „Spielt’s nichts anderes?“ zurückkommt.

Der Film bombardiert einen mit Pointen, wodurch die Chance relativ hoch ist, dass man zumindest ein oder zwei Mal lacht. Begeistern kann Ghostbusters aber nicht und so schlecht, dass man sich danach mehrere Stunden darüber auslassen kann, wie furchtbar er war, ist er auch nicht. Oder um es im Internet-Fachjargon auszudrücken: meh.

( futurezone ) Erstellt am 23.07.2016